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Effizienzhaus

Effizienzhaus 40 - Standard, Kosten, Wirtschaftlichkeit

Was die EH 40-Anforderungen technisch bedeuten, was die Mehrkosten gegenüber dem GEG-Mindeststandard sind und ob sich die Investition in Verbindung mit KfW 297/298 wirklich lohnt.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 26. April 2026 13 Min Lesezeit
Modernes Niedrigenergiehaus mit Wärmedämmung - Effizienzhaus 40
Effizienzhaus 40: 60 Prozent weniger Heizenergie als ein GEG-Standardhaus, dafür 60.000 bis 100.000 Euro höhere Baukosten.
40 %
Primärenergiebedarf vs. Referenzgebäude nach GEG
60 - 100 T€
Mehrkosten Bauphase vs. GEG-Mindeststandard
~ 1.500 €/J.
Heizkosten EH 40 vs. 3.500 € bei GEG-Standard

Effizienzhaus 40 ist seit 2022 der niedrigste Standard, der im Neubau noch über die KfW gefördert wird. Wer in Deutschland nach dem GEG-Mindeststandard baut, bekommt keine Förderung mehr - die Klimapolitik der Bundesregierung hat die Förderung schrittweise auf höhere Standards verschoben. Wer baut, muss sich also entscheiden: GEG-Standard ohne Förderung oder Effizienzhaus 40 (oder besser) mit Förderung.

Was ist ein Effizienzhaus 40?

Ein Effizienzhaus 40 ist ein Gebäude, dessen Primärenergiebedarf maximal 40 Prozent eines vergleichbaren Referenzgebäudes nach GEG beträgt. Der Vergleich erfolgt anhand normierter Berechnungsverfahren nach DIN V 18599.

Schlüsselbegriffe

  • Primärenergiebedarf: die zur Bereitstellung der Endenergie benötigte Primärenergie. Strom hat einen niedrigeren Faktor (1,8) als Heizöl (1,1) - daher schneiden Wärmepumpen besser ab.
  • Endenergiebedarf: die tatsächlich benötigte Endenergie (Strom, Gas, Pellets, etc.).
  • Transmissionswärmeverlust: Wärmeverlust über die Gebäudehülle. Soll-Wert max. 55 Prozent des Referenzgebäudes.
  • Referenzgebäude: normiertes Vergleichsgebäude nach GEG, das die gesetzliche Mindestanforderung erfüllt.

Technische Anforderungen

Wärmedämmung der Gebäudehülle

  • Außenwand: U-Wert max. 0,20 W/m²K (entspricht ca. 18-22 cm Dämmstärke bei klassischen Dämmstoffen)
  • Dach: U-Wert max. 0,16 W/m²K (entspricht ca. 22-30 cm Dämmstärke)
  • Bodenplatte/Kellerdecke: U-Wert max. 0,28 W/m²K
  • Fenster: U-Wert max. 0,9 W/m²K (Dreifachverglasung Pflicht)
  • Wärmebrücken: reduziert nach DIN 4108 Beiblatt 2 oder gleichwertig

Luftdichtheit der Gebäudehülle

Bei EH 40 ist eine Blower-Door-Messung Pflicht. Der n50-Wert (Luftwechsel bei 50 Pa Druckdifferenz) muss bei Häusern mit Lüftungsanlage maximal 1,5 pro Stunde betragen, ohne Lüftungsanlage 3,0 pro Stunde. Praxis: dichte Bauweise mit Folien, sorgfältig verklebten Fugen und durchgehender Luftdichtebene.

Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Bei EH 40 praktisch unverzichtbar. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (Rückgewinnungsgrad mindestens 80 Prozent) versorgt das Haus mit frischer Luft und gewinnt einen Großteil der Wärme zurück. Investitionskosten 10.000 bis 18.000 Euro für ein Einfamilienhaus.

Heizung mit erneuerbaren Energien

Mindestens 65 Prozent der Heizenergie aus erneuerbaren Quellen (gesetzliche Anforderung GEG seit 2024). Standardlösungen: Luft-Wasser-Wärmepumpe, Sole-Wasser-Wärmepumpe, Pelletheizung, Solarthermie als Hauptheizung, Fernwärme aus erneuerbaren Quellen.

Photovoltaik (oft, aber nicht zwingend)

Eine Photovoltaikanlage von 8 bis 12 kWp auf dem Dach plus Stromspeicher reduziert den Strombezug aus dem Netz und verbessert die Energiebilanz. Bei der EH 40-Berechnung wird PV-Strom als Eigenversorgung angerechnet - was die Erreichung der EH 40-Werte deutlich erleichtert.

Mehrkosten gegenüber GEG-Mindeststandard

Detaillierte Aufschlüsselung der Mehrkosten

Bauteil/MaßnahmeMehrkosten gegenüber GEG-Standard
Höherwertige Wärmedämmung Außenwand5.000 - 10.000 €
Verstärkte Dachdämmung3.000 - 8.000 €
Kellerdecke/Bodenplatte verstärkt2.000 - 5.000 €
Dreifachverglasung Fenster5.000 - 10.000 €
Wärmepumpe statt Gasheizung10.000 - 20.000 €
Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung10.000 - 18.000 €
Photovoltaik plus Stromspeicher20.000 - 30.000 €
Erweiterte Planungs- und Baubegleitung3.000 - 6.000 €
Summe Mehrkosten typisch58.000 - 107.000 €

Stand: April 2026. Werte für ein 150-Quadratmeter-Einfamilienhaus.

KfW 297/298-Förderung im Detail

Effizienzhaus 40 ist die Mindestvoraussetzung für die KfW-Förderung im Neubau. Detail-Artikel zur Förderung: KfW 297/298 Klimafreundlicher Neubau.

KfW 297 - EH 40 Standard

  • Darlehen bis 100.000 Euro pro Wohneinheit
  • Effektivzins: 2,15 bis 2,85 Prozent (April 2026)
  • Treibhausgas-Anforderung über Lebenszyklus: max. 24 kg CO2/m²/Jahr
  • Keine fossile Heizung

KfW 298 - EH 40 plus QNG

  • Darlehen bis 150.000 Euro pro Wohneinheit
  • Effektivzins: 2,15 bis 2,85 Prozent
  • Plus QNG-Zertifikat (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude)
  • Strengere Materialanforderungen

Förder-Vorteil über 10 Jahre

Bei 150.000 Euro KfW-Darlehen zu 2,5 Prozent statt 3,9 Prozent Bankkredit ergeben sich rund 21.000 Euro Zinsersparnis über 10 Jahre Bindung. Bei 100.000 Euro KfW-Darlehen entsprechend rund 14.000 Euro.

Beispielrechnung Wirtschaftlichkeit über 25 Jahre

Annahmen

  • Hauspreis: 500.000 Euro inkl. Baunebenkosten
  • Wohnfläche: 150 m²
  • Effizienzhaus 40 plus QNG (KfW 298)
  • Heizung: Luft-Wasser-Wärmepumpe plus PV plus Stromspeicher
  • Nutzungsdauer: 25 Jahre

Mehrkosten gegenüber GEG-Standard

Investition: rund 80.000 Euro mehr Baukosten plus 25.000 Euro für QNG-Zertifizierung und entsprechende Materialwahl. Gesamtmehrkosten Bauphase: 105.000 Euro.

Vorteile über 25 Jahre

  • Heizkosteneinsparung: rund 50.000 Euro (1.500 vs. 3.500 Euro pro Jahr × 25 Jahre)
  • KfW-Zinsersparnis über 10 Jahre Bindung: rund 21.000 Euro
  • Höherer Wiederverkaufswert nach 25 Jahren: typisch 30.000 bis 60.000 Euro Wertvorteil
  • CO2-Einsparung über 25 Jahre: rund 75 Tonnen (gesellschaftlicher Wert ca. 7.500-15.000 Euro)

Bilanz

Investition 105.000 Euro, monetarisierter Vorteil über 25 Jahre rund 100.000 bis 130.000 Euro. Wirtschaftlich knapp neutral bis leicht positiv. Bei Nutzungsdauer über 30 Jahre wird die Rechnung deutlich positiv. Hauptmotivation: Wertstabilität, niedriger Energiebedarf, gesundes Wohnklima, Klimaschutz - nicht reine Wirtschaftlichkeit.

Haustechnik-Optionen für EH 40

Heizung: Luft-Wasser-Wärmepumpe (Standard)

Häufigste Lösung 2026. Jahresarbeitszahl (JAZ) typisch 4,0 bis 4,5 - aus 1 kWh Strom werden 4 bis 4,5 kWh Wärme. Investitionskosten 18.000 bis 28.000 Euro. Vorteil: einfache Installation, kein Bohren oder Erdarbeiten. Nachteil: Außengerät kann lärmempfindlich sein, Effizienz sinkt bei sehr kalten Außentemperaturen.

Heizung: Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)

Höhere Effizienz (JAZ 4,5+), gleichmäßigere Leistung. Investitionskosten 30.000 bis 50.000 Euro inkl. Bohrungen oder Flächenkollektoren. Vorteil: lange Lebensdauer (50+ Jahre für die Bohrung), niedrige Betriebskosten. Nachteil: hohe Initialinvestition, Bodengutachten erforderlich.

Heizung: Pelletheizung plus Solarthermie

Klassische Variante für ländliche Standorte mit Pellet-Lagermöglichkeit. Investitionskosten 25.000 bis 40.000 Euro. Vorteil: vollständig erneuerbar, geringerer Strombedarf als Wärmepumpe. Nachteil: Pelletpreise schwanken, Lagerung braucht Platz.

PV-Anlage Dimensionierung

Für ein EH 40-Haus mit Wärmepumpe sind typisch 8 bis 12 kWp PV-Anlage sinnvoll. Investitionskosten 15.000 bis 22.000 Euro. Mit Stromspeicher von 8 bis 12 kWh erreicht man Eigenverbrauchsquoten von 65 bis 75 Prozent. Speicher-Investition 5.000 bis 9.000 Euro.

EH 40 Sanierung im Bestand

Im Bestand wird Effizienzhaus 40 über das KfW 261-Programm gefördert (siehe KfW 261 Sanierung). Im Gegensatz zum Neubau sind die Anforderungen technisch deutlich schwerer zu erreichen.

Wann EH 40 Sanierung sinnvoll ist

Bei sehr alten Bestandsgebäuden (vor 1980), die ohnehin komplettsaniert werden müssen. Hier rechtfertigt der höhere Tilgungszuschuss (15-20 Prozent statt 5-15 Prozent für EH 55) die zusätzlichen Investitionen. Bei sanierten Gebäuden aus den 1990er Jahren oft schwierig zu erreichen - hier ist EH 55 oder EH 70 oft realistischer.

Schwerpunkte der EH 40 Sanierung

  • Komplette Außenwanddämmung (12-20 cm WDVS oder gleichwertig)
  • Aufdach- oder Zwischensparrendämmung im Dach
  • Kompletter Fenstertausch auf Dreifachverglasung
  • Heizungstausch auf Wärmepumpe oder Pelletheizung
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (oft nachgerüstet)
  • Photovoltaik mit Stromspeicher

Vergleich mit anderen Standards

StandardPrimärenergiebedarfMehrkosten NeubauFörderung 2026
GEG-Mindeststandard100 % (Referenz)0 €Keine Förderung
Effizienzhaus 5555 %30-60 T€ (nicht im Neubau förderbar)nur Sanierung (KfW 261)
Effizienzhaus 4040 %60-100 T€KfW 297 (100 T€)
EH 40 plus QNG40 % plus Nachhaltigkeit80-130 T€KfW 298 (150 T€)
Passivhaus~ 30 %100-150 T€i.d.R. KfW 298 (kein eigenes Programm)

Häufige Fehler bei EH 40

  • Auf zu enge Dämmstoff-Auswahl konzentrieren. Polystyrol (Styropor) ist günstig, aber nachhaltig und gesundheitlich problematisch. Mineralwolle, Holzfaserdämmstoffe oder Zellulose sind oft die bessere Wahl - relevante Mehrkosten meist unter 5.000 Euro.
  • Wärmebrücken vernachlässigen. Schlecht ausgeführte Anschlüsse zwischen Bauteilen reduzieren die Effizienz erheblich. Detaillierte Wärmebrückenplanung mit dem Energieberater abstimmen.
  • Lüftungsanlage falsch dimensionieren. Zu groß ist energetisch ungünstig, zu klein bedeutet schlechte Luftqualität. Auslegung nach DIN 1946-6 vom Fachplaner.
  • Heizung überdimensionieren. Bei EH 40 ist die Heizlast deutlich niedriger als bei Standardhäusern. Wärmepumpen werden oft zu groß ausgelegt - was den Wirkungsgrad senkt und die Kosten erhöht.
  • PV-Anlage und Wärmepumpe nicht synchronisiert. Smart-Home-Steuerung kann den Wärmepumpen-Betrieb auf PV-Überschüsse legen, was die Eigenverbrauchsquote auf 75-85 Prozent erhöht. Häufig vergessen.
  • QNG-Zertifizierung zu spät einleiten. Wenn KfW 298 das Ziel ist, muss die QNG-Vorbereitung von Anfang an in der Planung mitlaufen.
  • Förderantrag nach Baubeginn. KfW-Förderung verfällt komplett, wenn der Antrag nach dem ersten Spatenstich gestellt wird.

Austauschbarkeit der Komponenten - was nach 15 oder 20 Jahren?

Eine berechtigte Frage: Was passiert mit den hochwertigen Anlagen, wenn sie nach 15 bis 25 Jahren ausgetauscht werden müssen?

Wärmepumpe

Lebensdauer 15 bis 20 Jahre. Bei Austausch typisch 8.000 bis 18.000 Euro Kosten (deutlich günstiger als bei Erstinstallation, weil die Infrastruktur bereits steht). Der technische Fortschritt führt typisch zu 10-20 Prozent besseren Wirkungsgraden bei gleichen Anschaffungskosten.

Lüftungsanlage

Lebensdauer der Hauptkomponenten 20 bis 25 Jahre. Filter, Lüfter und Wärmetauscher können einzeln getauscht werden. Komplettaustausch nach 25 Jahren typisch 6.000 bis 12.000 Euro.

Photovoltaik-Module und Wechselrichter

PV-Module: 25 bis 30 Jahre Garantie auf 80 Prozent der Leistung, faktische Lebensdauer 35+ Jahre. Wechselrichter: 12 bis 15 Jahre Lebensdauer, Austausch 1.500 bis 3.000 Euro.

Stromspeicher

Lebensdauer 10 bis 15 Jahre (5.000 bis 8.000 Ladezyklen). Austausch nach 12 bis 15 Jahren typisch 3.000 bis 6.000 Euro - mit deutlichem Preisrückgang erwartet (heute teurer als in 10 Jahren).

Risiken und kritische Punkte beim Effizienzhaus 40

Bei aller Förderlogik und Effizienz gibt es auch kritische Punkte, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

Komplexere Haustechnik bedeutet mehr Wartung

Eine Wärmepumpe mit PV-Anlage, Stromspeicher und Lüftungsanlage hat deutlich mehr technische Komponenten als eine klassische Gasheizung. Wartungsverträge für die einzelnen Anlagen kosten typisch 250 bis 500 Euro pro Jahr. Über 25 Jahre also 6.000 bis 12.500 Euro Wartungskosten - die in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung oft vergessen werden.

Lüftungsanlage richtig nutzen

Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung muss regelmäßig (alle 3-6 Monate) Filter gewechselt werden, die Lüftungskanäle sollten alle 5-10 Jahre gereinigt werden. Bei Vernachlässigung sinkt die Effizienz und es kann zu Hygiene-Problemen kommen.

Sommerlicher Wärmeschutz

Hochgedämmte Häuser können im Sommer überhitzen, wenn der sommerliche Wärmeschutz nicht passt. Außenrollos, Verschattung der Südfenster und ggf. eine Kühlfunktion der Wärmepumpe sind dann notwendig. Bei der Planung explizit thematisieren.

Spezialwissen erforderlich

Nicht alle Bauunternehmer haben Erfahrung mit EH 40. Die dichte Bauweise, die korrekte Installation der Wärmedämmung, die Wärmebrücken-Optimierung erfordern Sachkenntnis. Bei der Auswahl des Bauunternehmens explizit nach Referenzen für EH 40-Bauten fragen.

Wie sich EH 40 im Alltag anfühlt

Über die technischen Daten hinaus: Was bedeutet EH 40 für die tägliche Wohnerfahrung? Bewohner solcher Häuser berichten oft über drei zentrale Punkte.

Wohnklima dank Lüftungsanlage

Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für konstant frische Luft, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen. Pollenallergiker profitieren besonders - die Pollenfilter halten den Großteil ab. Im Winter keine trockene Heizungsluft mehr, im Sommer eine konstante Sauerstoffversorgung.

Konstante Innentemperaturen

Die hohe Wärmedämmung und die kontrollierte Lüftung führen zu sehr stabilen Innentemperaturen - auch bei Frost oder Hitzewelle. Schwankungen über den Tag hinweg meist nur 1 bis 2 Grad. Das ermöglicht ein konstantes Wohlfühlklima ohne ständiges Nachregeln.

Niedrige Heizkosten als psychologischer Faktor

Heizkosten von 1.200 bis 1.700 Euro pro Jahr (statt 3.000 bis 4.000 Euro bei GEG-Standard) bedeuten Energiekosten-Ersparnis plus Sorgenfreiheit bei steigenden Energiekosten. Bewohner berichten, dass sie sich keine Gedanken mehr über die Heizkostenabrechnung machen müssen.

EH 40 in der Bauplanung - was Bauherren beachten sollten

Effizienzhaus 40 zu erreichen ist nicht nur eine Material- und Heizungsfrage, sondern beginnt schon bei der Grundkonzeption des Gebäudes. Wer EH 40 als Ziel hat, sollte schon in den ersten Planungsgesprächen darauf achten.

Kompakte Bauform

Die Hüllfläche im Verhältnis zum Volumen (A/V-Verhältnis) ist ein zentraler Effizienz-Faktor. Ein kompakter Baukörper (Würfel, Quader) hat bessere Effizienz als ein Haus mit vielen Vor- und Rücksprüngen, Erkern oder Gauben. Ein zweigeschossiger Würfel mit 8x8 m Grundriss erreicht EH 40 deutlich einfacher als ein zergliedertes Bungalow.

Südausrichtung und Verschattung

Große Fensterflächen nach Süden mit sommerlichem Verschattungsschutz (Außenrollos, Pergola, Vordächer) nutzen die Solarstrahlung im Winter optimal und vermeiden Überhitzung im Sommer. Nordseite kleine Fensterflächen, Ost-West-Seite mittel groß. Diese passive Solarnutzung kann den Heizenergiebedarf um 10 bis 15 Prozent reduzieren.

Wärmebrücken-Optimierung

Auskragende Balkone, Dachüberstände und Treppen sind klassische Wärmebrücken. Bei EH 40 müssen diese entweder thermisch entkoppelt (Iso-Korb) oder vermieden werden. Frühzeitig im Planungsprozess klären, ob freistehende Balkone (mit eigenem Fundament) oder einliegende Loggien die bessere Lösung sind.

Speichermasse

Massive Bauweise (Ziegel, Kalksandstein, Beton) hat Speichermasse, die Temperaturschwankungen ausgleicht und Komfort schafft. Holzbau hat weniger Speichermasse, kann aber durch Kombination mit Lehmputz oder massiven Innenwänden ausgeglichen werden. Beim EH 40 ist Speichermasse kein Pflichtkriterium, aber komfortrelevant.

Welche Bauformen funktionieren am besten

Bauform 1: Massivbau in Ziegel oder Kalksandstein

Klassische Wahl in Deutschland. Mit modernen Plansteinen und Wärmedämmung funktioniert EH 40 problemlos. Hohe Speichermasse, lange Lebensdauer, gute Schalldämmung. Mehrkosten gegenüber GEG-Standard moderat. Nachteil: höhere CO2-Bilanz - bei KfW 298/QNG kann es knapp werden.

Bauform 2: Holzrahmenbau oder Holzständerbau

Schneller Bau, gute Wärmedämmung in der Wandstärke integriert, sehr gute CO2-Bilanz. Optimal für KfW 298 mit QNG. Nachteil: weniger Speichermasse, oft etwas teurer als Massivbau.

Bauform 3: Holzmassivbau (KLH, Brettsperrholz)

Hochwertige Variante - solider als Holzrahmenbau, mit massiver Holzwand. Sehr gute CO2-Bilanz, schöne sichtbare Holzflächen möglich, sehr schneller Bau. Mehrkosten 10 bis 20 Prozent gegenüber Standard. Bei nachhaltigen Bauherren mit Budget oft die erste Wahl.

Bauform 4: Hybridbau (Holz plus Massiv)

Beste aus beiden Welten: massive Sockelgeschoss (Beton/Ziegel) mit Holzobergeschoss. Speichermasse im EG, leichte Konstruktion oben. Wirtschaftlich oft der Sweet Spot.

QNG - die Erweiterung von EH 40 zur höheren Förderung

Wer von KfW 297 (100.000 Euro) auf KfW 298 (150.000 Euro) springen möchte, braucht zusätzlich zum EH 40-Standard das QNG-Zertifikat. QNG-Plus ist die Variante für privaten Wohnungsbau.

Was das QNG zusätzlich verlangt

  • Lebenszyklus-Analyse der Treibhausgas-Bilanz - oft hilft hier Holzbau oder Holzhybrid.
  • Recyclebare Materialien - z.B. Stein- oder Holzfaserdämmung statt Polystyrol.
  • Innenraumluftqualität - schadstoffarme Materialien, vor allem bei Bodenbelägen, Wandfarben, Klebstoffen.
  • Wassermanagement - wassersparende Sanitärprodukte, ggf. Regenwassernutzung.
  • Klimaanpassung - Schutz vor Hitze (Verschattung, Begrünung), Schutz vor Starkregen.

Wirtschaftliche Bewertung von QNG

Mehrkosten 18.000 bis 37.000 Euro, zusätzliche KfW-Förderung 50.000 Euro, davon Zinsersparnis über 10 Jahre rund 7.000 Euro. Wirtschaftlich knapp positiv, hauptsächlich für Bauherren attraktiv, die ohnehin nachhaltig bauen wollen.

FAQ - Effizienzhaus 40 Förderung 2026

Was bedeutet Effizienzhaus 40?
Ein Effizienzhaus 40 hat einen Primärenergiebedarf von maximal 40 Prozent eines vergleichbaren Referenzgebäudes nach GEG. Praktisch bedeutet das: das Haus verbraucht etwa 60 Prozent weniger Heizenergie als ein nach gesetzlichem Mindeststandard gebautes Haus. Die Anforderung wird über Wärmedämmung, dichte Gebäudehülle, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und erneuerbare Heizung erreicht.
Was kostet ein EH 40-Haus mehr als ein GEG-Standardhaus?
Typisch 60.000 bis 100.000 Euro Mehrkosten bei einem 150-Quadratmeter-Einfamilienhaus. Hauptpositionen: bessere Wärmedämmung (15.000-25.000 Euro), Dreifachverglasung (5.000-10.000 Euro), Wärmepumpe statt Gas (10.000-20.000 Euro), Lüftungsanlage (10.000-18.000 Euro), Photovoltaik plus Speicher (20.000-30.000 Euro).
Lohnt sich Effizienzhaus 40 wirtschaftlich?
Über 25 Jahre betrachtet: knapp positiv. Den Mehrkosten von 60.000 bis 100.000 Euro stehen über die Nutzungsdauer 30.000 bis 50.000 Euro Heizkosten-Einsparung plus 21.000 bis 31.000 Euro KfW-Förderung gegenüber. Hauptvorteil ist nicht die Wirtschaftlichkeit allein, sondern Wertstabilität, Wohnkomfort und CO2-Reduktion. Bei Nutzungsdauer über 30 Jahre wird die Rechnung deutlich positiv.
Welche Heizung ist bei EH 40 möglich?
Praktisch nur erneuerbare Heizungen: Wärmepumpe (Standard), Pelletheizung, Solarthermie als Hauptheizung, Fernwärme aus erneuerbaren Quellen. Fossile Heizungen (Gas, Öl) sind ausgeschlossen - sowohl gesetzlich (GEG) als auch durch die KfW-Förderbedingungen. Die Standardlösung 2026 ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik.
Wie wird Effizienzhaus 40 gegenüber Effizienzhaus 55 verglichen?
EH 40 hat strengere Anforderungen (40 % vs. 55 % Primärenergiebedarf), höhere Mehrkosten (60-100 T€ vs. 30-60 T€), aber bessere Förderung (KfW 297/298 für Neubau vs. nur KfW 261 für Sanierung). EH 55 wird im Neubau seit 2022 nicht mehr gefördert, nur noch im Bestand. Wer neu baut, muss auf EH 40 oder besser zielen.
Hausbau Journal Redaktion

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