Was eine Mehrspartenhauseinführung ist
Jede Leitung, die von der Straße ins Haus führt, durchstößt die Abdichtung des Gebäudes. Früher bekam jede Sparte ihr eigenes Loch, oft ein einfaches Rohr, das mit Bauschaum oder Mörtel verschlossen wurde. Solche Durchführungen sind die Stellen, an denen später Wasser in den Keller läuft und Bodenluft ins Haus zieht, auch Radon.
Eine Mehrspartenhauseinführung bündelt die Leitungen in einem einzigen, geprüften System. Das Rohbauteil wird beim Bau in die Wand oder die Bodenplatte einbetoniert und mit der Bauwerksabdichtung verbunden. Das Installationsteil nimmt die Leitungen auf und dichtet jede einzeln gegen Gas und drückendes Wasser ab. Laut Westfalen Weser Netz schreiben DIN 18322 in VOB Teil C und das DVGW-Regelwerk, insbesondere G 459-1, W 404 und VP 601, gas- und druckwasserdichte Hauseinführungen vor.
Varianten: Haus mit Keller, Haus ohne Keller
| Gebäude | Wo die Leitungen eintreten | Was im Rohbau passieren muss |
|---|---|---|
| Mit Keller | seitlich durch die Kelleraußenwand in den Hausanschlussraum | Futterrohr oder Rohbauteil in die Kellerwand einbauen oder eine Kernbohrung an der abgestimmten Stelle vorsehen, Anschluss an die Abdichtung der Wand |
| Ohne Keller, Variante 1 | von unten durch die Bodenplatte | Rohbauteil vor dem Betonieren an der Einbaustelle in der Nähe der Außenwand einsetzen, Schutzschläuche unter der Bodenplatte verlegen und einsanden |
| Ohne Keller, Variante 2 | von unten durch eine Aussparung | Aussparung von mindestens 80 × 80 cm in der Bodenplatte offen lassen, die später nach Vorgabe des Systems verschlossen wird |
Quellen: Westfalen Weser Netz, Flyer Ein- und Mehrspartenhauseinführung für nicht unterkellerte Gebäude (08/2021); Stadtwerke Mühlacker, Merkblatt Mehrspartenhauseinführung.
Beim Haus ohne Keller ist die Bodenplatte der kritische Moment. Was beim Betonieren nicht drin ist, kommt nur mit Kernbohrung und Nachabdichtung hinein. Westfalen Weser Netz schreibt dafür in seinem Gebiet geprüfte und regelwerkskonforme Systeme vor und hält ausdrücklich fest, dass das Einbringen von Leerrohren wie KG-Rohren nicht zulässig ist. Für den Netzanschluss dürfen nur die Mantelrohre des zugehörigen Einführungssystems verwendet werden. Mehr zur Entscheidung zwischen beiden Bauweisen unter Bodenplatte oder Keller.
Wer was macht und wer wofür haftet
Die Mehrspartenhauseinführung liegt genau an der Grenze zwischen Bauherr und Netzbetreiber, und so ist auch die Verantwortung geteilt. Die Stadtwerke Mühlacker formulieren es in ihrem Merkblatt so: Für die ordnungsgemäße Montage und Abdichtung des Futterrohrs oder des Grundkörpers in Bodenplatte oder Außenwand ist der Bauherr nach DVGW-Arbeitsblatt GW 390 verantwortlich. Das Fachpersonal des Netzbetreibers erstellt die Hausanschlüsse und garantiert die Abdichtung der Netzanschlussleitungen im Installationsteil.
- Bauherr, praktisch der Rohbauer: Rohbauteil lagerichtig einbauen, an die Bauwerksabdichtung anschließen, Schutzschläuche einsanden.
- Netzbetreiber: Anschlussleitungen vom öffentlichen Netz bis ins Haus verlegen, ins Installationsteil einführen und abdichten.
- Mängel: Erkennt der Netzbetreiber Mängel an der bauseitigen Vorbereitung, teilt er sie laut Mühlacker schriftlich mit, um spätere Regressansprüche auszuschließen. Ein solches Schreiben sollte niemand ignorieren.
Wer das System bezahlt, regelt jeder Netzbetreiber anders. Bei den Stadtwerken Mühlacker ist die Mehrspartenhauseinführung im Grundbetrag des Anschlusses enthalten, wer ein anderes Produkt will, muss DVGW VP 601 und DIN 18322 einhalten. Andere Netzbetreiber verlangen, dass der Bauherr ein zugelassenes System selbst beschafft. Die Anschlussbedingungen stehen in den Unterlagen zum Netzanschlussantrag.
Zeitplan auf der Baustelle
- Mit der Planung: Netzanschluss beantragen. Spätestens mit dem Bauantrag den Kontakt zur Anschlussplanung aufnehmen. Dort erfährt man, welches System vorgeschrieben ist, wer es liefert und an welcher Stelle die Leitungen von der Straße kommen.
- Vor der Bodenplatte: Lage festlegen. Die Einführung gehört an die Seite des Hauses, die der Straße und dem Hausanschlussraum am nächsten liegt. Jeder Meter Leitung auf dem Grundstück kostet Graben und Geld.
- Beim Betonieren: Rohbauteil einbauen. Bei Häusern ohne Keller verlegt mancher Netzbetreiber die Schutzschläuche schon vor der Bodenplatte selbst, die Stadtwerke Mühlacker etwa. Das muss im Bauzeitenplan stehen, sonst steht der Betonmischer und der Netzbetreiber kommt erst nächste Woche.
- Nach dem Rohbau: Hausanschlüsse herstellen. Der Netzbetreiber zieht die Leitungen ein und dichtet das Installationsteil ab. Danach folgen Zähler und Installation im Haus.
Sieben Fragen an den Netzbetreiber, bevor die Bodenplatte geplant wird
- Welches Hauseinführungssystem ist in Ihrem Netzgebiet zugelassen oder vorgeschrieben, und ist es im Anschlusspreis enthalten?
- Wer liefert das Rohbauteil, wer baut es ein, und wer prüft den Einbau vor dem Betonieren?
- Verlegen Sie die Schutzschläuche unter der Bodenplatte selbst, und wie viel Vorlauf brauchen Sie dafür?
- Von welcher Seite des Grundstücks kommen die Leitungen, und wo endet Ihre Leistung, an der Grundstücksgrenze oder in der Hauseinführung?
- Wie viele Sparten soll die Einführung haben, und ist eine Reservesparte für Glasfaser oder einen späteren Anschluss vorgesehen?
- Welche Maße und Abstände gelten für Hausanschlussraum, -wand oder -nische in Ihren technischen Anschlussbedingungen?
- Welche Bauherrenleistungen sind auf dem Grundstück zu erbringen, etwa Graben, Sandbett oder Verfüllung, und nach welchen Vorgaben?
Die Antworten gehören schriftlich in die Bauakte und als Vorgabe an den Rohbauer. Wer sie vor der Ausschreibung der Bodenplatte hat, kann den Einbau in den Rohbauvertrag aufnehmen, statt ihn auf der Baustelle zu improvisieren.
Für die Bauphase braucht das Grundstück oft schon vorher Strom und Wasser, über einen eigenen Baustromverteiler. Wie das läuft, steht unter Baustrom beantragen.
Wohin die Leitungen führen: Hausanschlussraum, -wand oder -nische
Auf der Innenseite endet die Einführung dort, wo Zähler, Hausanschlusskasten und Wasserzähler sitzen. Den Platzbedarf dafür beschreibt DIN 18012. Ein Hausanschlussraum muss nach dem Bauherrenmerkblatt der Stadtwerke Bad Pyrmont unabhängig von der Zahl der Wohnungen mindestens 2,00 m hoch und 1,80 m tief sein, 1,50 m breit bei einseitiger und 1,80 m bei beidseitiger Belegung. Bei Häusern ohne Keller darf er laut den technischen Anschlussbedingungen der Stadtwerke Schwerte durch eine Hausanschlusswand oder eine Hausanschlussnische ersetzt werden.
Zwei Abstandsregeln aus denselben Bedingungen sind für die Planung wichtig: Elektrische Einrichtungen sollen nicht an derselben Wand wie Gas-, Wasser- oder Fernwärmeeinrichtungen liegen, und zwischen Leitungen verschiedener Versorger sollen mindestens 30 cm Schutzabstand bleiben. Welche Geräte sonst in den Raum gehören, steht unter Technikraum und Hausanschlussraum.
Hinter dem Wasserzähler folgen Filter, Druckminderer und bei hartem Wasser eine Entkalkungsanlage. Für die Telekommunikation lohnt es sich, eine Sparte für Glasfaser vorzuhalten, auch wenn der Ausbau im Ort noch aussteht. Mehr unter Glasfaser-Hausanschluss.
Häufige Fehler bei der Hauseinführung
- Bodenplatte ohne Einführung betonieren. Der teuerste Fehler, weil er nur mit Kernbohrung und Nachabdichtung zu beheben ist.
- KG-Rohr statt System. Ein Abwasserrohr als Leerrohr durch die Platte ist keine gas- und druckwasserdichte Einführung und wird von vielen Netzbetreibern abgelehnt.
- Den Netzbetreiber zu spät fragen. Welches System zugelassen ist und wer es liefert, steht in seinen Bedingungen. Wer vorher kauft, kauft unter Umständen das falsche.
- Keine Reservesparte. Glasfaser, eine spätere Wallbox-Zuleitung oder ein Nahwärmeanschluss: Eine freie Sparte kostet beim Einbau wenig.
- Gas mitplanen, ohne es zu brauchen. Wer mit Wärmepumpe baut, braucht keinen Gasanschluss. Eine Sparte dafür offenzuhalten schadet nicht, ein Gasanschluss mit Grundgebühr schon.
- Abdichtung des Rohbauteils nicht prüfen. Der Anschluss an die Bauwerksabdichtung ist Sache des Bauherrn. Ein Foto vor dem Verfüllen gehört in die Bauakte.
FAQ - Mehrspartenhauseinführung
Was ist eine Mehrspartenhauseinführung?
Ist eine Mehrspartenhauseinführung Pflicht?
Wer bezahlt die Mehrspartenhauseinführung?
Wann muss die Mehrspartenhauseinführung eingebaut werden?
Gehört Glasfaser in die Mehrspartenhauseinführung?
Quellen
- Westfalen Weser Netz - Ein- und Mehrspartenhauseinführung für nicht unterkellerte Gebäude (08/2021)
- Stadtwerke Mühlacker - Merkblatt Mehrspartenhauseinführung
- Stadtwerke Bad Pyrmont - Bauherrenmappe
- Stadtwerke Schwerte Netze - Ergänzende Bedingungen zum Netzanschluss
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