Was bedeutet Bodenklasse beim Hausbau?
Die Bodenklassen 1 bis 7 gehörten zur ATV DIN 18300 „Erdarbeiten“ der VOB Teil C. Sie ordneten Boden und Fels danach, wie schwer er sich lösen lässt. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen (LBEG) beschreibt die Umstellung so: Seit 2015 sind nach der VOB beziehungsweise DIN 18300:2016-09 projektspezifisch zu definierende Homogenbereiche anstatt der bisher allgemein definierten Bodenklassen festzulegen. Gutachten, Leistungsverzeichnisse und Verträge aus der Zeit davor arbeiten noch mit den Klassen.
Frühere Einteilung nach DIN 18300 (Fassung 2012)
| Klasse | Bezeichnung |
|---|---|
| 1 | Oberboden |
| 2 | Fließende Bodenarten |
| 3 | Leicht lösbare Bodenarten |
| 4 | Mittelschwer lösbare Bodenarten |
| 5 | Schwer lösbare Bodenarten |
| 6 | Leicht lösbarer Fels und vergleichbare Bodenarten |
| 7 | Schwer lösbarer Fels |
Homogenbereiche heute
Ein Homogenbereich ist ein begrenzter Bereich, der aus einer oder mehreren Boden- oder Felsschichten mit vergleichbaren Eigenschaften hinsichtlich der einsetzbaren Erdbaugeräte besteht. Boden und Fels werden dabei in ihrem Zustand vor dem Lösen eingeteilt, getrennt für jedes Gewerk (Erdarbeiten, Rammarbeiten, Bohrarbeiten). Für jeden Homogenbereich sind Eigenschaften und Kennwerte mit ihrer ermittelten Bandbreite anzugeben. Typische Angaben in Baugrundgutachten:
- ortsübliche Bezeichnung und Bodengruppe nach DIN 18196
- Korngrößenverteilung und Massenanteil an Steinen und Blöcken
- Feuchtdichte und Wassergehalt
- undränierte Scherfestigkeit, Konsistenzzahl, Plastizitätszahl und Lagerungsdichte
- organischer Anteil
Der Auftraggeber legt die Homogenbereiche für das Projekt fest; ob ein Boden mit dem vorgesehenen Gerät gut zu bearbeiten ist, beurteilt der Bauunternehmer anhand dieser Kennwerte. Eine „Bodenklasse“ als Kurzangabe gibt es dafür nicht mehr.
Alte Unterlagen lesen
Steht in einem älteren Gutachten oder Angebot „Bodenklasse 3-4“, beschreibt das die Lösbarkeit nach der früheren Norm. Eine allgemeingültige Umrechnungstabelle in Homogenbereiche gibt es nicht, weil Homogenbereiche projektbezogen aus Kennwerten gebildet werden. Für neue Erdarbeitsangebote braucht der Bauunternehmer ein Gutachten, das Homogenbereiche mit Kennwerten und Bandbreiten ausweist. Das LBEG bietet seine Karte der Bodenklassen nach DIN 18300 (Fassung 2012) nur noch für einen Übergangszeitraum an, weil sie in Altprojekten teils weiter verwendet wird.
Beispiel
Ein Baugrundgutachten teilt den Baugrund eines Einfamilienhaus-Grundstücks in drei Homogenbereiche für die Erdarbeiten: humoser Oberboden, darunter weicher bis steifer Schluff, darunter mitteldicht gelagerter Sand. Für jeden Bereich stehen Kennwerte mit Bandbreite im Gutachten. Das Angebot des Tiefbauers bezieht sich auf genau diese Bereiche; der Satz „Kalkulation auf Basis Bodenklasse 3-4“ würde dagegen an einer Angabe hängen, die es nicht mehr gibt.
Verwandte Begriffe
- Bodenklassen und Homogenbereiche - ausführlicher Artikel mit Checkliste für Erdarbeitsangebote
- Bodengutachten - weist die Homogenbereiche aus
- Baugrubenaushub - der Erdarbeitsvorgang, auf den sich die Homogenbereiche beziehen
- Erdarbeiten und Fundament - Bauphase mit Bezug zu den Homogenbereichen
- Bodenplatte - Alternative zum Keller, beeinflusst die Aushubtiefe