Was gehört zu einer Grauwasseranlage?
Grauwasser wird getrennt vom WC-Abwasser gesammelt, aufbereitet, zwischengespeichert und über ein eigenes Leitungsnetz zu den Entnahmestellen geführt. Die Aufbereitung kann biologisch oder mechanisch-physikalisch erfolgen; Art, Leistung und Betriebskosten stehen in den Unterlagen des gewählten Systems. Weil die getrennte Sammlung im Haus liegen muss, gehört sie im Neubau in die Planung der Sanitärinstallation; nachträglich einbauen lässt sie sich nur mit großem Aufwand.
Rechtlicher Rahmen
Aufbereitetes Grauwasser ist Nichttrinkwasser. Nach § 13 der Trinkwasserverordnung gilt für die Anlage daneben:
- Eine Verbindung mit der Trinkwasserinstallation ist nur mit einer Sicherungseinrichtung nach den anerkannten Regeln der Technik zulässig (Abs. 3). Bei der Nachspeisung mit Trinkwasser ist das ein freier Auslauf.
- Die Leitungen beider Netze müssen dauerhaft und unverwechselbar gekennzeichnet sein, die Entnahmestellen als Nichttrinkwasser gekennzeichnet und gegen versehentliche Nutzung gesichert (Abs. 4).
Gesundheitsämter verlangen außerdem die Anzeige von Brauchwasseranlagen, wenn das Wasser im Haushalt (WC, Waschmaschine) verwendet wird; bei reiner Gartenbewässerung entfällt sie (Beispiel: Gesundheitsamt Rheingau-Taunus, Stand März 2024). Welche Anforderungen darüber hinaus gelten, regeln Landesrecht und die Satzung der Gemeinde; sie sind vor der Planung beim Gesundheitsamt und beim Abwasserbetrieb zu erfragen.
Wirtschaftlichkeit: Bilanz mit offenen Annahmen
Ob sich eine Anlage lohnt, entscheidet eine Bilanz aus Angebot, Bedarf und laufenden Kosten für denselben Haushalt. Das Beispiel nutzt für alle Rechenschritte dieselben Annahmen: vier Personen, Grauwasser aus Dusche und Waschbecken 200 Liter pro Tag, WC-Spülbedarf 150 Liter pro Tag.
Deckungsgrad = gedeckter Bedarf / Gesamtbedarf. Der Deckungsgrad gibt an, welcher Anteil des WC-Bedarfs mit Grauwasser gedeckt wird.
- Ohne Verluste: Das Angebot (200 Liter) übersteigt den Bedarf (150 Liter). Gedeckter Bedarf: 150 Liter. Deckungsgrad 150 / 150 = 100 Prozent. 50 Liter Überschuss fließen in den Kanal.
- Mit Verlusten: Aufbereitung, Überlauf und zeitliche Unterdeckung (Grauwasser fällt morgens und abends an, die WC-Nutzung verteilt sich über den Tag) schmälern das Angebot. Bei angenommenen 30 Prozent Verlust bleiben 140 Liter nutzbar. Gedeckter Bedarf: 140 Liter. Deckungsgrad 140 / 150 = 93 Prozent.
Jahreskosten (Beispiel). 140 Liter pro Tag sind rund 51 m³ pro Jahr. Bei einem Wasserpreis von 4 Euro/m³ (Trinkwasser plus Abwasser, Annahme; der Preis ist örtlich verschieden) sind das 204 Euro. Davon gehen die Betriebskosten ab: Strom und Wartung laut Datenblatt, hier zur Rechnung mit 28 Euro Strom und 150 Euro Wartung angenommen. Es bleiben rund 26 Euro im Jahr. Der Betrag ändert sich mit Wasserpreis und Betriebskosten; die Anschaffungskosten der Anlage kommen dazu und sind den Angeboten zu entnehmen.
Verwandte Begriffe
- Regenwassernutzung - Alternative mit Zisterne und ohne Aufbereitung des Abwassers
- Regenwasserzisterne - Regenwasser für Garten und WC
- Sanitärinstallation Neubau - separate Leitungsführung planen
- Nachhaltiges Bauen - Wassersparen im Gesamtkonzept