Homogenbereiche: die heutige Beschreibung des Baugrunds
Ein Homogenbereich ist ein begrenzter Bereich aus einer oder mehreren Boden- oder Felsschichten, die sich hinsichtlich der einsetzbaren Erdbaugeräte vergleichbar verhalten. Eingeteilt wird im Zustand vor dem Lösen, und zwar getrennt für jedes Gewerk: Erdarbeiten, Rammarbeiten und Bohrarbeiten bekommen eigene Homogenbereiche. Für jeden Bereich werden Eigenschaften und Kennwerte mit ihrer ermittelten Bandbreite angegeben.
Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen (LBEG) fasst die Umstellung so: Seit 2015 sind nach der VOB beziehungsweise DIN 18300:2016-09 projektspezifisch zu definierende Homogenbereiche anstatt der bisher allgemein definierten Bodenklassen festzulegen. Die Beschreibung des Bodens folgt damit der Bauaufgabe des einzelnen Projekts; ein Bereich kann auch mehrere Schichten umfassen, wenn sie sich für die eingesetzten Geräte ähnlich verhalten.
Wer den Boden beschreibt und wer ihn bewertet, hat sich dabei verschoben: Der Auftraggeber legt die Homogenbereiche für das Projekt fest (in der Praxis auf Grundlage des Baugrundgutachtens), und ob ein Boden mit dem geplanten Gerät gut zu lösen ist, beurteilt der Bauunternehmer anhand der Kennwerte. Eine Kurzangabe wie „Klasse 4“ gibt es dafür nicht mehr.
Kennwerte im Baugrundgutachten
Für jeden Homogenbereich nennt ein Gutachten Angaben wie:
- ortsübliche Bezeichnung und Bodengruppe nach DIN 18196
- Korngrößenverteilung und Massenanteil an Steinen und Blöcken
- Feuchtdichte und Wassergehalt
- undränierte Scherfestigkeit, Konsistenzzahl, Plastizitätszahl und Lagerungsdichte
- organischer Anteil
Jede dieser Angaben steht mit einer Bandbreite im Gutachten, nicht als Einzelwert. Zusammen mit den Schichtgrenzen und dem Grundwasserstand sind sie die Grundlage jeder Kalkulation. Die Bodengruppe nach DIN 18196 (Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke) steht daneben für die Tragfähigkeit und Setzungsempfindlichkeit; diese beurteilen Gutachter und Tragwerksplaner, nicht die Lösbarkeit beim Aushub.
Was Erdarbeiten kosten lässt
Die Kosten ergeben sich nicht aus einer Klasse, sondern aus mehreren Größen, die im Gutachten oder in der Planung stehen:
- Lösbarkeit: Welches Gerät ist nötig (Bagger, Hydraulikhammer, Fräse), und wie schnell kommt es voran? Das folgt aus Korngrößen, Steinanteil, Scherfestigkeit und Konsistenz der Homogenbereiche.
- Mengen: Baugrube samt Arbeitsraum, Leitungsgräben, Böschung oder Verbau, Oberboden getrennt.
- Wasser: Grundwasser- oder Stauwasserstand im Verhältnis zur Aushubtiefe; ob Wasserhaltung nötig ist und wie lange.
- Transport: Weg zur Verwertungs- oder Entsorgungsstelle und Menge, die abgefahren statt wieder eingebaut wird.
- Entsorgungsweg: Boden, der nicht verwertet werden kann oder schadstoffbelastet ist, wird anders entsorgt als unbelasteter Aushub.
Einzelne Preise je Kubikmeter taugen deshalb nur im Zusammenhang mit genau diesen Annahmen. Zwei Angebote lassen sich erst vergleichen, wenn sie dieselben Homogenbereiche, Mengen und Leistungen enthalten.
Checkliste: Angaben für vergleichbare Erdarbeitsangebote
- Baugrundgutachten als Anlage mit Homogenbereichen für die Erdarbeiten, Schichtgrenzen und Kennwerten samt Bandbreite.
- Grundwasser- und Stauwasserstand aus dem Gutachten und die Festlegung, wer eine Wasserhaltung ausführt und bezahlt.
- Mengen und Abrechnungsart: Baugrube, Arbeitsraum, Gräben; Abrechnung nach Aufmaß oder pauschal.
- Baugrubensicherung: Böschung oder Verbau, mit Angabe, wer sie plant.
- Oberboden: getrennt abtragen, wo er zwischengelagert wird, ob er wieder eingebaut wird.
- Wiedereinbau oder Abfuhr: welche Mengen bleiben auf dem Grundstück, welche gehen zu welcher Verwertungs- oder Entsorgungsstelle.
- Schadstoffverdacht: wie mit auffälligem Boden umgegangen wird und wer die Kosten trägt.
- Unvorhergesehenes: wie Fels, Findlinge oder abweichende Schichten behandelt werden, mit schriftlicher Nachtragsregelung.
- Gleicher Leistungsumfang in allen Angeboten, die verglichen werden.
Alte Bodenklassen lesen
Ältere Gutachten, Leistungsverzeichnisse und Verträge arbeiten mit den Klassen der DIN 18300 (Fassung 2012). Das LBEG listet sie wie folgt auf:
| Klasse | Bezeichnung (frühere Einteilung) |
|---|---|
| 1 | Oberboden |
| 2 | Fließende Bodenarten |
| 3 | Leicht lösbare Bodenarten |
| 4 | Mittelschwer lösbare Bodenarten |
| 5 | Schwer lösbare Bodenarten |
| 6 | Leicht lösbarer Fels und vergleichbare Bodenarten |
| 7 | Schwer lösbarer Fels |
Die Klassen beschrieben die Lösbarkeit, nicht die Tragfähigkeit. Eine allgemeingültige Umrechnungstabelle in Homogenbereiche gibt es nicht, weil Homogenbereiche projektbezogen aus gemessenen Kennwerten entstehen. Wer ein altes Gutachten für ein neues Angebot nutzen will, lässt vom Gutachter klären, ob die Beschreibung ausreicht oder ergänzt werden muss. Das LBEG bietet seine Karte der Bodenklassen nach DIN 18300 (Fassung 2012) nur für einen Übergangszeitraum weiter an, weil die Klassen in Altprojekten teils noch verwendet werden.
Homogenbereiche im Bauvertrag
Im Bauvertrag und im Angebot des Tiefbauers sollten die Homogenbereiche des Baugrundgutachtens als Grundlage stehen. Dann ist klar, auf welchen Boden die Preise gerechnet sind. Eine Klausel wie „Kalkulation auf Basis Bodenklasse 3-4 nach DIN 18300“ bezieht sich auf eine Norm, die so nicht mehr gilt, und lässt offen, welche Eigenschaften gemeint sind. Trifft der Aushub auf Boden, der von den beschriebenen Kennwerten abweicht, entsteht die Grundlage für eine Nachtragsregelung; wie sie im Einzelnen lautet, gehört in den Vertrag und sollte juristisch geprüft werden.
Beispiel: aus dem Gutachten zur Leistungsbeschreibung
| Homogenbereich (Muster) | Bodenart laut Gutachten | Was das Angebot dazu klären muss |
|---|---|---|
| A | humoser Oberboden | Getrennt abtragen, Zwischenlager, Wiedereinbau im Garten |
| B | weicher bis steifer Schluff | Verhalten bei Nässe, Gerät, Wiedereinbau oder Abfuhr, Wasserhaltung |
| C | mitteldicht gelagerter Sand | Verbau oder Böschung, Verwertungsweg des Aushubs |
Die drei Bereiche und ihre Bodenarten sind ein Muster zur Veranschaulichung; im Gutachten stünden dazu die Kennwerte mit Bandbreiten, auf die sich das Angebot bezieht.
FAQ - Bodenklassen und Homogenbereiche
Gibt es die Bodenklassen nach DIN 18300 noch?
Was ist ein Homogenbereich?
Steht im Baugrundgutachten noch eine Bodenklasse?
Wie viel teurer wird der Aushub bei schwierigem Boden?
Kann ich alte Bodenklassen in Homogenbereiche umrechnen?
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