Was gehört zu einer Regenwasseranlage?
Dachfläche als Sammelfläche (geeignet sind nicht stark belastete Dachflächen; Zink- und Bleidächer sind für die Nutzgartenbewässerung ungeeignet, Bitumen- und Gründächer färben das Wasser), Filter, Zisterne, Pumpe oder Hauswasserwerk, Überlauf zur Versickerung oder zum Kanal, eigenes Leitungsnetz zu den Entnahmestellen und eine Nachspeisung mit Trinkwasser über einen freien Auslauf.
Rechtlicher Rahmen
- Nach § 13 Trinkwasserverordnung müssen die Leitungen von Trinkwasser und Nichttrinkwasser dauerhaft und unverwechselbar gekennzeichnet, die Entnahmestellen als Nichttrinkwasser gekennzeichnet und gegen Fehlgebrauch gesichert sein; Verbindungen sind nur mit einer Sicherungseinrichtung zulässig. Planung und Ausführung folgen den Regeln der Technik (DIN 1988, DIN EN 1717, DIN 1989).
- Die Nutzung im Haushalt (WC, Waschmaschine) ist dem Gesundheitsamt anzuzeigen; bei reiner Gartenbewässerung entfällt die Anzeige (Beispiel: Gesundheitsamt Rheingau-Taunus, Stand März 2024).
- Gebühren, Zählerpflicht und Überlauf in den Kanal richten sich nach der Entwässerungssatzung der Gemeinde.
Speichergröße herleiten
Das vereinfachte Verfahren, das das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft beschreibt (die genaue Festlegung der Zisternengröße erfolgt nach DIN 1989-1): Jahresertrag und Jahresbedarf ermitteln, den kleineren Wert nehmen und mit 0,06 multiplizieren. Der Faktor entspricht einem Vorrat für drei Wochen. Größere Anlagen berechnet ein Fachbetrieb mit einer Simulation.
- Ertrag (Liter pro Jahr) = Dachfläche (m²) × Jahresniederschlag (mm, entspricht Liter je m²) × Abflussbeiwert × Filterwirkungsgrad. Einheit: m² · l/m² gleich Liter.
- Bedarf (Liter pro Jahr) = Personen × Liter je Person und Tag × 365, plus Garten.
- Speichervolumen (Liter) = 0,06 × kleinerer Wert aus Ertrag und Bedarf.
Beispiel
Annahmen: Dachfläche 120 m², Jahresniederschlag 750 mm, Abflussbeiwert 0,8 (Hartdach), Filterwirkungsgrad 0,9, vier Personen mit 24 Litern Toilettenspülung je Person und Tag. Alle Werte sind Annahmen, die für den Standort zu ersetzen sind (Niederschlag beim Deutschen Wetterdienst).
| Größe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ertrag | 120 · 750 · 0,8 · 0,9 | 64.800 Liter pro Jahr |
| Bedarf nur WC | 4 · 24 · 365 | 35.040 Liter pro Jahr |
| Speicher nur WC | 0,06 · 35.040 | rund 2.100 Liter |
| Bedarf WC plus Garten | 35.040 + 200 m² · 100 l/m² | 55.040 Liter pro Jahr |
| Speicher WC plus Garten | 0,06 · 55.040 | rund 3.300 Liter |
Zur Plausibilität: 0,06 · 750 · 0,8 · 0,9 ergibt 32 Liter je m² Dachfläche; das Landesamt nennt für Hartdächer 25 bis 50 Liter je m² Dachfläche bei 600 bis 1.200 mm Niederschlag. Der Gartenbedarf liegt dort bei 80 bis 200 Litern je m² Gartenfläche und Jahr (hier 100 Liter angenommen). Gewählt wird die nächste handelsübliche Größe.
Gebührenersparnis nach Gebührenart
Die Ersparnis hängt von den Gebühren der Gemeinde ab; vor der Planung sind Entwässerungssatzung und Gebührenbescheid heranzuziehen.
- Trinkwasser: Das Wasser aus der Zisterne ersetzt Trinkwasser aus der Leitung. Hier entsteht die Ersparnis.
- Schmutzwasser: Wird Regenwasser im Haus genutzt (WC, Waschmaschine), gelangt es nach Gebrauch in den Kanal. Gemeinden verlangen dafür meist einen Zähler und berechnen die Schmutzwassergebühr für die gemessene Menge. Die Ersparnis entfällt dann. Für reine Gartenbewässerung fällt laut Ratgeber des Kommunalforums keine Schmutzwassergebühr an.
- Niederschlagswasser: Bei getrennter Gebühr zählt die angeschlossene befestigte Fläche. Eine Zisterne mit Notversickerung kann die Fläche vollständig abkoppeln, eine mit Überlauf in den Kanal wird in vielen Kommunen je nach Speichervolumen nur anteilig angerechnet (Ratgeber Kommunalforum; die Zahlen unterscheiden sich je nach Gemeinde).
Beispielrechnung für den Fall WC plus Garten, 55 m³ pro Jahr aus der Zisterne, davon 35 m³ im Haus: Trinkwasser 55 m³ gespart. Schmutzwasser für 35 m³ weiterhin zu bezahlen, für 20 m³ Gartenwasser nicht. Die Ersparnis ist damit 55 m³ mal Trinkwasserpreis plus 20 m³ mal Schmutzwasserpreis, nicht 55 m³ mal den Gesamtpreis.
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