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Erker 2026 - Statik, Wärmebrücke, Kosten

Vorragender Innenraum mit eigenem Charakter - Tragweg und thermische Trennung bei Auskragung, durchgehende Dämmung, ESG und VSG richtig eingesetzt, Abstandsflächen und Bebauungsplan.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 13 Min Lesezeit
Modernes Einfamilienhaus mit verglastem Erker im Erdgeschoss - Erker 2026
Ein Erker erweitert einen Innenraum nach außen und gibt der Fassade Plastizität - vorausgesetzt, Statik und Wärmebrücke sind sauber gelöst.
2 - 6 m²
Typische Erker-Größe Sitznische bis Esszimmer-Erweiterung
5.000 - 15.000 €
Mehrkosten gegenüber ebener Fassade Stand April 2026
1,50 m
Vortreten ohne Abstandsfläche eingeschossiger Erker, Bayern

Definition: Was den Erker ausmacht

Ein Erker unterscheidet sich vom Balkon grundsätzlich durch seine Funktion: Während der Balkon ein Außenraum ist, der aus dem Baukörper herausragt, ist der Erker ein Innenraum, der ebenfalls aus der Fassade heraustritt - aber als Teil der beheizten Hülle. Die thermische Außenhülle wird beim Erker um den vorragenden Teil herumgeführt: Boden gedämmt, Seitenwände gedämmt, Dach gedämmt, Verglasung mit Wärmeschutz.

Architektonisch hat der Erker eine lange Tradition - vom mittelalterlichen Wohnturm bis zur modernen Fertighaus-Konfiguration. Funktional dient er meist drei Zielen: Vergrößerung eines Raumes ohne erheblichen Mehraufbau, zusätzliches Tageslicht aus mehreren Richtungen, Plastizität der Fassade. Im Innenraum wirkt ein Erker oft wie ein eigener kleiner Raum innerhalb des größeren - ideal für Sitzfenster mit Bank, eine Lesenische, einen Schreibtischplatz oder einen Esstisch-Bereich mit Lichteinfall von drei Seiten.

Abgrenzung gegenüber anderen Vorbauten

Der Erker ist nicht zu verwechseln mit Loggia, Balkon oder Wintergarten: Die Loggia ist ein zurückgesetzter Außenraum, der Balkon ein vorragender Außenraum, der Wintergarten ein angebauter Glasanbau. Der Erker ist als einziger ein vorragender Innenraum und gehört zur beheizten Hülle. Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch - sie bestimmt die bauphysikalische Behandlung, die Genehmigungspflicht und die Kosten.

Statik und Konstruktion

Konstruktiv unterscheidet man zwei Grundtypen, die sich erheblich in Kosten und Bauphysik unterscheiden:

Selbsttragender Erker mit Stütze unten

Der Erker steht auf eigenem Fundament oder auf einer Auskragung im Erdgeschoss. Lasten werden über senkrechte Wände und das Fundament direkt in den Boden geführt. Vorteile: keine Wärmebrücke an der Geschossdecke, einfachere Statik, weniger Mehrkosten. Nachteile: optisch ist die Stütze im Erdgeschoss sichtbar, Fundament-Aufwand entsteht. Sinnvoll bei Erkern, die im Erdgeschoss liegen oder über eine durchgehende Stütze von unten geführt werden können.

Auskragender Erker

Der Erker ragt aus der Geschossdecke heraus, ohne Stütze von unten. Standardlösung für Erker im Obergeschoss. Statisch: Stahlbeton-Auskragung mit entsprechender Bewehrung in der Geschossdecke. Vorteile: schwebende Optik, freie Fassade unten. Nachteile: Wärmebrücke an der Auskragung, höhere statische Anforderungen, Mehraufwand.

Tragwerksberechnung Pflicht

Bei einem auskragenden Erker ist eine Tragwerksberechnung durch einen Statiker Pflicht. Berechnet werden: Eigenlast des Erkers (Wände, Dach, Verglasung), Nutzlast (Möbel, Personen), Schneelast auf dem Dach des Erkers, Windlast horizontal. Aus der Summe ergibt sich die Bewehrungsmenge in der Geschossdecke. Die Bewehrung bemisst der Tragwerksplaner für das konkrete Objekt.

Wärmebrücke und thermische Trennung

Beim auskragenden Erker entsteht das gleiche bauphysikalische Problem wie beim Kragarm-Balkon: Die Stahlbetonplatte führt durch die thermische Hülle und wirkt als lineare Wärmebrücke. Heizenergie fließt nach außen, die Innenseite der Geschossdecke kühlt ab, Tauwasser kondensiert.

Thermische Trennung, je nach Konstruktion

Wie die Wärmebrücke gelöst wird, hängt von der Konstruktion ab. Bei einer Stahlbeton-Kragplatte übernimmt ein tragendes Wärmedämmelement zwischen Geschossdecke und Kragplatte die Lasten und trennt thermisch; solche Elemente bieten mehrere Hersteller an, bekannt ist etwa der Schöck Isokorb. Ein Erker, der auf eigenen Stützen oder einem eigenen Fundament steht, kommt ohne durchlaufende Platte aus. Bei Erkern in Holz- oder Stahlbauweise, die an der gedämmten Außenwand angeschlossen sind, liegt die Wärmebrücke an den Befestigungspunkten. Eine Pflicht zu einem bestimmten Produkt gibt es nicht; nachzuweisen ist, dass der Anschluss den Mindestwärmeschutz einhält und in der Energiebilanz richtig erfasst ist.

Durchgehende Dämmung an allen Seiten

Die Dämmung muss kontinuierlich um den Erker herumlaufen. Boden des Erkers von unten gedämmt (Aufdoppelung der Dämmung um die Erker-Tiefe), Seitenwände gedämmt wie die Hausfassade, Decke des Erkers gedämmt entsprechend dem Dachaufbau, Verglasung mit Wärmeschutzglas. Wer eine dieser Schichten unterbricht, schafft eine zusätzliche Wärmebrücke.

Wärmebrücken nach DIN 4108 Beiblatt 2

DIN 4108 Beiblatt 2 enthält Planungs- und Ausführungsbeispiele für Wärmebrücken. Entspricht ein Anschluss einem dieser Beispiele, lässt er sich im Wärmeschutznachweis vereinfacht ansetzen. Weicht er ab, was beim Erker oft der Fall ist, rechnet der Planer den Anschluss einzeln nach.

fRsi-Wert als Tauwasser-Schutz

Neben dem ψ-Wert ist der fRsi-Wert (Faktor der Innenoberflächentemperatur) entscheidend. DIN 4108-2 verlangt für den Mindestwärmeschutz an Wärmebrücken fRsi ≥ 0,70, damit sich bei üblichem Raumklima kein Schimmel an der Innenoberfläche bildet. Ob ein Erkeranschluss das erreicht, zeigt die Berechnung des konkreten Details.

Größen und Geometrie

Erker werden in unterschiedlichen Größen ausgeführt, von kleiner Sitznische bis zum vollwertigen Esszimmer-Erweiterung:

Klein: 2 bis 3 m² (Sitzfenster)

Ein kleiner Erker als Sitzfenster mit eingebauter Bank, Lese- und Aufenthaltsnische. Auskragung 60 bis 90 cm, Breite 2,00 bis 2,50 m. Optimal als Akzent in Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Kinderzimmer. Mehrkosten gegenüber durchgehender Fassade 4.500 bis 7.500 Euro.

Mittel: 3 bis 5 m² (Erweiterung Wohnraum)

Mittelgroßer Erker, der einen Wohnraum spürbar vergrößert. Auskragung 90 bis 110 cm, Breite 3,00 bis 4,00 m. Für ein Wohnzimmer-Erweiterung oder einen Esstisch-Bereich. Mehrkosten 7.500 bis 11.500 Euro.

Groß: 5 bis 6 m² (Esszimmer-Erweiterung)

Großer Erker als eigenständige Raumzone. Auskragung 110 bis 130 cm, Breite 4,00 bis 5,00 m. Esstisch für 6 bis 8 Personen plus seitliche Bewegungsräume. Mehrkosten 11.500 bis 15.000 Euro. Bei größeren Auskragungen über 1,30 m wird die Statik anspruchsvoll - selbsttragende Variante mit Stütze unten meist wirtschaftlicher.

Dreiseitiger oder polygonaler Erker

Ein dreiseitiger Erker (klassische Form mit zwei seitlichen Verglasungen plus Stirnwand) bietet Lichteinfall aus drei Richtungen. Polygonale Erker mit fünfseitiger Geometrie sind eleganter, aber konstruktiv aufwendiger. Trapezförmige Erker mit angeschrägten Seiten wirken ruhiger als rechtwinklige.

Beispiel: Erker im Obergeschoss, 3,00 m breit, 0,90 m auskragend

Schnitt durch einen auskragenden Erker: Kragplatte mit tragendem Wärmedämmelement an der Geschossdecke, gedämmte Unterseite, Verglasung und gedämmtes Erkerdach Erkerdach gedämmt, Anschluss an Fassade abgedichtet Verglasung: unter Umwehrungshöhe absturzsichernd nach DIN 18008-4 Kragplatte, vom Tragwerksplaner bemessen Dämmung unten, durchgehend an Fassade tragendes Wärmedämmelement Geschossdecke Außenwand + Dämmung Auskragung 0,90 m
Schematischer Schnitt, nicht maßstäblich. Rote Linie: Tragweg vom Erkerdach über die Erkerwände in die Kragplatte und über das Wärmedämmelement in die Geschossdecke.

Tragweg: Dach und Wände des Erkers stehen auf der Kragplatte, die Kragplatte gibt Biegemoment und Querkraft über das tragende Wärmedämmelement an die Geschossdecke ab. Welche Elementtype nötig ist, folgt aus der Bemessung des Tragwerksplaners mit Eigenlast, Nutzlast, Schnee auf dem Erkerdach und Wind. Die Dämmung läuft an Unterseite, Wänden und Dach des Erkers ohne Unterbrechung in die Fassadendämmung über. Liegt die Glasbrüstung unter der Umwehrungshöhe, ist die Verglasung absturzsichernd auszuführen. Ob der Erker vor die Baugrenze und in die Abstandsfläche ragen darf, regeln Bebauungsplan und Landesbauordnung.

Verglasung 2- oder 3-fach

Der Erker gehört zur beheizten Hülle, seine Fenster gehen in den Wärmeschutznachweis des Hauses ein wie alle anderen. Einen festen Pflichtwert für das einzelne Fenster gibt es im Neubau nicht; die Werte stehen in der Leistungserklärung des Fensterherstellers.

Solare Bilanz

Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) entscheidet über die solaren Gewinne im Winter und die Sommerhitze. Bei stark südorientierten Erkern kann eine Sonnenschutzverglasung mit niedrigerem g-Wert sinnvoll sein, bei nordorientierten Erkern zählen eher die solaren Wintergewinne. Ob der Raum im Sommer zu warm wird, prüft der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2.

Sicherheitsverglasung an exponierten Stellen

Sicherheitsglas ist nicht gleich Sicherheitsglas. Einscheibensicherheitsglas (ESG) ist thermisch vorgespannt und zerfällt beim Bruch in kleine, stumpfkantige Krümel von im Mittel rund 100 mm²; die Scheibe verliert dabei ihren Zusammenhalt und hat nur eine geringe Resttragfähigkeit. Verbundsicherheitsglas (VSG) besteht aus mindestens zwei Scheiben mit einer Folie dazwischen, an der die Bruchstücke haften bleiben, sodass die Scheibe im Rahmen bleibt. Wo das Glas vor Absturz schützen muss, weil die Brüstung unter der Umwehrungshöhe liegt, gelten die Regeln für absturzsichernde Verglasungen nach DIN 18008-4, in der Regel mit VSG (Baunetz Wissen, Bruchbild).

Heizung im Erker

Der Erker hat einen erhöhten Heizwärmebedarf wegen der hohen Glasfläche pro Quadratmeter Außenhülle. Die Heizleistung ergibt sich aus der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die den Erker mit seinen Glasflächen einbezieht. Drei Heizungs-Varianten:

Sockelheizkörper unter der Fensterbank

Klassische Lösung: ein flacher Sockelheizkörper unter der Erker-Fensterbank. Wärme steigt entlang der Verglasung auf, verhindert Tauwasserbildung am Glas und sorgt für angenehmen Behaglichkeitsschwerpunkt. Dimensionierung: 800 bis 1.500 Watt für einen 4 m² Erker. Optisch wenig dominant, weil im Sockel-Bereich verbaut. Kosten 800 bis 1.500 Euro inklusive Anschluss.

Fußbodenheizung-Verlegung

Bei Häusern mit Fußbodenheizung wird die FBH bis in den Erker hineinverlegt. Ergibt eine gleichmäßige Wärme im gesamten Raum. Wichtig: erhöhte Verlegungs-Dichte (Rohrabstand 10 bis 15 cm statt 15 bis 20 cm im normalen Wohnraum), weil der spezifische Heizwärmebedarf höher ist. Bei Glasflächen-dominierten Erkern reicht die FBH allein oft nicht - Sockelheizkörper als Ergänzung sinnvoll.

Konvektor im Boden

Eingelassene Bodenkonvektoren entlang der Verglasung wirken wie Sockelheizkörper, sind aber unsichtbar. Optisch ideal, technisch effektiv, aber teuer (1.500 bis 3.500 Euro für eine 3 m lange Konvektorstrecke). Sinnvoll bei repräsentativen Erkern mit hohem Aufenthaltscharakter.

Belüftung gegen Sommer-Hitze

Süd- und westorientierte Erker erleben im Sommer schnell Innentemperaturen von 30 °C und mehr - die hohe Glasfläche pro Volumen wirkt wie ein Treibhaus. Maßnahmen:

Querlüftung durch Fenster

Mindestens zwei öffenbare Fenster im Erker, idealerweise auf gegenüberliegenden Seiten. Querlüftung morgens (5:00 bis 8:00 Uhr) holt kühle Nachtluft in den Raum, danach Fenster geschlossen halten und mit Sonnenschutz (außenliegende Markise oder Raffstore) Hitzeeintrag reduzieren.

Außenliegender Sonnenschutz

Wie bei großen Glasflächen generell: Sonnenschutz muss außen sitzen, nicht innen. Außenrollos, Raffstores oder kleine Markisen über dem Erker reduzieren die solare Last um 70 bis 85 Prozent. Aufpreis gegenüber innen liegender Beschattung 30 bis 50 Prozent, energetisch und thermisch ein Vielfaches wert.

Anschluss an kontrollierte Wohnraumlüftung

Bei Häusern mit kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL) wird der Erker an die Anlage angeschlossen. Vorteil: gleichmäßiger Luftaustausch auch bei geschlossenen Fenstern, Wärmerückgewinnung. Voraussetzung: Lüftungsleitungen werden bereits in der Bauphase mit eingeplant.

Anschlüsse Boden und Dach

Bodenanschluss

Der Boden des Erkers muss in derselben Höhe wie der angrenzende Innenraum liegen, sonst entsteht eine Schwelle - ungünstig in der Möblierung und bei barrierefreiem Bauen. Aufbau: Kragplatte mit thermischer Trennung, Dämmung an der Unterseite in der Stärke aus dem Wärmeschutznachweis (außen verputzt oder verkleidet), Schwimmender Estrich oder Trockenestrich, Bodenbelag wie im Wohnraum. Wichtig: Dämmung an der Unterseite muss durchgängig sein und an die Hausfassaden-Dämmung anschließen.

Dachanschluss

Der Erker hat ein eigenes kleines Dach - meist als Pultdach mit 6 bis 10 Grad Neigung oder als Flachdach mit Abdichtung. Beim Pultdach Eindeckung wie beim Hauptdach (Tonziegel, Faserzement, Schiefer), beim Flachdach Bitumen- oder EPDM-Abdichtung mit Notüberlauf. Anschluss an die Hausfassade kritisch - hier ist eine zweistufige Abdichtung mit hochgezogener Folie und Kappleiste Standard. Wer hier spart, hat im ersten Schlagregen Wassereintritt zwischen Erker und Hausfassade.

Genehmigung und Kosten

Genehmigung

Im Neubau wird der Erker mit dem Haus beantragt. Zwei Regelwerke entscheiden, wo er hin darf. Der Bebauungsplan legt Baugrenzen und Baulinien fest; nach § 23 BauNVO kann ein Vortreten von Gebäudeteilen in geringfügigem Ausmaß zugelassen werden, und der Plan kann selbst Ausnahmen vorsehen. Die Landesbauordnung regelt die Abstandsflächen: In Bayern bleiben eingeschossige Erker außer Betracht, wenn sie insgesamt höchstens ein Drittel der Breite der Außenwand und höchstens 5 m einnehmen, höchstens 1,50 m vortreten und mindestens 2 m von der gegenüberliegenden Nachbargrenze entfernt bleiben (Art. 6 Abs. 6 BayBO). Die Musterbauordnung enthält eine ähnliche Regel für Vorbauten, die Länder setzen sie unterschiedlich um. Ein größerer Erker zählt voll zur Abstandsfläche.

Kostenüberblick Erker

Größe ErkerAuskragend mit thermischer TrennungSelbsttragend mit Stütze
2 - 3 m² (Sitznische)5.500 - 8.500 €4.500 - 7.000 €
3 - 5 m² (Wohnzimmer-Erweiterung)8.500 - 12.000 €7.000 - 10.500 €
5 - 6 m² (Esszimmer-Erweiterung)12.000 - 15.000 €10.500 - 13.500 €

Stand: April 2026. Marktrecherche bei Massivbau- und Fertighaus-Anbietern.

Häufige Fehler beim Erker

  • Thermische Trennung vergessen. Eine durchlaufende Kragplatte ohne Trennung führt zu kalten Innenoberflächen, Tauwasser- und Schimmelgefahr und Wärmeverlust.
  • Dämmung an der Unterseite unterbrochen. Der Boden des auskragenden Erkers muss von unten gedämmt sein und ohne Lücke an die Fassadendämmung anschließen.
  • Zu viel Auskragung. Je weiter der Erker auskragt, desto aufwendiger werden Platte und Anschluss; eine Stütze oder ein eigenes Fundament kann wirtschaftlicher sein. Über 1,50 m Tiefe zählt der Erker in Bayern zudem voll zur Abstandsfläche.
  • Heizlast nicht raumweise berechnet. Ohne Heizlastberechnung für den Raum mit Erker wird es an der Glasfläche kalt.
  • Sonnenschutz innen statt außen. Bei südorientiertem Erker ohne Außenbeschattung Innentemperaturen über 30 °C im Sommer. Außenliegender Sonnenschutz hilft am meisten; der sommerliche Wärmeschutznachweis zeigt, ob er nötig ist.
  • Bauantrag-Konflikt mit Bebauungsplan. Erker, der in den Vorgarten ragt, kann den Bebauungsplan verletzen. Vor Planung Befreiungsfähigkeit mit Bauamt klären.
  • Dachanschluss zur Hausfassade undicht. Eine der häufigsten Schadensstellen. Zweistufige Abdichtung mit hochgezogener Folie und Kappleiste.
  • ESG statt VSG bei niedriger Brüstung. Wo das Glas vor Absturz schützt, braucht es eine absturzsichernde Verglasung nach DIN 18008-4, in der Regel VSG. ESG zerfällt beim Bruch und hält keine Scherben zusammen.
  • Möblierung nicht mitgeplant. Ein Erker mit 1,80 m Tiefe nimmt einen Esstisch nicht auf. Möblierung früh in der Planung berücksichtigen, Maße mit dem Architekten abstimmen.

Erker im Bestand nachrüsten

Ein Erker kann nachträglich angebaut werden, allerdings ist der Aufwand erheblich. Voraussetzungen: Tragfähigkeit der bestehenden Geschossdecke prüfen lassen (oft nicht für Auskragungslasten ausgelegt), Außenwand öffnen mit Sturz-Konstruktion, Dämmung der Hülle anpassen, Bauantrag für die Außenraum-Veränderung. Realistische Kosten 18.000 bis 35.000 Euro für einen 4 m² Erker im Bestand - deutlich mehr als beim Neubau, weil Tragwerk und Hülle im Bestand erst angepasst werden müssen. Sinnvoll bei Sanierungen, bei denen ohnehin die Außenwand und die Geschossdecke bearbeitet werden, weniger als isolierte Maßnahme.

Erker und Wohnflächen-Anrechnung

Da der Erker Teil des beheizten Wohnraums ist, wird er nach Wohnflächenverordnung mit 100 Prozent zur Wohnfläche gerechnet. Anders als bei Loggia, Balkon oder Wintergarten gibt es keine reduzierte Anrechnung - die zusätzlichen Quadratmeter zählen voll. Das ist mietrechtlich und steuerlich relevant: Bei Vermietung erhöht ein 5 m² Erker die Wohnfläche um 5 m², die Miethöhe entsprechend. Im Verkaufsfall fließt der Erker voll in die Quadratmeter-Wertberechnung ein.

Akustik und Schallschutz

Erker mit großen Glasflächen wirken akustisch hart - Stimmen hallen, Schritte werden verstärkt. Wer einen Erker als Sitznische oder Esszimmer-Erweiterung nutzt, plant von Anfang an mit textilen Elementen: Vorhänge bis zum Boden an den Verglasungen, Teppich auf dem Bodenbelag, gepolsterte Sitzbank im Erker. Das verbessert die Akustik spürbar. Beim Schallschutz nach außen sind 3-fach-Verglasungen mit unterschiedlichen Glasstärken (asymmetrischer Aufbau) die akustisch beste Wahl - Mehrkosten gegenüber Standard-3-fach rund 15 bis 25 Prozent.

FAQ - Erker 2026

Was ist ein Erker?
Ein Erker ist ein aus der Fassade vorragender, geschlossener Innenraum, der nach außen verglast oder mit Mauerwerk umschlossen ist. Anders als ein Balkon ist er Teil des beheizten Wohnraums - die thermische Hülle umschließt ihn vollständig. Anders als ein Wintergarten ist er meist klein (2 bis 6 m²) und dient als räumliches Element zur Erweiterung eines Raumes (Sitzfenster, Lesenische, Esszimmer-Erweiterung). Architektonisch hat der Erker eine lange Tradition und gibt der Fassade Plastizität.
Was kostet ein Erker zusätzlich?
Ein Erker verursacht Mehrkosten von 5.000 bis 15.000 Euro gegenüber einer durchgehenden, ebenen Fassade. Die Spreizung ergibt sich aus Größe (2 bis 6 m²), Konstruktion (auskragend mit thermischer Trennung in der Regel teurer als mit eigener Stütze), Verglasungsanteil (Vollverglasung teurer als Mauerwerk plus Fenster), Dachform (Pultdach einfach, eigenes Walmdach komplex). Bei Fertighäusern ist der Erker oft als Konfigurations-Option mit klar bezifferten Mehrkosten von 4.500 bis 9.500 Euro verfügbar.
Wie wird die Wärmebrücke beim Erker behandelt?
Kragt eine Stahlbetonplatte durch die gedämmte Hülle, entsteht an der Geschossdecke eine lineare Wärmebrücke wie beim Kragbalkon. Übliche Lösung ist ein tragendes Wärmedämmelement zwischen Decke und Kragplatte, das mehrere Hersteller anbieten; ein Erker auf eigenen Stützen braucht keine durchlaufende Platte. Eine Pflicht zu einem bestimmten Produkt gibt es nicht. Nachzuweisen sind der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 mit fRsi ≥ 0,70 und die richtige Erfassung im Wärmeschutznachweis, dazu eine Dämmung ohne Unterbrechung an Boden, Wänden und Dach des Erkers.
Welche Verglasung passt zum Erker?
Wärmeschutzverglasung wie im übrigen Haus; welcher Ug- und g-Wert nötig ist, folgt aus dem Wärmeschutznachweis und dem Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2. Liegt die Glasbrüstung unter der Umwehrungshöhe, muss das Glas absturzsichernd nach DIN 18008-4 sein, in der Regel Verbundsicherheitsglas (VSG). Einscheibensicherheitsglas (ESG) zerfällt beim Bruch in kleine Krümel und bindet die Scherben nicht wie VSG.
Welche Genehmigung braucht ein Erker?
Im Neubau ist der Erker Teil des Bauantrags oder des vereinfachten Verfahrens für das Haus; ob ein nachträglicher Anbau genehmigt werden muss, regelt die Landesbauordnung. Zwei Fragen klärt das Bauamt immer: Bleibt der Erker innerhalb der Baugrenze des Bebauungsplans, oder lässt sich ein geringfügiges Vortreten zulassen (§ 23 BauNVO)? Und darf er in die Abstandsfläche ragen? In Bayern bleiben eingeschossige Erker außer Betracht, wenn sie höchstens ein Drittel der Wandbreite und höchstens 5 m einnehmen, höchstens 1,50 m vortreten und mindestens 2 m von der Nachbargrenze entfernt bleiben (Art. 6 Abs. 6 BayBO); andere Länder regeln das ähnlich, aber nicht gleich.
Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung. Mehr über die Redaktion →