Die KfW-Förderung ist 2026 nach mehreren Reformen ein zentrales Werkzeug für Bauherren - aber nicht mehr der "kostenlose Bonus" früherer Jahre. Wer die Programme strategisch nutzt, kann mehrere zehntausend Euro Vorteile gegenüber reiner Marktfinanzierung erreichen. Wer sich nicht informiert, verschenkt diese Vorteile - oder beantragt zu spät und verliert die Förderung komplett.
Was ist die KfW?
Die KfW Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist eine deutsche Förderbank im Eigentum von Bund und Bundesländern. Sie wurde 1948 zum Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und hat heute den Auftrag, gesellschaftspolitische Ziele wie Klimaschutz, Energieeffizienz, Wohneigentumsförderung und Wirtschaftsförderung mit zinsverbilligten Krediten und Zuschüssen zu unterstützen.
Wichtig: Die KfW vergibt ihre Förderkredite nicht direkt an Endkunden, sondern über die Hausbanken (das sogenannte Hausbankprinzip). Bauherren beantragen die Förderung also nicht bei der KfW selbst, sondern bei ihrer kreditgebenden Bank oder über einen Finanzvermittler.
KfW-Programme 2026 im Überblick
KfW 297 / 298 - Klimafreundlicher Neubau
Das aktuelle Hauptprogramm für den Neubau, eingeführt 2023 als Nachfolger der ehemaligen Effizienzhaus-Förderung. Förderung als zinsverbilligtes Darlehen, kein Tilgungszuschuss. Bedingungen: Mindeststandard Effizienzhaus 40 (EH 40, primärenergiebezogene Anforderung), QNG-Zertifikat ("Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude") für die höhere Förderstufe.
- KfW 297: bis 100.000 Euro pro Wohneinheit, EH 40 Standard.
- KfW 298: bis 150.000 Euro pro Wohneinheit, mit QNG-Zertifikat.
- Effektivzins April 2026: 2,15 bis 2,85 Prozent (deutlich unter Marktniveau).
- Laufzeit: 4 bis 35 Jahre, Zinsbindung 5 oder 10 Jahre.
Mehr unter: KfW 297/298 Klimafreundlicher Neubau.
KfW 261 - Energieeffizient Sanieren / BEG
Das Programm für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden. Ergänzt durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit BAFA-Zuschüssen für Einzelmaßnahmen.
- Max. Darlehensbetrag: 150.000 Euro pro Wohneinheit für Effizienzhaus 40 Sanierung; 120.000 Euro für EH 55 oder 70.
- Tilgungszuschuss: 5 bis 40 Prozent je nach erreichtem Effizienzhaus-Standard.
- Effektivzins April 2026: 0,75 bis 2,5 Prozent.
Mehr unter: KfW 261 Sanierung.
KfW 296 - Niedrigpreissegment Wohneigentum
Befristetes Programm zur Förderung von Wohneigentum für Familien und Selbstnutzer im Niedrigpreissegment. Einkommensgrenzen, Familienbonus.
- Zielgruppe: Familien mit Kindern, Einkommensgrenze 90.000 Euro plus 10.000 Euro pro Kind.
- Max. Darlehensbetrag: 170.000 Euro pro Vorhaben.
- Effektivzins: 0,01 bis 1,75 Prozent (teils sehr günstig).
Mehr unter: KfW 296 Niedrigpreissegment.
KfW 159 - Altersgerecht Umbauen
Förderung für barrierefreie Anpassungen im Bestand und im Neubau. Häufig in Kombination mit anderen Maßnahmen.
- Max. Darlehensbetrag: 50.000 Euro pro Wohneinheit.
- Effektivzins: 1,4 bis 2,5 Prozent.
- Maßnahmen: Treppenlifte, schwellenfreie Bäder, breitere Türen, etc.
Mehr unter: KfW 159 Altersgerecht.
Auslaufende und ehemalige Programme
- Effizienzhaus 55 Neubau: Anfang 2022 eingestellt. Nur noch im Bestand verfügbar (KfW 261).
- Effizienzhaus 40 Plus: in 297/298 aufgegangen.
- BEG-EM (Einzelmaßnahmen): über BAFA-Zuschüsse weiterhin verfügbar.
Effizienzhaus-Standards verstehen
Die KfW nutzt das Effizienzhaus-Konzept zur Bewertung der energetischen Qualität eines Gebäudes. Maßstab ist der Primärenergiebedarf - also der Energiebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung, gerechnet pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr.
Standards im Vergleich
| Standard | Primärenergiebedarf | Förderung 2026 |
|---|---|---|
| Effizienzhaus 40 (EH 40) | 40 % des Referenzgebäudes | KfW 297/298 Neubau, KfW 261 Sanierung |
| Effizienzhaus 55 (EH 55) | 55 % des Referenzgebäudes | nur Sanierung (KfW 261) |
| Effizienzhaus 70 (EH 70) | 70 % des Referenzgebäudes | nur Sanierung (KfW 261) |
| Effizienzhaus 100 (EH 100) | 100 % des Referenzgebäudes | keine KfW-Förderung mehr |
Stand: April 2026. Quelle: KfW Privatpersonen Neubau.
Was bedeutet "EH 40 Plus" und QNG?
EH 40 Plus war ein älterer Standard (40 Prozent Primärenergiebedarf plus zusätzliche Erneuerbare-Energien-Komponenten wie PV plus Speicher), der 2022 in das aktuelle 297/298-Programm überführt wurde. Das QNG ("Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude") ist eine umfassendere Zertifizierung, die zusätzlich Aspekte wie Lebenszyklus-Analyse, Materialauswahl und Recyclingfähigkeit berücksichtigt - und Voraussetzung für die höchste KfW-Förderstufe (KfW 298).
Wie funktioniert der KfW-Antrag?
Der KfW-Antrag läuft in fünf Schritten ab:
- Energieberater einbeziehen. Bevor irgendwas anderes passiert, muss ein zertifizierter Energieberater (Liste auf energie-effizienz-experten.de) den Plan auf Förderfähigkeit prüfen und die "Bestätigung zum Antrag" (BzA) erstellen.
- Hausbank kontaktieren. Mit der BzA des Energieberaters wird der KfW-Antrag bei der eigenen Hausbank oder einem Vermittler gestellt. Achtung: vor Baubeginn, sonst entfällt die Förderung.
- KfW-Zusage abwarten. Die KfW prüft den Antrag (typisch 2 bis 6 Wochen). Bei positiver Zusage wird das Darlehen verbindlich.
- Bau ausführen. Während der Bauphase kontrolliert der Energieberater die Einhaltung der geplanten Werte (Baubegleitung).
- Bestätigung nach Durchführung (BnD). Nach Fertigstellung erstellt der Energieberater die Bestätigung, dass die geplanten Werte tatsächlich erreicht wurden. Erst dann wird die volle KfW-Förderung freigegeben (bei Tilgungszuschuss-Programmen).
Wichtige Fristen
- Antrag vor Baubeginn: spätestens vor dem ersten Spatenstich, ideal noch vor dem Notartermin.
- Vorhaben innerhalb von 36 Monaten ab Zusage abschließen: sonst Verlust der Förderung.
- BnD innerhalb von 6 Monaten nach Fertigstellung: sonst keine Tilgungszuschüsse.
Energieberater - Pflicht und Kosten
Bei den meisten KfW-Programmen ist ein zertifizierter Energieberater Pflicht - keine Förderung ohne Energieberater. Die Auswahl ist wichtig: nur Berater, die in der Liste der Bundesförderungs-zertifizierten Experten (Energie-Effizienz-Experten Liste) eingetragen sind, sind antragsberechtigt.
Was kostet ein Energieberater?
- Beratung und Antragsplanung: 800 bis 2.000 Euro.
- Bestätigung zum Antrag (BzA): 300 bis 800 Euro.
- Baubegleitung über die Bauphase: 600 bis 1.500 Euro.
- Bestätigung nach Durchführung (BnD): 200 bis 500 Euro.
- Gesamtkosten typisch: 1.500 bis 4.000 Euro.
BAFA-Zuschuss für Energieberatung
Die BAFA fördert die Energieberatung mit bis zu 50 Prozent der Kosten (max. 5.000 Euro). Effektive Eigenkosten oft nur 750 bis 2.000 Euro für Bauherren - eine sehr lohnende Investition angesichts der Förderbeträge im fünf- bis sechsstelligen Bereich.
KfW vs. BAFA - Wer macht was?
KfW und BAFA sind zwei unterschiedliche Förderinstitutionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)
Vergibt zinsverbilligte Darlehen und Tilgungszuschüsse für umfassende Vorhaben - Neubau, komplette Sanierung, größere energetische Maßnahmen. Antrag über Hausbank, langfristige Finanzierungs-Komponente.
BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
Vergibt direkte Zuschüsse (kein Darlehen) für einzelne energetische Maßnahmen - Heizungstausch, Dämmung, Fenstertausch, Wärmepumpen. Antrag direkt bei der BAFA, sofortige Auszahlung nach Maßnahme. Aktuelle Hauptprogramme: BEG-EM (Einzelmaßnahmen) mit Heizungs-Förderung von 30 bis 70 Prozent für Wärmepumpen, Pellet- und Solarheizungen.
Praxis-Empfehlung
KfW für die Hauptfinanzierung nutzen, BAFA für ergänzende Einzelmaßnahmen. Beispiel Neubau: KfW 297/298 für die Hauptfinanzierung, BAFA-Heizungsförderung für die Wärmepumpe. Beispiel Sanierung: KfW 261 für die Komplettsanierung oder BAFA-EM für Einzelmaßnahmen wie reinen Fenstertausch.
Kombination mit Bankdarlehen
KfW-Darlehen decken selten den gesamten Finanzierungsbedarf. Typische Mischfinanzierung 2026:
Beispiel-Mix für 500.000-Euro-Hausbau
- Eigenkapital: 100.000 Euro (20 Prozent)
- KfW 298 (Klimafreundlicher Neubau plus QNG): 150.000 Euro zu 2,5 Prozent
- Bankdarlehen (Annuitätendarlehen): 250.000 Euro zu 3,9 Prozent
- Mischzinssatz: rund 3,2 Prozent (deutlich besser als 3,9 Prozent reines Bankdarlehen)
Reihenfolge der Tilgung
Bei späteren Sondertilgungen sollte zuerst das teurere Bankdarlehen getilgt werden (3,9 Prozent), erst dann das günstigere KfW-Darlehen (2,5 Prozent). Faustregel: immer das teuerste Darlehen zuerst tilgen, unabhängig von der Sentimentalität.
Häufige Fehler bei der KfW-Förderung
- Antrag nach Baubeginn stellen. Wer mit dem Bau begonnen hat, bevor der KfW-Antrag gestellt ist, verliert die Förderung komplett. Auch der Erdaushub gilt als Baubeginn.
- Energieberater zu spät einschalten. Der Energieberater muss bei der Planung mitwirken - nicht nur bei der Bestätigung. Wer ihn erst kurz vor Antragstellung einbezieht, riskiert teure Planungsänderungen.
- Falschen Energieberater wählen. Nur Berater aus der offiziellen Liste sind antragsberechtigt. Wer einen nicht-zertifizierten Berater nutzt, bekommt keine Förderung.
- Bauausführung weicht von Planung ab. Wenn die Wärmepumpe statt der geplanten Variante eine andere Variante wird, kann die Förderfähigkeit gefährdet sein. Änderungen immer mit dem Energieberater abstimmen.
- Tilgungszuschuss vergessen. Bei Sanierungs-Programmen muss die BnD innerhalb von 6 Monaten nach Fertigstellung eingereicht werden, sonst entfallen die Tilgungszuschüsse.
- Programme verwechseln. KfW 297, 298, 261, 296, 159 haben unterschiedliche Bedingungen. Wer falsch beantragt, riskiert Ablehnung oder geringere Förderung.
- BAFA-Zuschuss für Energieberatung nicht beantragen. Bis zu 50 Prozent der Beraterkosten werden erstattet - wer den Antrag nicht stellt, verschenkt 750 bis 2.000 Euro.
Rechenbeispiel: Was bringt KfW-Förderung wirklich?
Konkrete Zahlen für ein 500.000-Euro-Hausbau-Projekt mit Effizienzhaus 40 plus QNG-Zertifizierung. Vergleich: mit und ohne KfW-Förderung über die ersten 10 Jahre Zinsbindung.
Variante A: Komplette Marktfinanzierung ohne KfW
- Eigenkapital: 100.000 Euro
- Bankdarlehen: 400.000 Euro zu 3,9 Prozent Effektivzins, 3 Prozent Tilgung
- Monatsrate: rund 2.300 Euro
- Gezahlte Zinsen in 10 Jahren: rund 138.000 Euro
- Restschuld nach 10 Jahren: rund 296.000 Euro
Variante B: Mix mit KfW 298
- Eigenkapital: 100.000 Euro
- KfW 298: 150.000 Euro zu 2,5 Prozent, 3 Prozent Tilgung
- Bankdarlehen: 250.000 Euro zu 3,9 Prozent, 3 Prozent Tilgung
- Monatsrate gesamt: rund 2.187 Euro (113 Euro weniger)
- Gezahlte Zinsen in 10 Jahren: rund 117.000 Euro (21.000 Euro weniger)
- Restschuld nach 10 Jahren: rund 286.000 Euro (10.000 Euro weniger)
Differenz
Mit der KfW 298-Förderung über 10 Jahre rund 21.000 Euro Zinsen gespart plus 10.000 Euro niedrigere Restschuld - in Summe rund 31.000 Euro Vorteil. Dem stehen Mehrkosten für QNG-Zertifizierung und entsprechende Bauausführung von 25.000 bis 40.000 Euro gegenüber. Wirtschaftlich knapp positiv, aber nicht überwältigend - die KfW-Förderung allein rechtfertigt den Mehraufwand für QNG kaum. Wer sowieso nachhaltig bauen will, hat einen klaren Bonus.
Zuschuss vs. Darlehen - der wirtschaftliche Vergleich
Die KfW vergibt im Hauptprogramm 297/298 zinsverbilligte Darlehen ohne Tilgungszuschuss - das ist ein Wechsel gegenüber den älteren Förderprogrammen, bei denen Tilgungszuschüsse von 5 bis 25 Prozent üblich waren. Wirtschaftlicher Vergleich der beiden Förderlogiken:
Zinsverbilligung (aktuell KfW 297/298)
Bei einem 150.000-Euro-KfW-Darlehen über 10 Jahre Zinsbindung liegt der Effektivzins-Vorteil zwischen KfW (2,5 Prozent) und Marktdarlehen (3,9 Prozent) bei 1,4 Prozentpunkten. Das spart über 10 Jahre rund 21.000 Euro Zinsen - kein direkter Cash-Vorteil, sondern reduzierte Finanzierungskosten über die Bindungsdauer.
Tilgungszuschuss (alte Förderlogik, heute nur noch in KfW 261)
Ein Tilgungszuschuss von z.B. 25 Prozent auf 150.000 Euro Darlehen sind 37.500 Euro direkter Cash-Vorteil - die Restschuld wird nach Erreichen der Förderbedingungen entsprechend reduziert. Diese Logik ist psychologisch attraktiver, weil sofort sichtbar.
Welche Logik ist besser?
Wirtschaftlich kommt es auf die Höhe an. 25 Prozent Tilgungszuschuss ist klar besser als 1,4 Prozent Zinsverbilligung über 10 Jahre. Aber die Politik hat 2022/2023 die Förderlogik bewusst zu Zinsverbilligungen verschoben, um die Steuermittel über mehr Bauvorhaben zu verteilen. Tilgungszuschüsse gibt es jetzt nur noch im Sanierungs-Programm (KfW 261) - dort aber bis zu 40 Prozent.
Kommunale Förderprogramme - oft übersehen
Neben KfW, BAFA und Bundesländer-Förderungen bieten viele Landkreise, Städte und Gemeinden eigene Förderprogramme - oft als Ergänzung zur höheren Ebene oder für bestimmte Zielgruppen.
- Junge-Familien-Programme: viele Städte fördern Familien mit Kindern beim Wohneigentumserwerb mit zinsverbilligten Darlehen oder Zuschüssen.
- Sanierungsförderung: in städtebaulichen Sanierungsgebieten fördern viele Kommunen energetische Maßnahmen mit zusätzlichen Zuschüssen.
- Photovoltaik-Förderprogramme: manche Kommunen geben einmalige Zuschüsse für PV-Anlagen oder Stromspeicher.
- Begrünungs- und Klimaanpassungs-Programme: Förderung für Dachbegrünung, Regenwassernutzung, etc.
Praxis-Tipp: Bei der eigenen Stadt, dem Landkreis und dem Bundesland aktiv nachfragen, welche aktuellen Förderprogramme verfügbar sind. Einen Überblick gibt die Datenbank der Bundesförderdatenbank - dort kann nach Region und Förderzweck gefiltert werden.
BAFA-EM Einzelmaßnahmen - die Schwester der KfW-Programme
Neben der KfW vergibt die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) direkte Zuschüsse für einzelne energetische Maßnahmen - die sogenannten BEG-EM-Programme (Bundesförderung für effiziente Gebäude - Einzelmaßnahmen). Im Vergleich zur KfW-Förderung sind sie weniger bekannt, aber gerade für Bauherren mit klaren Einzel-Vorhaben oft die bessere Wahl.
Hauptprogramme BAFA-BEG-EM 2026
- Heizungstausch: 30 bis 70 Prozent Zuschuss für Wärmepumpen, Pellet- und Solarheizungen. Maximal 23.500 Euro Zuschuss pro Wohneinheit.
- Dämmung von Gebäudehülle: 15 Prozent Zuschuss (mit individuellem Sanierungsfahrplan +5 Prozent).
- Fenstertausch: 15 Prozent Zuschuss bei Erfüllung der U-Wert-Vorgaben.
- Anlagentechnik (Lüftung, Energiemanagement): 15 bis 25 Prozent Zuschuss.
- Heizungsoptimierung: 15 Prozent Zuschuss für hydraulischen Abgleich, Heizungspumpe.
Vor- und Nachteile gegenüber KfW
- Pro: direkter Zuschuss, keine Darlehensaufnahme nötig. Schnellere Auszahlung. Antrag direkt online bei der BAFA.
- Contra: nur Einzelmaßnahmen, keine Komplettsanierung. Maximalbeträge oft begrenzt. Energieberater auch hier oft Pflicht.
QNG-Zertifikat - was das ist und wann es sich lohnt
Das QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) ist eine ergänzende Zertifizierung, die für die höhere KfW-Förderung KfW 298 (150.000 Euro statt 100.000 Euro pro Wohneinheit) Voraussetzung ist. Hintergrund: Das QNG bewertet ein Gebäude nicht nur nach Energieeffizienz, sondern nach umfassenderen Nachhaltigkeitskriterien.
QNG-Bewertungskriterien
- Lebenszyklus-Analyse: CO2-Bilanz von Bauphase, Nutzung und Rückbau.
- Materialauswahl: Nachhaltige Bauprodukte, Recyclingfähigkeit, schadstoffarme Materialien.
- Innenraumluftqualität: niedrige Schadstoffemissionen.
- Wassermanagement: wassersparende Sanitärprodukte, ggf. Regenwassernutzung.
- Klimaanpassung: Schutz vor Hitze, Starkregen, etc.
Kosten für QNG-Zertifizierung
Die QNG-Zertifizierung kostet typisch 3.000 bis 7.000 Euro für ein Einfamilienhaus, plus erhöhte Bauplanungs- und Materialkosten von etwa 5 bis 8 Prozent gegenüber Standard-EH 40. Bei 500.000-Euro-Hauskosten sind das 25.000 bis 40.000 Euro Mehrkosten - die zusätzlichen 50.000 Euro KfW-Förderung machen das wirtschaftlich knapp interessant. Der Hauptvorteil liegt aber in der dauerhaft besseren Wohnqualität und Wertbeständigkeit.
Wann sich QNG lohnt
Wer ohnehin nachhaltig bauen will (gesundes Wohnklima, langlebige Materialien, niedrige Betriebskosten), erhält mit QNG eine sinnvolle Bestätigung plus 50.000 Euro mehr KfW-Förderung. Wer rein wirtschaftlich rechnet, ist mit Standard-EH 40 (KfW 297) oft besser - der QNG-Aufwand übersteigt den zusätzlichen Förderbetrag.
Zeitplan: Wann welche Förderung beantragen
Förderanträge richtig zu timen ist mindestens so wichtig wie die richtige Förderung zu wählen. Häufiger Fehler: zu früh oder zu spät beantragen, wodurch Förderungen entfallen oder Maßnahmen blockiert werden.
Phase 1: Mind. 6 Monate vor Baubeginn - Energieberater und Planung
Energieberater rechtzeitig einbinden. Mit ihm gemeinsam die geeigneten Förderprogramme identifizieren und die Bauplanung danach ausrichten. Wer erst nach Vorliegen der Bauzeichnungen den Energieberater einbezieht, riskiert teure Planänderungen.
Phase 2: Antragstellung vor Baubeginn
KfW-Anträge müssen vor dem ersten Spatenstich gestellt sein. Auch der Erdaushub und Vermessungsarbeiten gelten oft schon als Baubeginn. Sicherer Termin: Antrag nach Vorliegen aller Unterlagen, mindestens 4 Wochen vor geplantem Baustart.
Phase 3: Bauausführung mit Baubegleitung
Während der Bauphase kontrolliert der Energieberater die Einhaltung der geplanten Werte. Wichtig bei Material- oder Komponenten-Änderungen während des Baus: immer Rücksprache mit dem Energieberater, sonst Förderfähigkeit gefährdet.
Phase 4: Bestätigung nach Durchführung (BnD)
Nach Fertigstellung erstellt der Energieberater die BnD - sie ist die formale Bestätigung gegenüber KfW, dass die geplanten Werte erreicht wurden. Spätestens 6 Monate nach Fertigstellung einreichen, sonst entfallen Tilgungszuschüsse bei Sanierungs-Programmen.
Historie der KfW-Förderung - was Bauherren über vergangene Reformen wissen müssen
Die KfW-Förderung hat in den letzten 5 Jahren mehrere Reformen durchlaufen. Wer 2026 mit alten Informationen aus den Jahren 2018-2021 plant, läuft Gefahr, falsche Konditionen einzukalkulieren.
2020: Förderpause und Reform
Im Januar 2022 stoppte das Bundeswirtschaftsministerium kurzfristig das Effizienzhaus-55-Neubau-Programm aufgrund Mittelausschöpfung. Tausende Bauherren waren betroffen. Folge: das EH-55-Niveau wird im Neubau nicht mehr gefördert; nur EH 40 (über KfW 297/298). Im Bestand ist EH 55 weiterhin förderfähig (KfW 261).
2023: Einführung von KfW 297/298
Das KfW 297/298-Programm löste die ältere Effizienzhaus-Förderung ab und wechselte von Tilgungszuschüssen zu Zinsverbilligungen. Erste Reaktionen waren gemischt - Tilgungszuschüsse waren für Bauherren psychologisch attraktiver. Wirtschaftlich liegt die heutige Förderung aber nicht zwingend schlechter, je nach Konstellation.
2024: BEG-EM-Reform für Heizungstausch
Mit dem Heizungsgesetz und der Reform der BEG-EM-Programme wurde die Heizungsförderung deutlich erhöht - bis zu 70 Prozent Zuschuss für Wärmepumpen unter bestimmten Bedingungen (sozialer Bonus, Klimabonus, Effizienzbonus). Diese Förderung läuft 2026 weiter und ist eine der attraktivsten Einzelförderungen.
2025/2026: Kontingent-Begrenzungen
Mehrere Programme (KfW 296, BAFA-Heizungsförderung) sind budgetbegrenzt und werden im "First-Come-First-Served"-Prinzip vergeben. In Hochnachfragephasen waren die Mittel teils schon nach 6 Monaten ausgeschöpft. Bauherren sollten daher zügig handeln, wenn sie eine bestimmte Förderung nutzen wollen.
Aktuelle Änderungen 2026 - was sich gerade verschiebt
Die KfW-Förderlandschaft ist in den letzten 4 Jahren mehrfach reformiert worden. Wichtige Änderungen 2025/2026:
Verschärfung der EH-40-Anforderungen
Das KfW 297-Programm setzt seit Anfang 2024 zusätzlich zu den 40 Prozent Primärenergiebedarf auch Anforderungen an die Treibhausgas-Emissionen über den Lebenszyklus voraus. Damit ist die "alte" EH-40-Definition allein nicht mehr ausreichend.
Auslaufen der Effizienzhaus-55-Sanierungsförderung
Die Förderung der EH-55-Sanierung läuft zum 30.06.2026 aus. Wer noch in den nächsten Monaten saniert, sollte den Antrag rechtzeitig stellen. Mehr unter: Effizienzhaus 55 Förderung.
Kontingent-Begrenzungen bei KfW 296
Das KfW 296 Niedrigpreissegment-Programm ist budgetbegrenzt. Wer es nutzen will, sollte zügig handeln - die Mittel werden im "First-Come-First-Served"-Prinzip vergeben und sind häufig schon Mitte des Förderjahrs ausgeschöpft.
Mögliche neue Programme
Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ist eine Stärkung der Wohneigentumsförderung für Familien angekündigt. Konkrete neue Programme können zwischen 2026 und 2027 hinzukommen. Wer einen Hausbau plant, sollte die Förderlandschaft regelmäßig prüfen oder mit einem Energieberater im Gespräch bleiben.
Bundesländer-Förderung als Ergänzung
Zusätzlich zur KfW-Förderung bieten viele Bundesländer eigene Förderprogramme. Hauptanbieter:
- BayernLabo (Bayern): zinsverbilligte Darlehen für junge Familien, Bayerische Eigenheimzulage. Detail-Artikel Bayern.
- NRW.Bank: Wohnraumförderung mit Familien-Bonus. Detail-Artikel NRW.
- L-Bank (Baden-Württemberg): Z15 Wohnraum-Förderdarlehen. Detail-Artikel Baden-Württemberg.
- NBank (Niedersachsen): Wohnraumförderung Niedersachsen. Detail-Artikel Niedersachsen.
- WIBank (Hessen): Hessisches Wohnraumförderprogramm. Detail-Artikel Hessen.
FAQ - KfW-Förderung 2026
Welche KfW-Programme sind 2026 für den Neubau verfügbar?
Wie hoch ist die KfW-Förderung 2026 für Klimafreundlichen Neubau?
Wie beantrage ich KfW-Förderung?
Was kostet ein Energieberater für den KfW-Antrag?
Kann ich mehrere KfW-Programme kombinieren?
Was passiert, wenn der Hausbau die geforderten Energie-Werte nicht einhält?
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