Was bedeutet HWB beim Hausbau?
Der HWB ist eine Jahresbilanz der Gebäudehülle: Transmissionswärmeverluste über Wände, Dach, Boden und Fenster plus Lüftungswärmeverluste, abzüglich der nutzbaren solaren und inneren Wärmegewinne. Was die Heizung dafür an Strom, Gas oder Pellets braucht, steht nicht im HWB, sondern in den Kennwerten dahinter. Für die Anforderungen zählt der Referenz-Heizwärmebedarf (HWBRef), der Erträge aus einer Wärmerückgewinnung nicht berücksichtigt. Unterschieden wird der Wert für das Referenzklima, auf den sich die gesetzlichen Höchstwerte beziehen und der einen Vergleich unabhängig vom Ort erlaubt, und der Wert für das Klima am Standort. Grundlage ist die OIB-Richtlinie 6, die die Bundesländer in ihren Bautechnikvorschriften für verbindlich erklären, aktuell die Ausgabe 2023. Die Bezugsfläche ist die konditionierte Brutto-Grundfläche, also einschließlich der Außenwände.
Wer HWB-Werte mit deutschen Angaben vergleicht, vergleicht verschiedene Größen: Der HWB ist Nutzwärme je m² Brutto-Grundfläche, der deutsche Endenergiebedarf ist Energie an der Gebäudegrenze inklusive Warmwasser und Anlagenverlusten je m² Gebäudenutzfläche AN.
HWB, Heizlast, H'T und Primärenergie im Vergleich
| Größe | Was sie beschreibt | Einheit und Bezug | Zeitraum | Wo verwendet |
|---|---|---|---|---|
| Heizwärmebedarf HWB | Wärme, die den Räumen zugeführt werden muss (Hülle plus Lüftung, ohne Warmwasser und Anlagenverluste) | kWh/(m²a), je m² konditionierter Brutto-Grundfläche | Jahr | Österreich, Energieausweis nach OIB-RL 6 |
| Heizlast | Heizleistung, die an einem sehr kalten Auslegungstag gebraucht wird, Grundlage für die Größe von Wärmepumpe und Heizflächen | kW (oder W/m² als Richtwert) | Augenblickswert | Heizungsplanung in AT und DE |
| Transmissionswärmeverlust H'T | Wärmeverlust durch die Hülle je Grad Temperaturdifferenz, ohne Lüftung und Gewinne | W/(m²K), je m² wärmeübertragender Umfassungsfläche | keiner (Gebäudeeigenschaft) | Deutschland, § 16 GModG und KfW-Effizienzhaus |
| Endenergiebedarf | Energie, die Heizung, Warmwasser und Lüftung inklusive Anlagenverlusten am Haus brauchen | kWh/(m²a), je m² Gebäudenutzfläche AN | Jahr | Deutschland, Energieausweis |
| Primärenergiebedarf QP | Endenergie, gewichtet mit Primärenergiefaktoren des Energieträgers | kWh/(m²a), je m² Gebäudenutzfläche AN | Jahr | Deutschland, § 15 GModG (Höchstwert 55 % des Referenzgebäudes) |
Stand: Oktober 2026. Rechtsgrundlagen: OIB-Richtlinie 6 (Ausgabe 2023), § 15 und § 16 GModG.
Der Unterschied zwischen kW und kWh ist der häufigste Rechenfehler: Die Heizlast sagt, wie groß die Wärmepumpe sein muss. Der HWB sagt, wie viel Wärme sie im Jahr liefern muss. Aus dem einen lässt sich das andere nicht ohne Klimadaten und Betriebsstunden ableiten.
Beispiel
Einfamilienhaus in Österreich, 180 m² konditionierte Brutto-Grundfläche, HWB am Standort 40 kWh/(m²a). Die Zahlen sind fiktiv und zeigen den Rechenweg:
| Heizwärme für die Räume | 180 m² × 40 kWh/(m²a) | 7.200 kWh/a |
| Warmwasser und Verluste von Speicher und Verteilung (Annahme) | aus dem Energieausweis bzw. der Planung | 1.800 kWh/a |
| Wärme, die die Wärmepumpe liefert | 7.200 + 1.800 | 9.000 kWh/a |
| Strom der Wärmepumpe bei JAZ 3,6 (gleiche Bilanzgrenze) | 9.000 kWh ÷ 3,6 | 2.500 kWh/a |
Teilt man nur den HWB durch die Jahresarbeitszahl, fehlen Warmwasser und Speicherverluste, und der Strombedarf wird zu niedrig angesetzt. Ein Laborwert wie der COP gehört gar nicht in diese Jahresrechnung, er gilt nur für einen einzelnen Betriebspunkt (siehe JAZ).
Verwandte Begriffe
- Energieausweis - in Deutschland mit End- und Primärenergiebedarf statt HWB
- U-Wert - Bauteilkennwert, der die Transmissionsverluste und damit den HWB bestimmt
- JAZ - verbindet die gelieferte Wärme mit dem Strom der Wärmepumpe
- GEG/GModG - deutsche Anforderungen an Primärenergiebedarf und H'T