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Haustechnik

Verteilerschrank - Aufbau, Grösse, Bestückung

Wie sich die Größe des Verteilers aus Stromkreisen, Schutzgeräten und Reserve ergibt - und wer was bedienen und prüfen darf.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 9 Min Lesezeit
Geöffneter Hausverteiler mit Sicherungsautomaten und FI-Schaltern
Geöffneter Hausverteiler mit Leitungsschutzschaltern und Fehlerstromschutzschaltern.

Aufgabe und Aufbau des Verteilerschranks

Der Verteilerschrank (Stromkreisverteiler, Wohnungsverteilung) ist der Punkt, an dem die Zuleitung auf die einzelnen Stromkreise aufgeteilt wird und die Schutzeinrichtungen sitzen.

  • Schutz vor Überstrom: Leitungsschutzschalter (LSS) öffnen bei Kurzschluss oder Überlast.
  • Schutz vor Fehlerstrom: Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCD) mit höchstens 30 mA für Steckdosen bis 32 A und Beleuchtungsstromkreise in Wohneinheiten (DIN VDE 0100-410:2018-10).
  • Schutz vor Überspannung: Ableiter am Einspeisepunkt, siehe Überspannungsschutz. Nach VDE-AR-N 4100 dürfen Ableiter nicht mehr im Hausanschlusskasten sitzen, erlaubt bleibt der anlagenseitige Anschlussraum im Zählerschrank.
  • Schalten und Steuern: Hauptschalter, Schütze, gegebenenfalls Bus-Aktoren und Lastmanagement.

Mechanischer Aufbau

Das Gehäuse aus Stahlblech oder Kunststoff trägt Hutschienen (TH 35 nach DIN EN 60715), auf die die Reiheneinbaugeräte gerastert werden. Schutzleiter und Neutralleiter laufen über eigene Schienen, die Außenleiter über Sammel- oder Kammschienen. Für Verteiler, die von Laien bedient werden, gilt die Normreihe DIN EN 61439-3.

Vorgaben der DIN 18015-1:2020-05

  • Innerhalb jeder Wohneinheit ist im Belastungsschwerpunkt ein Stromkreisverteiler vorzusehen, in der Regel im Flur.
  • Stromkreisverteiler in Mehrraumwohnungen sind mindestens vierreihig auszuführen, in Einraumwohnungen mindestens dreireihig. In Einfamilienhäusern darf er gemeinsam mit dem Zählerplatz in einem Gehäuse untergebracht sein.
  • Für jede Art von Stromkreisverteiler wird eine Platzreserve von 20 Prozent empfohlen.
  • In mehrgeschossigen Wohnungen sind mindestens zwei Stromkreisverteiler vorzusehen; der zusätzliche sollte nicht kleiner als zweireihig sein.
  • Der Zählerplatz ist für einen Bemessungsstrom von mindestens 63 A auszulegen; für die Leitung vom Zählerplatz zum ersten Stromkreisverteiler gilt dasselbe.
  • Hinter einem zweipoligen RCD höchstens zwei einphasige Endstromkreise, hinter einem vierpoligen höchstens sechs.

Größe aus Stromkreisen, Schutzgeräten und Reserve herleiten

Der Platzbedarf ergibt sich aus der Belegung. Eine Teilungseinheit (TE) misst 17,5 mm. Typische Breiten, die im Datenblatt des gewählten Fabrikats zu bestätigen sind: einpoliger Leitungsschutzschalter 1 TE, dreipoliger 3 TE, vierpoliger RCD 4 TE.

Rechenbeispiel

Annahmen: Der Beispielplan aus dem Ratgeber Elektroinstallation im Neubau mit 22 Stromkreisen, davon 19 einphasig und 3 dreiphasig (Kochfeld, Wärmepumpe, Ladeeinrichtung). Aufteilung nach DIN 18015-1: 19 einphasige Stromkreise hinter vierpoligen RCD mit höchstens 6 Stromkreisen je RCD ergibt mindestens 4 RCD; die drei dreiphasigen Stromkreise erhalten je einen eigenen RCD.

PositionAnzahlTE je GerätTE gesamt
RCD vierpolig4 + 3 = 7428
LSS einpolig (einphasige Stromkreise)19119
LSS dreipolig (dreiphasige Stromkreise)339
Summe Schutzgeräte56
Platzreserve 20 Prozent11,2, aufgerundet 12
Mindestbedarf68

Nicht enthalten: Überspannungsableiter (sitzt im Zählerschrank), Bus-Komponenten, Messgeräte, Schütze. Sie kommen auf den Bedarf obendrauf. Die Wahl der RCD-Typen und Nennströme hängt von den Geräten ab, siehe RCD und RCBO.

Wie viele Teilungseinheiten eine Reihe bietet, hängt vom Gehäuse ab (Hersteller bauen Felder zu meist 12 TE je Reihe, mehrere Felder lassen sich nebeneinander setzen). Aus dem Mindestbedarf wählt die Elektrofachkraft die Gehäusegröße mit der nächsthöheren Kapazität.

Erwärmung

Mehrere Schutzgeräte nebeneinander erzeugen Wärme, die das Gehäuse abführen muss. Wie hoch ein Verteiler dauerhaft belastet werden darf, hängt von Gehäuse, Geräteanzahl und Einbaubedingungen ab und steht in den Herstellerunterlagen zum Verteilersystem. Ein Gehäuse mit viel Reserve und gut belüftetem Aufstellort ist günstiger als ein bis zum Rand vollgepacktes.

RCD und RCBO

Beide Konzepte erfüllen die Norm. Ein RCD schützt mehrere Stromkreise, bei einem Fehlerstrom schaltet die ganze Gruppe ab. Ein RCBO vereint RCD und Leitungsschutzschalter für genau einen Stromkreis: Es fällt nur der betroffene Stromkreis aus. Das erhöht die Verfügbarkeit, kostet aber mehr und kann je nach Fabrikat mehr Platz belegen als ein Leitungsschutzschalter. Die Wahl ist eine Abwägung zwischen Kosten, Platz und Ausfallverhalten; vergleichen lässt sie sich nur mit Angeboten für dieselbe Belegung.

Zählerplatz

Den Zählerplatz legt der Netzbetreiber über die TAB und die VDE-AR-N 4100 fest. Er ist für mindestens 63 A auszulegen. Absicherung und Querschnitt der Hauptleitung sind Sache des Netzbetreibers und der Elektrofachkraft; pauschale Werte sind nicht sinnvoll. Ob ein intelligentes Messsystem eingebaut wird, regelt § 29 des Messstellenbetriebsgesetzes: Pflicht für Letztverbraucher mit mehr als 6.000 kWh Jahresverbrauch und für Anlagenbetreiber mit mehr als 7 kW installierter Leistung, jeweils soweit wirtschaftlich vertretbar und innerhalb der Fristen des § 45.

Unterverteiler

In mehrgeschossigen Wohnungen verlangt DIN 18015-1 mindestens zwei Stromkreisverteiler. Zusätzliche Unterverteiler lohnen sich bei weiten Wegen, Nebengebäuden oder Räumen mit vielen Verbrauchern, weil die Stromkreisleitungen kürzer werden und der Spannungsfall sinkt. Die Zuleitung zu einem weiteren Verteiler innerhalb der Wohnung richtet sich nach dem erwarteten Leistungsbedarf des Unterverteilers.

Bus-Komponenten im Verteiler

Ein Bussystem bringt Spannungsversorgung, Aktoren und gegebenenfalls Schnittstellen in den Verteiler. Ihr Platzbedarf kommt zur Belegung der Schutzgeräte hinzu und steht im Datenblatt der gewählten Komponenten. Welche Komponenten gebraucht werden, hängt von den Funktionen ab, die Sie wollen; die Planung beschreibt KNX im Neubau. Wenn der Platz im Hauptverteiler nicht reicht, nimmt ein eigener Verteiler für die Bus-Technik die Komponenten auf.

PV- und Wallbox-Anbindung

PV-Wechselrichter und Ladeeinrichtung bekommen eigene Stromkreise. Schutzgeräte, Querschnitte und Anmeldepflichten hängen vom Gerät und vom Netzbetreiber ab: für die Ladeeinrichtung siehe Wallbox-Installation, für die PV-Anlage Photovoltaik. DIN 18015-1 sieht vom Zählerschrank zum Ladeplatz eine Drehstromleitung mit 32 A Strombelastbarkeit und ein Leerrohr für ein Netzwerkkabel vor.

Position und Einbau

  • Lage: im Belastungsschwerpunkt der Wohnung, in der Regel im Flur; im Einfamilienhaus häufig im Hauswirtschaftsraum nahe dem Hausanschluss.
  • Zugänglichkeit: frei zugänglich, ohne Möbel oder Regale davor. Bedienhöhen und Freiräume gibt die Elektrofachkraft nach DIN VDE 0100 vor.
  • Aufputz oder Unterputz: Aufputz lässt sich leichter erweitern, Unterputz sitzt plan in der Wand. Im Hauswirtschaftsraum ist Aufputz üblich, im Wohnbereich bietet sich Unterputz an.
  • Feuchte Räume: neben Waschmaschine oder in der Garage Schutzart und Gehäuse nach Einbauort wählen.

Prüfung und Zuständigkeit

Was Bewohner selbst tun dürfen

Laien bedienen den Verteiler im Rahmen der Bauart für laienbediente Verteiler: ausgelöste Schutzgeräte wieder einschalten, Schalter betätigen und die Prüftaste der RCD nach den Intervallen aus der Bedienungsanleitung drücken. Das Öffnen der Abdeckungen, das Wechseln von Geräten und jede Arbeit an Leitungen gehören nicht dazu.

Löst ein Schutzgerät wiederholt aus, ist das ein Hinweis auf einen Fehler im Stromkreis oder Gerät; dann gehört die Ursachensuche einer Elektrofachkraft.

Was die Elektrofachkraft prüft und dokumentiert

Vor der ersten Nutzung steht die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 mit Besichtigen, Erproben und Messen. Das Protokoll enthält die geprüften Anlagenteile, die Ergebnisse je Stromkreis, Verfahren und Prüfgeräte. Zu den Übergabeunterlagen zählen außerdem das Stromkreisverzeichnis mit Beschriftung am Verteiler und die Herstellerunterlagen der eingebauten Geräte.

Wiederkehrende Prüfung: Empfehlung statt Pflicht

Für wiederkehrende Prüfungen bestehender Anlagen gilt DIN VDE 0105-100. Zur Pflicht wird sie vor allem für gewerbliche Betreiber (DGUV Vorschrift 3). Die verfügbaren Quellen nennen für das selbst genutzte Wohnhaus keine gesetzliche Frist; die Initiative Elektro+ empfiehlt eine Überprüfung durch eine Elektrofachkraft bei Mieterwechsel, Umbau, Erweiterung und Hauskauf und eine Grundüberprüfung spätestens nach 35 Jahren. Ob ein Versicherer einen Prüfnachweis verlangt oder Nachlässe gewährt, ist eine Frage des einzelnen Vertrags: Fragen Sie beim Versicherer nach und lassen Sie sich die Bedingung schriftlich geben.

Häufige Fehler beim Verteilerschrank

  • Zu klein dimensioniert. Unter der Mindestgröße der DIN 18015-1 oder ohne die empfohlene Platzreserve von 20 Prozent: Jede Erweiterung verlangt einen zusätzlichen Verteiler.
  • Zu viele Stromkreise hinter einem RCD. Ein Fehler legt dann unnötig viel lahm.
  • Ableiter im Hausanschlusskasten geplant. Nach VDE-AR-N 4100 nicht mehr zulässig.
  • Keine Beschriftung. Im Fehlerfall muss jeder Stromkreis einzeln gesucht werden.
  • Fehlende Herstellerunterlagen und kein Prüfprotokoll. Ohne beides gibt es keinen Nachweis für Auslegung und Funktion.
  • Bus-Komponenten ohne Platzplanung. Der Platzbedarf kommt zur Schutzgerätebelegung hinzu.

Bauablauf für den Verteilerschrank

  1. Werkplanung mit Stromkreisplan und Verteilerbelegung.
  2. Zählerplatz und Hauptleitung nach TAB.
  3. Gehäuse setzen (Aufputz oder Unterputz).
  4. Hutschienen und Schienensysteme montieren.
  5. Schutzgeräte nach Belegungsplan bestücken.
  6. Verdrahten, beschriften, Verteilerplan in der Tür ablegen.
  7. Erstprüfung mit Protokoll nach DIN VDE 0100-600.

Quellen

FAQ - Verteilerschrank

Wie viele Reihen braucht der Verteilerschrank im Einfamilienhaus?
Nach DIN 18015-1:2020-05 sind Stromkreisverteiler in Mehrraumwohnungen mindestens vierreihig auszuführen, empfohlen wird eine Platzreserve von 20 Prozent. Mehr Reihen sind nötig, wenn die Belegung (Stromkreise, RCD, Bus-Aktoren, Ladeeinrichtung, PV) mehr Teilungseinheiten ergibt; den Bedarf leitet die Elektrofachkraft aus dem Stromkreisplan ab.
Was ist eine Teilungseinheit (TE)?
Eine Teilungseinheit ist die Standardbreite von 17,5 mm für Reiheneinbaugeräte auf der Hutschiene. Ein einpoliger Leitungsschutzschalter belegt typisch 1 TE, ein dreipoliger 3 TE, ein vierpoliger RCD typisch 4 TE. Die genauen Maße stehen im Datenblatt des gewählten Fabrikats.
Wie viele Stromkreise dürfen hinter einem RCD hängen?
DIN 18015-1:2020-05 begrenzt die Zahl: höchstens zwei einphasige Endstromkreise hinter einem zweipoligen RCD, höchstens sechs hinter einem vierpoligen. Alternativ lassen sich RCBO einsetzen, die RCD und Leitungsschutzschalter für einen Stromkreis in einem Gerät vereinen.
Muss ich meine Elektroinstallation alle vier Jahre prüfen lassen?
Für das selbst genutzte Einfamilienhaus nennen die verfügbaren Quellen keine gesetzliche Frist. Die oft genannten vier Jahre sind ein Richtwert aus der gewerblichen Prüfpraxis (DGUV, DIN VDE 0105-100), kein Gebot für das private Wohnhaus. Die Initiative Elektro+ empfiehlt eine Überprüfung durch eine Elektrofachkraft bei Mieterwechsel, Umbau, Erweiterung und Hauskauf. Ob eine Versicherung einen Prüfnachweis verlangt oder Nachlässe gewährt, steht im jeweiligen Vertrag.
Wo wird der Verteilerschrank platziert?
Nach DIN 18015-1 sitzt der Stromkreisverteiler im Belastungsschwerpunkt der Wohnung, in der Regel im Flur; im Einfamilienhaus darf er mit dem Zählerplatz in einem Gehäuse untergebracht sein. Häufig wird er im Hauswirtschaftsraum nahe dem Hausanschluss angeordnet. Er muss frei zugänglich sein.
Themen: Elektro KNX Wallbox PV
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