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Haustechnik

Smart Home im Neubau - Bus, Funk oder konventionell

Dieselbe Funktionsliste, vier Ansätze: Was jeder davon bei Komfort, Energie, Wartung, Ausfall und Herstellerabhängigkeit leistet.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 9 Min Lesezeit
Smart-Home-Steuerung im Wohnbereich eines Neubaus
Bedienung einer Haussteuerung im Wohnbereich.

Gibt es eine Bus-Pflicht?

Die Fachliteratur zu DIN 18015-1:2020-05 nennt keine Pflicht zu einem Bussystem im Wohnneubau. Die Norm sieht vor, dass zwischen dem Wohnungsverteiler und einem Kommunikationsverteiler eine Leitung oder ein Elektroinstallationsrohr für die Spannungsversorgung liegt und dass eine Anbindung an eine eventuelle Gebäudesystemtechnik vorzusehen ist. Die RAL-RG 678 ergänzt ihre Ausstattungswerte um die optionalen Stufen 1plus, 2plus und 3plus für Gebäudesystemtechnik; sie setzen die konventionelle Ausstattung voraus und können raumweise vergeben werden. Die Auswahl trifft der Bauherr nach Anforderungen.

Vier Ansätze

  • Konventionelle Installation: Schalter und Steckdosen mit Leitungen ohne Bus; Komfortfunktionen nur über einzelne Geräte (Zeitschaltuhr, Bewegungsmelder).
  • Herstelleroffener Bus (zum Beispiel KNX): Geräte vieler Hersteller auf einem gemeinsamen Standard (ISO/IEC 14543-3), die Verkabelung liegt im Neubau; mehr unter KNX im Neubau.
  • Herstellergebundenes System mit Bus und Funk (zum Beispiel Loxone): Server, Bus und Geräte aus einer Hand; mehr unter Loxone.
  • Funk-Systeme (zum Beispiel Homematic IP, Matter-Geräte): keine Bus-Leitung, Geräte per Funk oder Netzwerk vernetzt; mehr unter Homematic IP und Matter.

Mischlösungen sind üblich: ein Bus für die Kernfunktionen im Haus und Funkgeräte für Ergänzungen. Beim Mischen entsteht Schnittstellenaufwand, den das Angebot ausweisen muss.

Bewertung nach Kriterien

Die fünf Kriterien werden getrennt betrachtet. Keine Spalte gewinnt allein; die Gewichtung hängt von Ihren Anforderungen ab.

KriteriumKonventionellOffener BusHerstellergebundenes SystemFunk
Komfortfunktionenwenige, geräteweiseumfangreich, Szenen und Logikumfangreich, Szenen und Logikje Gerätegruppe, meist ohne raumübergreifende Logik
Energieeinsparungnur mit Einzelgeräten (Bewegungsmelder, Thermostat)über Regelfunktionen möglichüber Regelfunktionen möglichüber Thermostate und Sensoren möglich
WartungElektrikerFachbetrieb mit Software des StandardsFachpartner des Herstellersoft Bauherr selbst, Batterien und Updates
AusfallverhaltenSchalter unabhängigLogik verteilt auf GeräteLogik zentral am Server, Auslegung der Taster entscheidetabhängig von Funkverbindung und Batterien
Herstellerabhängigkeitgeringgering, viele Herstellerhoch, ein Herstellerje nach Standard unterschiedlich
Verkabelung im NeubauStandardleitungenBus-Leitungen zusätzlichBus-Leitungen zusätzlichkeine zusätzliche Leitung

Qualitative Einordnung, die sich auf den Aufbau der Systeme bezieht. Messwerte und Preise stehen in den Angeboten und Datenblättern.

Entscheidungsmatrix für drei Haushalte

Die Haushalte sind Beispiele. Die Zuordnung zeigt, welcher Ansatz zu welchen Anforderungen passt, nicht, welcher der beste ist.

Haushalt und AnforderungenPasst gutMit EinschränkungWarum
A: Familie, Neubau, viele Funktionen (Licht, Beschattung, Heizung je Raum, Zutritt), lange Nutzung, Änderungen durch FachbetriebOffener Bus oder herstellergebundenes SystemFunk alleinRaumübergreifende Logik und lange Nutzung sprechen für Bus-Leitungen; Herstellerabhängigkeit gegen Auswahl und Ersatz abwägen
B: Paar, kleineres Budget, wenige Funktionen (Lichtszenen im Wohnbereich, Heizkörperthermostate)Konventionelle Installation mit Funk-ErgänzungVoller BusWenige Funktionen rechtfertigen keine durchgängige Bus-Verkabelung; Funkgeräte lassen sich später ergänzen
C: Technikaffine Bauherren, wollen selbst konfigurieren, offen für MischungBus für Kernfunktionen mit Funk-ErgänzungHerstellergebundenes System ohne EigenkonfigurationEigene Konfiguration verlangt Zugang zu Software und Dokumentation; die Mischung braucht eine saubere Schnittstelle

Nachfragen, die jedes Angebot beantworten muss

  • Was bleibt funktionsfähig, wenn Server, Netzwerk oder Internet ausfallen?
  • Wer kann Änderungen programmieren, und liegt die Konfiguration in der Übergabe vor?
  • Wie lange sind Ersatzgeräte und Software-Updates zugesagt?
  • Welche Funktionen laufen über Cloud-Dienste, und was kostet der Dienst dauerhaft?
  • Welche Geräte lassen sich später von anderen Herstellern ergänzen?

Verkabelung im Neubau

Was im Rohbau offen ist, lässt sich später nur mit Aufwand ergänzen. Deshalb sollten Sie vor dem Schlitzen entscheiden, ob Bus-Leitungen liegen, an welchen Stellen Leerrohre für spätere Geräte gebraucht werden und wo Netzwerkdosen sitzen (LAN-Verkabelung, Leerrohre). Das ist eine Entscheidung über Möglichkeiten, nicht über ein bestimmtes System: Leerrohre und Netzwerkleitungen halten sowohl Bus als auch Funk-Zentralen offen.

Funktionen auswählen

Der Nutzen steckt in wenigen Funktionen, die Sie täglich nutzen. Prüfen Sie je Funktion drei Dinge: Wird sie im Alltag wirklich benutzt? Funktioniert sie auch bei Ausfall des Systems sinnvoll (manuelle Bedienung)? Was kostet sie an Einrichtung und Wartung? Typische Kandidaten: Lichtszenen, Beschattung nach Sonnenstand, Einzelraumregelung der Heizung, zentrale Abschaltung beim Verlassen des Hauses, Anbindung von Wallbox und PV-Anlage an das Energiemanagement.

Kosten vergleichen

Preise lassen sich nur für gleiche Funktionen vergleichen. Fordern Sie für die Funktionsliste von jedem Anbieter ein Angebot an, das getrennt ausweist: Geräte, Verkabelung, Programmierung und Einrichtung, Inbetriebnahme und Schulung, Wartung und Änderungen, laufende Kosten für Cloud-Dienste. Holen Sie auch für die konventionelle Installation ein Angebot für dieselben Funktionen ein, soweit sie dort möglich sind. Pauschale Spannen ohne Funktionsliste sagen nichts darüber, was Sie bekommen.

Quellen

FAQ - Smart Home im Neubau

Muss im Neubau ein Bussystem eingebaut werden?
Nein. Aus den verfügbaren Auszügen von DIN 18015-1:2020-05 ergibt sich keine Pflicht zu einem Bussystem. Die Norm sieht für den Wohnungsverteiler und den Kommunikationsverteiler eine Leitung oder ein Rohr für die Spannungsversorgung vor und verlangt, eine Anbindung an eine eventuelle Gebäudesystemtechnik vorzusehen. Die RAL-RG 678 führt für Gebäudesystemtechnik die optionalen Stufen 1plus, 2plus und 3plus. Ob ein Bus, Funk oder konventionelle Installation passt, ist eine Entscheidung nach Anforderungen.
Spart Smart Home Energie?
Nur über Funktionen, die den Verbrauch tatsächlich senken, etwa Einzelraumregelung der Heizung, Präsenzsteuerung des Lichts und Beschattung. Die Wirkung hängt von Gebäude, Nutzung und Funktionsumfang ab. Die Norm DIN EN ISO 52120-1 (Ausgabe 02/2025, Nachfolgerin der DIN EN 15232-1) beschreibt ein Verfahren, um den Einfluss der Funktionen der Gebäudeautomation abzuschätzen. Eine Pauschalzahl in Prozent lässt sich daraus nicht ablesen.
Was passiert bei Ausfall?
Das hängt vom Ansatz. Bei einer konventionellen Installation schalten die Schalter unabhängig von einer Steuerung. Bei zentral gesteuerten Systemen hängen Logik und Szenen an der Zentrale; ob Taster bei deren Ausfall weiter schalten, entscheidet die Auslegung. Dezentrale Bus-Systeme wie KNX verteilen die Logik auf die Geräte. Funkgeräte brauchen Batterien oder Netzspannung am Gerät und eine Funkverbindung. Fragen Sie im Angebot, wie jede Funktion bei Ausfall von Server, Netzwerk und Internet reagiert.
Wer hat Zugriff auf meine Daten?
Das ist je System verschieden: Cloud-Dienste speichern Befehle und Status beim Hersteller, lokale Systeme nicht. Der Zugriff von außen (Cloud oder eigener VPN) ist eine eigene Entscheidung und gehört in das Konzept. Das Smart-Home-Netz gehört in einen eigenen Netzbereich, siehe WLAN-Konzept.
Wie finde ich die passende Lösung?
Mit einer Funktionsliste. Schreiben Sie auf, welche Funktion in welchem Raum gewünscht ist, wer sie bedient, wie sie bei Ausfall reagieren soll und was Wartung und Änderungen kosten dürfen. Holen Sie für diese Liste Angebote bei mehreren Anbietern ein, auch für die konventionelle Variante.
Hausbau Journal Redaktion

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