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Energieeffizienz

Kontrollierte Wohnraumlüftung - Konzept und Systemwahl

Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 entscheidet, ob eine Anlage nötig ist und bis zu welcher Luftmenge sie ausgelegt wird.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 9 Min Lesezeit
KWL-Gerät im Hauswirtschaftsraum mit Lüftungskanälen - Kontrollierte Wohnraumlüftung
Zentrales Lüftungsgerät mit Kanalanschlüssen.

Pflicht, Konzept und Anlagenwahl

Drei Dinge werden oft vermischt. Sie haben unterschiedliche Grundlagen:

  1. Luftdichte Gebäudehülle. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bisher GEG) verlangt in § 13, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche dauerhaft luftundurchlässig abgedichtet ist; öffentlich-rechtliche Vorschriften zum erforderlichen Mindestluftwechsel bleiben unberührt. Eine Anlagenpflicht oder einen Luftdichtheitswert nennt § 13 nicht.
  2. Lüftungskonzept. DIN 1946-6 (Lüftung von Wohnungen) fordert für den Neubau den Nachweis eines Lüftungskonzepts, das den Mindestluftwechsel für Hygiene und Bautenschutz auch bei Abwesenheit der Bewohner sicherstellt. Bei Sanierungen ist das Konzept erforderlich, wenn mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet wird.
  3. Lüftungstechnische Maßnahme und Anlagenwahl. Das Konzept prüft in vier Schritten: Ist eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich? Welche Volumenströme erfordern die Lüftungsstufen? Wie verteilen sie sich auf die Räume? Welche Maßnahme wird gewählt - freie oder ventilatorgestützte Lüftung?

Die vier Lüftungsstufen

  • Lüftung zum Feuchteschutz (FL): dauerhaft und nutzerunabhängig, auch bei Abwesenheit.
  • Reduzierte Lüftung (RL): notwendige Lüftung bei reduzierter Anwesenheit; ebenfalls zu jeder Zeit zu gewährleisten.
  • Nennlüftung (NL): Normalbetrieb bei Anwesenheit aller Nutzer; hier darf erstmals der Nutzer, etwa durch Stoßlüften, einbezogen werden.
  • Intensivlüftung (IL): zeitweise erhöhter Volumenstrom zum Abbau von Lastspitzen wie Kochen oder Besuch.

Freie Lüftung wird bis zum Feuchteschutz beziehungsweise zur reduzierten Lüftung ausgelegt, ventilatorgestützte Lüftung bis zur Nennlüftung.

Warum Fensterlüftung allein nicht ersetzt

Die dichte Hülle unterbindet den ungeplanten Luftaustausch. Ein gelegentliches Fensterlüften reicht dann nicht, um den Feuchteschutz sicherzustellen: Feuchte kann sich an kühleren Stellen niederschlagen, Schimmel ist die Folge. Weil die Stufen FL und RL nutzerunabhängig sein müssen, kann das Konzept auf Fensterlüftung nicht bauen.

Beispielhaus: Luftmengen nach DIN 1946-6

Annahmen: Einfamilienhaus mit 140 m² Nutzfläche der Nutzungseinheit, lichte Raumhöhe 2,5 m (350 m³), mehrgeschossig, schwaches Windgebiet, vier Personen, Wärmeschutz mindestens nach Wärmeschutzverordnung 1995. Die Formeln stammen aus dem Fachbeitrag von Thorsten Fiedel in IKZ-Haustechnik 10/2022; die Norm selbst ist maßgeblich.

Schritt 1: Ist eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich?

Verglichen werden der Volumenstrom durch die Gebäudeundichtheiten (Infiltration) und der Volumenstrom zum Feuchteschutz.

  • Volumenstrom zum Feuchteschutz: qv,FL = (−0,002 · A² + 1,15 · A + 11) · fws. Mit A = 140 m² ergibt die Klammer 132,8 m³/h. Bei hoher Belegung (unter 40 m² je Person: 35 m²/Person) und hohem Wärmeschutz ist fws = 0,3. Ergebnis: 39,8 m³/h.
  • Infiltration: qv,Inf = ez · V · n50. Für mehrgeschossige Nutzungseinheiten in schwachem Windgebiet gilt ez = 0,06; V = 350 m³.
Luftdichtheit n50Infiltration qv,InfFeuchteschutz qv,FLErgebnis
1,0 h⁻¹21 m³/h39,8 m³/hMaßnahme erforderlich
2,0 h⁻¹42 m³/h39,8 m³/hMaßnahme nicht erforderlich

Für den Neubau sieht die Norm als Standardwerte n50 zwischen 1,0 und 2,0 h⁻¹ vor, wenn nicht gemessen wird. Das Ergebnis hängt also von Dichtheit, Belegung und Wärmeschutz ab, nicht von einer festen Grenze.

Schritt 2: Volumenströme der Stufen

qv,ges,NE = fLst · (−0,002 · A² + 1,15 · A + 11) mit fLst = 0,7 (RL), 1,0 (NL), 1,3 (IL):

LüftungsstufeFaktorVolumenstrom
Feuchteschutz (FL)fws = 0,339,8 m³/h
Reduzierte Lüftung (RL)0,793,0 m³/h
Nennlüftung (NL)1,0132,8 m³/h
Intensivlüftung (IL)1,3172,6 m³/h

Zur Nennlüftung wird zusätzlich die Mindest-Abluftmengentabelle der Norm herangezogen; der höhere der beiden Werte gilt. Schritt 3 verteilt den Abluftvolumenstrom auf die Zulufträume (als Aufteilungsfaktoren nennt der Fachbeitrag zum Beispiel 3 für das Wohnzimmer, 2 für Schlaf- und Kinderzimmer).

Systementscheidung: zentral, dezentral, frei

Wenn das Konzept eine Maßnahme verlangt, stehen vier Wege offen. Die Entscheidung trifft der Planer nach denselben Kriterien:

KriteriumFreie LüftungAbluftanlage mit AußenluftdurchlässenZentrale Zu-/Abluft mit WRGDezentrale Geräte mit WRG
Auslegung bisFL oder RLNLNLNL
KanalnetzneinAbluftkanäleZu- und Abluftkanälenein
Wärmerückgewinnungneinneinjaja (Regeneratoren oder Wärmetauscher je Gerät)
Einbau im Bestandeinfachmittelaufwendigeinfach, kein Kanalnetz
WartunggeringFilter, AbluftventileGerät, Filter, Kanälemehrere Geräte

Grundlage der Einordnung: DIN 1946-6 nach IKZ-Haustechnik 10/2022 (freie und ventilatorgestützte Maßnahmen, Auslegung bis FL/RL beziehungsweise NL; dezentrale Systeme bestehen aus mindestens zwei Geräten). Zahlen zu Wärmerückgewinnung, Schall und Kosten stehen in den Datenblättern der Geräte und Angeboten.

Wann welche Variante passt, ergibt sich aus Platz für Kanäle und Technik, Schallanforderungen, Wartungsbereitschaft und der Frage, ob ein Haus neu gebaut oder saniert wird. Kombigeräte, die Lüftung mit einer kleinen Wärmepumpe für Heizung oder Warmwasser verbinden, sind Teil der Systemfrage; Leistung und Eignung steht in den Herstellerdaten.

Wärmerückgewinnung

Ein Wärmetauscher überträgt Wärme der Abluft auf die Außenluft. Maßgeblich ist der Wärmebereitstellungsgrad des Gesamtsystems, den das Datenblatt des Geräts angibt. Kanalverluste und Bypass-Betrieb kommen im Betrieb hinzu. Wichtig für die Bilanz sind drei Dinge:

  • Bypass: Im Sommer lenkt er die Außenluft am Wärmetauscher vorbei, damit kühle Nachtluft das Haus nicht mit der warmen Abluft wieder aufheizt. Er hilft nur, wenn die Außenluft kühler ist als die Innenluft.
  • Frostschutz: Bei sehr kalter Außenluft kann Kondensat im Wärmetauscher gefrieren. Geräte lösen das über Vorheizung, Bypass-Schaltung oder Vorwärmung der Außenluft; das Datenblatt nennt Verfahren und Zusatzstrom.
  • Kondensat: Der Wärmetauscher kühlt die Abluft, dabei fällt Wasser an. Es braucht einen Ablauf mit Geruchsverschluss.

Energiebilanz mit Wärmepumpe

Ein sinnvoller Vergleich stellt beide Seiten über denselben Zeitraum und mit denselben Verbrauchern: Lüftungswärmeverlust über die Heizperiode, Wärmeerzeugung mit Strom und Ventilatorstrom über das ganze Jahr. Rechenbeispiel zum Beispielhaus:

  • Annahmen: mittlerer Volumenstrom 93 m³/h (reduzierte Lüftung), 3.000 Kelvintage (Heizgradtage) pro Jahr, Wärmekapazität der Luft 0,34 Wh/(m³·K), Wärmebereitstellungsgrad 80 Prozent, Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5, Stromaufnahme (SFP) 0,35 W je m³/h bei der Zu-/Abluftanlage und 0,20 W je m³/h bei der reinen Abluftanlage. Beide Werte sind Annahmen; in der Planung gelten die Datenblattwerte des gewählten Geräts.
  • Lüftungswärmeverlust ohne Rückgewinnung: 0,34 · 93 · 3.000 · 24 / 1000 = 2.276 kWh pro Jahr.
Posten (pro Jahr)Abluftanlage ohne WRGZu-/Abluftanlage mit WRG
Lüftungswärmeverlust2.276 kWh455 kWh (nach 1.820 kWh Rückgewinn)
Strom Wärmepumpe (JAZ 3,5)650 kWh130 kWh
Strom Ventilatoren (8.760 h)163 kWh285 kWh
Strom gesamt813 kWh415 kWh

Unter diesen Annahmen spart die Rückgewinnung netto rund 400 kWh Strom im Jahr. Der Ventilatorstrom verbraucht den Gewinn nicht auf, schmälert ihn aber deutlich. Die Rückgewinnung ersetzt keine Wärmepumpe: Sie senkt den Wärmebedarf, den die Wärmepumpe decken muss.

Je höher Luftmenge und Heizgradtage und je schlechter die Wärmeerzeugung, desto mehr bringt die Rückgewinnung; je höher die Stromaufnahme der Ventilatoren, desto weniger. Wer rechnen will, setzt Datenblattwerte und die eigenen Heizgradtage ein.

Förderung

Im Neubau gibt es keinen eigenen Zuschuss für die Lüftungsanlage: Die BAFA-Förderung „Anlagentechnik (außer Heizung)“ gilt für den Einbau in Bestandsgebäuden. Sie beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten, die Höchstgrenze der Kosten liegt bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, mit individuellem Sanierungsfahrplan bei 60.000 Euro, dazu 5 Prozentpunkte iSFP-Bonus auf Kosten über 30.000 Euro (Richtlinie BEG EM, BAnz AT 27.08.2026 B1; BAFA, Sanierung Wohngebäude). Als Teil einer Effizienzhaus-Sanierung läuft die Förderung über den KfW-Kredit 261.

Wartung

DIN 1946-6 bezieht Instandhaltung ein. Intervalle für Filterwechsel, Reinigung von Wärmetauscher, Ventilatoren, Kanälen und Kondensatablauf stehen in der Betriebsanleitung; ein Wartungsvertrag mit dem Installateur ist möglich. Verschmutzte Filter erhöhen den Druckverlust und damit den Ventilatorstrom. Bei der Inbetriebnahme gehört eine Volumenstrom-Messung zur Einregulierung: Jeder Raum erhält den geplanten Volumenstrom, die Anlage wird auf die Nennlüftung eingestellt.

Feuerstätte und Dunstabzug

Eine Lüftungsanlage und eine Dunstabzugshaube im Abluftbetrieb ziehen Luft aus dem Haus. Mit einer raumluftabhängigen Feuerstätte (zum Beispiel Kaminofen) kann dabei Unterdruck entstehen, der Abgas in den Raum zieht. Sicherheitseinrichtungen mit Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik und die Abstimmung mit dem Bezirksschornsteinfeger gehören zur Planung; Einzelheiten stehen unter Dunstabzug Mauerdurchbruch.

Häufige Fehler bei der Planung

  • Anlage ohne Konzept gewählt. Erst das Lüftungskonzept zeigt, ob eine Maßnahme nötig ist und bis zu welcher Stufe sie ausgelegt wird.
  • Energiegewinn ohne Ventilatorstrom gerechnet. Nur die Bilanz mit Hilfsenergie ist belastbar.
  • Kanalnetz zu spät eingeplant. Trassen und Durchbrüche gehören in die Werkplanung vor dem Rohbau.
  • Schalldämpfer vergessen. Ohne sie übertragen sich Geräusche zwischen Räumen.
  • Keine Einregulierung. Ohne Messung stimmt die Raumverteilung nicht.
  • Filter nicht gewartet. Der Ventilatorstrom steigt, die Luftqualität sinkt.
  • Küchenabluft und Feuerstätte nicht abgestimmt. Siehe Dunstabzug und Mauerdurchbruch.

Quellen

FAQ - KWL

Brauche ich eine KWL im Neubau?
Nicht automatisch. DIN 1946-6 verlangt für den Neubau ein Lüftungskonzept. Es prüft, ob die Gebäudedichtheit den Luftwechsel zum Feuchteschutz allein sicherstellt; falls nicht, ist eine lüftungstechnische Maßnahme nötig. Das kann eine freie Lüftung (zum Beispiel mit Außenluftdurchlässen) oder eine ventilatorgestützte Lüftung sein. Eine KWL mit Wärmerückgewinnung ist eine von mehreren zulässigen Lösungen.
Wie viel Energie spart eine KWL?
Das hängt von Luftmenge, Klima, Wärmebereitstellungsgrad, Stromaufnahme und Wärmeerzeuger ab. Im Rechenbeispiel des Ratgebers (140 m², mittlerer Volumenstrom 93 m³/h, 3.000 Kelvintage, Wärmebereitstellungsgrad 80 Prozent, Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5) gewinnt die Anlage rund 1.820 kWh Wärme zurück, benötigt aber rund 285 kWh Strom für die Ventilatoren. Gegenüber einer Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung bleiben unter diesen Annahmen etwa 400 kWh Strom im Jahr.
Zentrale oder dezentrale Lüftung?
Zentrale Zu- und Abluftanlagen versorgen das Haus über ein Kanalnetz von einem Gerät aus. Dezentrale Systeme bestehen aus mindestens zwei Geräten und kommen ohne Kanalnetz aus; sie eignen sich besonders für die Sanierung. Die Entscheidung folgt aus Grundriss, Platz für Kanäle und Technik, Schallanforderung, Wartung und dem Ergebnis des Lüftungskonzepts.
Wie oft müssen Filter gewechselt werden?
Nach Betriebsanleitung des Geräts. DIN 1946-6 bezieht Ausführung, Inbetriebnahme, Übergabe und Instandhaltung ein; das Wartungsintervall und die Filterklasse nennt der Hersteller.
Darf ich eine Dunstabzugshaube an die KWL anschließen?
Das entscheidet der Hersteller der Lüftungsanlage. Die Küchenabluft führt Fett mit; sie wird oft getrennt vom Lüftungsstrang geführt. Mit einer raumluftabhängigen Feuerstätte im Haus kommen Sicherheitseinrichtungen hinzu. Details stehen unter Dunstabzug und Mauerdurchbruch.
Hausbau Journal Redaktion

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