Was ist Holzweichfaser?
Holzweichfaserplatten entstehen aus zerfasertem Nadelholz, das zu Platten gepresst und je nach Verfahren mit Bindemitteln verfestigt wird. Verwendet werden sie als Aufsparrendämmung und Unterdeckung, als Putzträger bei hinterlüfteten und verputzten Fassaden, zwischen den Sparren und als Trittschalldämmung. Der Hersteller gibt Einsatzgebiete, Dicken und die Verlegung im Datenblatt an.
Kennwerte am Beispiel
Die Kennwerte hängen vom Produkt ab. Beispiel: Das technische Datenblatt der Platte „Multitherm" von Gutex nennt eine Rohdichte von etwa 140 kg/m³, einen Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD von 0,040 W/(mK), einen Bemessungswert λB von 0,042 W/(mK), eine spezifische Wärmekapazität von 2.100 J/(kgK) und die Anwendung als Unterdeckung und zusätzliche Aufsparrendämmung ab 60 mm Dicke (Gutex, Technisches Datenblatt Multitherm). Andere Produkte haben andere Werte; Dichte und Wärmeleitfähigkeit variieren mit Plattentyp und Hersteller.
Sommerlicher Wärmeschutz: das ganze Dach betrachten
Die höhere Masse und Wärmekapazität einer Holzweichfaserplatte verzögern den Wärmedurchgang. Wie stark sich ein Dachgeschoss im Sommer erwärmt, bestimmen aber mehrere Größen zusammen: die Dachfläche und ihr Aufbau mit allen Schichten, Fensterflächen und Sonnenschutz, Lüftung in der Nacht und die Nutzung. Der rechnerische Nachweis erfolgt nach DIN 4108-2 über Sonneneintragskennwerte für den Raum, nicht über den Dämmstoff. Ein Datenblatt verspricht keine bestimmte Raumtemperatur, und die Verzögerung der Wärmewelle (Phasenverschiebung) lässt sich nur für einen vollständig beschriebenen Dachaufbau berechnen.
Dicke bei gleichem Wärmedurchlasswiderstand
Weil Holzweichfaser je Zentimeter etwas schlechter dämmt, ist für dieselbe Dämmwirkung eine größere Dicke nötig. Der Wärmedurchlasswiderstand einer Schicht ist R = d ÷ λ. Für R = 4,0 m²K/W braucht eine Platte mit λB = 0,042 W/(mK) eine Dicke von 4,0 × 0,042 = 0,168 m, also rund 170 mm; ein Dämmstoff mit λB = 0,035 W/(mK) (Annahme für das Beispiel) kommt auf 4,0 × 0,035 = 0,140 m, also 140 mm. Die Rechnung gilt für die Dämmschicht allein. Wärmebrücken (etwa durch Sparren bei einer Zwischensparrendämmung), Anschlüsse und die übrigen Schichten ändern den U-Wert des Daches; ihn berechnet die Energieberatung für den vollständigen Aufbau.
Grenzen
Holzweichfaser verträgt Feuchte nur begrenzt; Dauerfeuchte schadet der Platte. Wie lange eine Platte der Bewitterung während der Bauzeit ausgesetzt sein darf, steht im Datenblatt. Ob Holzweichfaser oder ein anderer Dämmstoff für ein Dach die bessere Wahl ist, lässt sich nur am konkreten Aufbau mit gleicher energetischer Zielgröße vergleichen.
Verwandte Begriffe
- Hanfdämmung - weiterer Naturdämmstoff, flexibel einsetzbar
- Zellulose - Einblas-Naturdämmstoff
- Nachhaltige Baustoffe - Naturdämmstoffe im Gesamtvergleich
- U-Wert - Wärmedämmkennwert, der allein den sommerlichen Wärmeschutz nicht abbildet