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Effizienzhaus 2026 - KfW-Standards EH 40, 55, 70 erklärt

Alle KfW-Standards im Vergleich, Mehrkosten, aktuelle Förderungen und Heizenergie-Einsparung für Bauherren 2026.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 27. April 2026 17 Min Lesezeit
Effizienzhaus mit Wärmepumpe und PV
Effizienzhaus: KfW-Standards EH 40, 55, 70, 100 - die Skala der Energieeffizienz im deutschen Wohnbau.
12.500 €
KfW-EH 40 Tilgungszuschuss bei Klimakriterien 2026
15.000 - 30.000 €
Mehrkosten EH 40 vs. EH 55 je nach Bauweise
12 - 18 J.
Amortisations-Zeit EH 40 bei aktuellen Energiepreisen

Was ist ein Effizienzhaus?

Der Begriff Effizienzhaus wurde von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) eingeführt, um die energetische Qualität von Wohngebäuden zu standardisieren. Die Zahl bezeichnet den Primärenergie-Bedarf in Prozent eines Referenzgebäudes nach Gebäudeenergiegesetz (GEG). Niedriger ist besser:

  • EH 40. 40 % des Primärenergie-Bedarfs des Referenzgebäudes
  • EH 55. 55 % des Primärenergie-Bedarfs des Referenzgebäudes
  • EH 70. 70 % des Primärenergie-Bedarfs des Referenzgebäudes
  • EH 100. 100 % - entspricht alter GEG-Mindestanforderung

Bezug zu GEG-Standard

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG, früher EnEV) definiert die Mindestanforderung für Neubauten. Stand 2026 entspricht GEG-Mindestanforderung etwa KfW-EH 70. Wer nur die GEG-Mindestanforderung erfüllt, baut energetisch unterdurchschnittlich - bei aktuellen Energiepreisen wirtschaftlich nachteilig.

Sonder-Klassen

  • EH 40 NH. Nachhaltigkeit. Höhere Anforderungen an nachwachsende Rohstoffe (z.B. Holzbau), zusätzliche Förderung möglich
  • EH 40 EE. Erneuerbare Energien-Klasse mit höherem PV/Wärmepumpe-Anteil
  • Passivhaus. Strenger als KfW-EH 40, eigene Zertifizierung durch Passivhaus-Institut. Mehr im Artikel Passivhaus
  • Plusenergiehaus. Erzeugt mehr Energie als verbraucht. Mehr im Artikel Plusenergiehaus

KfW-Standards im direkten Vergleich

Standards-Übersicht 2026

StandardPrimärenergieFörderung 2026Mehrkosten ggü. GEGU-Wert Außenwand
GEG-Mindest~ 100 % Referenzkeine0 €0,28 W/(m²K)
EH 7070 %keine 20263.000-8.000 €0,22 W/(m²K)
EH 5555 %keine direkt5.000-12.000 €0,18 W/(m²K)
EH 4040 %12.500 € KfW 297/29815.000-30.000 €0,14 W/(m²K)
EH 40 NH40 % + Nachhaltigkeithöher als EH 4020.000-40.000 €0,14 W/(m²K)
Passivhaus30-40 %EH 40 Förderung + Länder30.000-50.000 €0,12 W/(m²K)

Stand: April 2026. Mehrkosten gegenüber GEG-Mindestanforderung bei 140 m² EFH.

KfW-EH 40 im Detail

Anforderungen

Primärenergie-Bedarf maximal 40 % des Referenzgebäudes. Erreicht durch hochwertige Dämmung, gute Fenster, Wärmepumpe oder Pellet-Heizung, kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung.

Typischer Wandaufbau EH 40

  • Massivhaus. 36,5 cm Hochlochziegel + 6-10 cm Holzfaser-Außendämmung, U-Wert 0,14 W/(m²K)
  • Massivhaus mit WDVS. 17,5 cm Kalksandstein + 18-22 cm WDVS, U-Wert 0,14 W/(m²K)
  • Holzrahmenbau. 24 cm Holzrahmen + 8-10 cm Holzfaser-Außendämmung, U-Wert 0,12 W/(m²K)
  • Massivholzhaus. 12 cm CLT + 16-20 cm Holzfaser-Außendämmung, U-Wert 0,15 W/(m²K)

Heizung beim EH 40

Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser) ist Standard. Pellet-Heizung möglich, aber weniger verbreitet. Gas-Heizung ist 2024 nicht mehr GEG-konform und damit nicht EH 40-fähig. Solar-Thermie als Ergänzung möglich, aber nicht zwingend.

Lüftungsanlage Pflicht

Bei EH 40 ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung praktisch Pflicht. Wärmerückgewinnungs-Effizienz mindestens 80 %, besser 85-90 %. Stromverbrauch der Anlage 100-250 kWh pro Jahr.

Klimakriterien für KfW 297/298

Für die maximale Förderung müssen zusätzlich Klimakriterien erfüllt werden: PV-Anlage als Pflichtkriterium oder andere CO2-mindernde Maßnahmen. Bei Holzbau gilt die Holz-Verwendung als Klimakriterium - kein separater PV-Anlagen-Pflicht. Mehr im Artikel KfW 297/298.

Förder-Beträge EH 40

Bis 12,5 Prozent Tilgungszuschuss auf einen Kreditbetrag von max. 100.000 Euro = bis 12.500 Euro Förderung. Bei EH 40 NH (Nachhaltigkeits-Klasse) zusätzlich höhere Förderung möglich. Förderkredit muss vor Baubeginn beantragt werden.

KfW-EH 55 im Detail

Anforderungen

Primärenergie-Bedarf maximal 55 % des Referenzgebäudes. Marktstandard 2026, weil bei Fertighäusern oft im Werkvertragspreis enthalten. Bei Massivhäusern mit monolithischer Ziegelwand 36,5 cm und Wärmepumpe ohne große Zusatzmaßnahmen erreichbar.

Typischer Wandaufbau EH 55

  • Massivhaus monolithisch. 36,5 cm Hochlochziegel mit Perlitfüllung, U-Wert 0,17 W/(m²K)
  • Massivhaus mit WDVS. 17,5 cm Kalksandstein + 14-16 cm WDVS, U-Wert 0,18 W/(m²K)
  • Holzrahmenbau. 24 cm Holzrahmen + 4-6 cm Holzfaser-Außendämmung, U-Wert 0,15 W/(m²K)

Förderung EH 55

Seit 2023 keine direkte KfW-Förderung mehr. Bei Sanierungs-Maßnahmen Sanierungs-Förderung möglich. Bei Neubau: Bauherren erfüllen freiwillig den höheren Standard - rechnerisch oft sinnvoll trotz fehlender Direkt-Förderung.

Heizung beim EH 55

Wärmepumpe oder Pellet-Heizung. Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung optional, oft empfehlenswert. Bei kleineren EFH auch Wärmepumpe ohne KWL möglich.

KfW-EH 70 im Detail

Anforderungen

Primärenergie-Bedarf maximal 70 % des Referenzgebäudes. Entspricht etwa der aktuellen GEG-Mindestanforderung. Wer nur EH 70 erreicht, erfüllt das gesetzliche Minimum, baut aber energetisch unterdurchschnittlich.

Typischer Wandaufbau EH 70

  • Massivhaus. 30 cm Hochlochziegel monolithisch, U-Wert 0,22 W/(m²K)
  • Massivhaus mit WDVS. 17,5 cm KS + 12 cm WDVS, U-Wert 0,22 W/(m²K)
  • Holzrahmenbau. 18-20 cm Holzrahmen + 4 cm Holzfaser, U-Wert 0,20 W/(m²K)

Förderung EH 70

Seit 2022 keine KfW-Förderung mehr. Wirtschaftlich nicht empfehlenswert wegen höherer Heizkosten und fehlender Förderung.

KfW-EH 100 (alter Standard)

KfW-EH 100 entsprach dem GEG-Standard von etwa 2014-2020. Wird 2026 nicht mehr direkt verwendet, weil die GEG-Mindestanforderung mittlerweile bei etwa EH 70 liegt. Bei alten Bauanträgen oder Sanierungen taucht EH 100 als Bezugsgröße noch auf.

Förderung 2026

KfW 297/298 Klimafreundlicher Neubau

Hauptförder-Programm 2026 für Neubauten ab KfW-EH 40 mit Klimakriterien. Förderdarlehen bis 100.000 Euro pro Wohneinheit, Tilgungszuschuss 5-12,5 Prozent je nach Klassifikation. Mehr im Artikel KfW 297/298.

KfW 261 Sanierung

Für Sanierungen zum Effizienzhaus 40, 55, 70, 85, Denkmal. Förderdarlehen bis 150.000 Euro, Tilgungszuschuss bis 25 Prozent. Bei Sanierung des Bestandes oft die wichtigste Förderung. Mehr im Artikel KfW 261.

BEG-Einzelmaßnahmen

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Wärmepumpe, Lüftungsanlage, Dämmung als Einzelmaßnahmen. Bis 35 Prozent Förderung pro Maßnahme. Bei Sanierungen besonders relevant.

Länder-Programme

Bundesländer haben zusätzliche Programme für höhere Effizienz-Standards: Bayern Energiekredit Plus, BW Energieeffizienz-Förderung, NRW Modernisierungs-Zuschüsse, Hessen Wohnraum-Förderung. Kombination mit KfW-Förderung oft möglich.

Mehrkosten je Standard

Mehrkosten-Tabelle 140 m² EFH (gegenüber GEG-Mindestanforderung)

StandardMehrkosten BauwerkFörderung 2026Netto-Investition
EH 703.000-8.000 €0 €3.000-8.000 €
EH 555.000-12.000 €0 €5.000-12.000 €
EH 4015.000-25.000 €10.000-12.500 €2.500-15.000 €
EH 40 NH (Holzbau)20.000-35.000 €14.000-17.500 €3.000-21.000 €
Passivhaus30.000-50.000 €12.500 € + Länder15.000-37.500 €

Heizkosten-Ersparnis 30 Jahre

StandardHeizenergie/JahrHeizkosten/Jahr (WP)Ersparnis 30 Jahre vs. GEG
GEG-Mindest5.000 kWh1.600 €0 €
EH 554.000 kWh1.280 €9.600 €
EH 403.000 kWh960 €19.200 €
Passivhaus1.500 kWh480 €33.600 €

Stand: April 2026. Strompreis 0,32 €/kWh, JAZ Wärmepumpe 3,5. Bei steigenden Strompreisen Ersparnis höher.

Amortisations-Rechnung EH 40

Mehrkosten EH 40 nach Förderung 2.500-15.000 Euro. Heizkosten-Ersparnis gegenüber GEG-Mindestanforderung 640 Euro pro Jahr (640 = 1.600 - 960). Amortisations-Zeit 4-23 Jahre je nach individuellen Mehrkosten und Förderung. In der Mehrheit der Fälle 12-18 Jahre.

Entscheidungs-Matrix Effizienzhaus

EH 55 als Mindeststandard (Empfehlung)

Bei Fertighäusern oft im Werkvertrag enthalten - keine Mehrkosten, daher immer sinnvoll. Bei Massivhäusern moderate Mehrkosten (5.000-12.000 Euro) für deutlich bessere Energiebilanz und Wertstabilität.

EH 40 mit Förderung (Empfehlung bei Förder-Anspruch)

Beste Kombination aus Mehrkosten und Förderung. Netto-Investition 2.500-15.000 Euro für deutlich höhere Energieeffizienz und 12.500 Euro Tilgungszuschuss. Empfohlen bei jedem Neubau, der das Förder-Verfahren mitmachen will.

EH 40 NH (Empfehlung bei Holzbau)

Bei Holzbau Mehrkosten gegenüber EH 40 oft nur 5.000-10.000 Euro, dafür höhere Förderung. Bei klimabewussten Bauherren mit Holzbau-Wahl klare Empfehlung.

Passivhaus (für Klimaschutz-orientierte Bauherren)

Wirtschaftlich nicht zwingend rentabel, aber bei Klimaschutz-Anspruch und maximaler Heizkosten-Reduktion sinnvoll. Mehr im Artikel Passivhaus.

Bauweisen für Effizienz-Standards

Massivhaus für Effizienz

Erreicht alle Standards bis Passivhaus. Vorteile: Wertstabilität, Schallschutz. Nachteile: dickere Wandstärken bei höheren Standards, mehr Wohnflächen-Verlust. Mehr im Artikel Massivhaus.

Fertighaus für Effizienz

Erreicht alle Standards bei oft günstigeren Mehrkosten. Vorteile: hohe Luftdichtheit (n50-Werte 0,5-1,0/h Standard), KfW-EH 40 oft im Werkvertrag enthalten. Nachteile: weniger Schallschutz. Mehr im Artikel Fertighaus.

Holzhaus für Effizienz

Beste CO2-Bilanz, EH 40 NH-fähig wegen nachwachsender Rohstoffe. Bei Holzfaser-Dämmung optimale Sommertaugfähigkeit. Mehr im Artikel Holzhaus.

Komponenten-Übersicht für Effizienz-Standards

Außenwand-Dämmung

  • Mineralwolle. Standard-Dämmstoff, gut dämmend, günstig, schlechte Ökobilanz
  • Holzfaser. Beste Ökobilanz, beste Sommertaugfähigkeit, höchste Kosten
  • Zellulose. Recycelt, gute Sommertaugfähigkeit
  • EPS (Polystyrol). Günstig, dämmt gut, schlechte Ökobilanz

Fenster

Bei EH 55 oft Doppelverglasung mit U-Wert 1,1 W/(m²K) ausreichend. Bei EH 40 Dreifachverglasung mit U-Wert 0,8 W/(m²K) Standard. Bei Passivhaus passivhaus-zertifizierte Fenster mit U-Wert 0,7 W/(m²K). Holzfenster, Holz-Aluminium oder Kunststoff je nach Stil und Budget.

Dachdämmung

Je nach Standard 18-30 cm Dämmung. Bei flachen Dächern aufgesetzte Dämmung, bei geneigten Dächern Zwischensparren-Dämmung plus optional Aufsparren-Dämmung.

Wärmepumpe

Standard-Heizung 2026. Luft-Wasser am häufigsten (25.000-35.000 Euro), Sole-Wasser bei großem Grundstück (35.000-50.000 Euro). JAZ (Jahresarbeitszahl) 3,5-4,5 typisch.

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Pflicht bei EH 40 und höher. Wärmerückgewinnung 80-90 Prozent. Anschaffung 12.000-20.000 Euro. Wartung jährlich (Filter), alle 5-8 Jahre Hauptreinigung.

Energieausweis und KfW-Nachweis

Bei Neubau ist ein Energieausweis Pflicht (Erstellung durch Energieberater 800-1.500 Euro). Für KfW-Förderung zusätzlicher KfW-Nachweis durch Energieeffizienz-Experten. Mehrkosten 1.500-3.000 Euro Honorar. Begleitet das Bauvorhaben von Planung bis Bauabnahme. Mehr im Artikel KfW-Förderung.

Bauleitung beim Effizienzhaus

Effizienzhäuser brauchen sorgfältige Bauleitung. Architekt, Energieberater und Bauleiter müssen koordiniert arbeiten - kleine Fehler in der Folien-Verklebung oder im Anschluss-Detail kosten Effizienz und Förderung. Drei Prinzipien: 1) Energieberater begleitet alle Schlüsselphasen, 2) Blower-Door-Test vor und nach Innenausbau zur frühzeitigen Fehler-Erkennung, 3) Lüftungsanlagen-Einregulierung nach Bauabnahme professionell durchführen lassen.

Konkrete Ausstattung KfW-EH 40-Haus

Eine konkrete Ausstattungs-Spezifikation für ein 140-m²-EFH im KfW-EH 40-Standard sieht typisch so aus:

  • Außenwand. 36 cm Hochlochziegel monolithisch oder 36 cm Holzrahmen mit Holzfaser-Dämmung, U-Wert 0,14 W/(m²K)
  • Dach. 30 cm Holzfaser- oder Mineralwoll-Dämmung, U-Wert 0,12 W/(m²K)
  • Bodenplatte. 16 cm XPS oder PIR-Dämmung unter dem Estrich, U-Wert 0,18 W/(m²K)
  • Fenster. Dreifachverglasung mit U-Wert 0,8 W/(m²K), Holz-Aluminium-Rahmen
  • Außentüren. Hochwertige Tür mit U-Wert 0,9 W/(m²K)
  • Heizung. Luft-Wasser-Wärmepumpe 8 kW mit Smart Home-Steuerung
  • Lüftungsanlage. KWL mit Wärmerückgewinnung 85 %
  • Photovoltaik. 10 kWp mit 10 kWh Speicher

Zukunft der Effizienzhaus-Standards

Die KfW-Standards werden mit jeder Novelle verschärft. Bis 2030 wird eine weitere Verschärfung Richtung Passivhaus-Standard erwartet. Bauherren, die heute KfW-EH 40 bauen, sind zukunftssicher - das Haus erfüllt vermutlich auch in 10 Jahren noch die GEG-Mindestanforderungen. Wer nur GEG-Mindestanforderung baut, riskiert in 10-15 Jahren Sanierungs-Pflichten bei Verkauf oder Vermietung. EU-Direktiven verschärfen die Anforderungen zusätzlich - die EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) verlangt bis 2030 Klima-Neutralität für Neubauten.

Effizienzhaus-Standards im internationalen Vergleich

Deutschland hat mit dem KfW-Effizienzhaus-System ein international beachtetes Klassifikations-Schema. Vergleichbare Standards in anderen Ländern:

  • Schweiz Minergie. Vergleichbar mit KfW-EH 55, Minergie-P entspricht etwa Passivhaus, Minergie-A ist Plusenergie-Standard
  • Österreich Klima:aktiv. Klassifikation mit Bronze/Silber/Gold, Gold entspricht etwa KfW-EH 40 NH
  • Großbritannien EPC. Energy Performance Certificate mit Klassen A bis G, Klasse A entspricht etwa KfW-EH 40
  • USA HERS Index. Home Energy Rating System mit Punkte-Skala, niedrigere Werte sind besser. HERS 50 entspricht etwa KfW-EH 70.

Deutschland gehört bei der Energieeffizienz im Wohnbau zu den Vorreitern in Europa - auch wenn die Bautätigkeit bei höchsten Standards (Passivhaus) hinter der Schweiz und Österreich zurückbleibt.

Lebenszyklus-Vergleich

Über 50 Jahre Lebenszyklus zeigen sich die Effizienz-Unterschiede deutlich:

50-Jahres-Heizkosten-Vergleich (140 m² EFH, Wärmepumpe)

StandardHeizenergie/Jahr50 Jahre HeizkostenMehrkosten EHDifferenz Heiz vs. Mehrkosten
GEG-Mindest5.000 kWh105.000 €0 €-
EH 554.000 kWh84.000 €5.000 €+ 16.000 € Vorteil
EH 403.000 kWh63.000 €15.000 € netto+ 27.000 € Vorteil
Passivhaus1.500 kWh32.000 €30.000 € netto+ 43.000 € Vorteil

Stand: April 2026. Annahme: Strompreis 0,32 €/kWh, JAZ 3,5, 1,5 % Energiepreis-Inflation pro Jahr. Bei höherer Energiepreis-Inflation Vorteil noch deutlicher.

Häufige Fehler beim Effizienzhaus-Bau

  • KfW-Antrag zu spät gestellt. Antrag muss vor Baubeginn bewilligt sein - sonst Förderung verloren
  • Energieberater zu spät eingebunden. Fehler in der Planung lassen sich später nicht oder nur teuer korrigieren
  • Klimakriterien missachtet. Ohne Klimakriterien (PV-Anlage, Holzbau) keine KfW 297/298-Förderung
  • Blower-Door-Test schlechter als erwartet. Ohne hochwertige Folien-Verklebung n50-Werte oft schlechter als geplant
  • Hydraulischer Abgleich vergessen. Wärmepumpe verbraucht 15-25 % mehr Strom als nötig
  • Lüftungsanlage falsch dimensioniert oder falsch eingestellt. Schlechte Inbetriebnahme verschwendet Energie
  • Wärmebrücken-Berechnung pauschal. Genaue Berechnung kann beim Knapp-Erreichen der Klasse entscheidend sein
  • Sommerlicher Wärmeschutz vernachlässigt. Ohne Beschattung wird der Sommer im Effizienzhaus zur Hölle

Welcher Bauherr passt zu welchem Standard?

Kostenorientierte Bauherren - GEG-Mindestanforderung

Wer rein auf Anschaffungs-Kosten schaut und keine Förderung in Anspruch nimmt, wählt GEG-Mindestanforderung. Risiko: hohe Heizkosten über 30 Jahre, niedrigere Wertstabilität, eventuelle Sanierungs-Pflichten bei künftigen GEG-Verschärfungen.

Pragmatische Bauherren - EH 55

Mittelweg: bessere Energiebilanz als Mindestanforderung, aber ohne Förder-Komplexität. Bei Fertighäusern oft im Standard enthalten, daher praktisch keine Mehrkosten. Empfehlung für Bauherren ohne Förder-Anspruch.

Förder-orientierte Bauherren - EH 40

Die wirtschaftlich beste Wahl bei Anspruch auf KfW-Förderung. 12.500 Euro Tilgungszuschuss machen die Mehrkosten gegenüber EH 55 weitgehend wett. Empfehlung für die Mehrheit der Bauherren 2026.

Klimaschutz-orientierte Bauherren - EH 40 NH oder Passivhaus

Wer aus Überzeugung maximalen Klimaschutz baut, wählt EH 40 NH (Holzbau-Standard) oder Passivhaus. Wirtschaftlich nicht zwingend rentabel, aber mit langfristigem Klimaschutz-Wert.

Rolle des Energieberaters

Bei jedem KfW-Förder-Vorhaben muss ein Energieberater (Energieeffizienz-Experte nach EEE-Liste) das Bauvorhaben begleiten:

  • Vor Baubeginn. Energieausweis-Berechnung, KfW-Antragsunterlagen, Klimakriterien-Nachweis
  • Während Bau. Fachliche Begleitung, Detail-Klärung mit Architekt und Handwerkern
  • Bauabnahme. Verwendungsnachweis bei der KfW, Blower-Door-Test-Begleitung, Mess-Werte-Dokumentation

Honorar Energieberater 1.500-3.500 Euro, abhängig von Komplexität. Förderung über BAFA bis 50 Prozent reduziert Eigenanteil. Energieberater-Pflicht macht KfW-Förderung etwas kompliziert, aber zu Recht - ohne Begleitung würden viele Bauvorhaben die Förder-Anforderungen nicht erfüllen.

Berechnung des Effizienzhaus-Standards

Der Effizienzhaus-Standard wird durch Energieberater nach GEG-Berechnungs-Verfahren ermittelt. Drei Kennzahlen sind zentral:

Primärenergie-Bedarf Qp

Berechnet aus Endenergie (Strom für Wärmepumpe, Pellet für Pellet-Heizung) multipliziert mit Primärenergie-Faktor (Strom 1,8 in 2026, Pellet 0,2). Bezogen auf m² Nutzfläche pro Jahr. Maßgeblich für die KfW-Klassifikation.

Transmissionswärmeverlust H'T

Wärmeverlust durch die Hülle (Wände, Dach, Fenster, Bodenplatte). Wird in W/(m²K) angegeben. Beim KfW-EH 40 maximal 0,28 W/(m²K), beim EH 55 maximal 0,40 W/(m²K).

Endenergie-Bedarf Qe

Tatsächlich am Heizsystem benötigte Energie. Bei Wärmepumpe deutlich niedriger als bei Gas-Heizung wegen JAZ-Effekt (eine kWh Strom ergibt 3,5 kWh Wärme). Endenergie ist relevant für die Heizkosten-Berechnung.

Haustechnik für Effizienz-Standards

Wärmepumpe Auslegung

Wärmepumpen müssen für die spezifische Heizlast des Gebäudes ausgelegt werden. Bei kleinem KfW-EH 40-Haus oft nur 5-7 kW Heizleistung nötig - kleine, effiziente Wärmepumpe. Bei größeren Häusern oder weniger Effizienz 8-12 kW. Falsche Dimensionierung führt zu Takten (zu groß) oder unzureichender Heizleistung (zu klein).

Hydraulischer Abgleich

Bei Wärmepumpen-Heizung Pflicht. Jeder Heizkörper oder jede Fußbodenheizungs-Schleife wird auf optimalen Volumenstrom eingestellt. Ohne Hydraulik-Abgleich verbraucht die Wärmepumpe 15-25 Prozent mehr Strom. Honorar Heizungs-Fachmann 800-1.500 Euro.

Photovoltaik mit Speicher

Bei KfW 297/298-Förderung oft Pflicht-Klimakriterium. 8-12 kWp PV-Anlage typisch, kombiniert mit 8-12 kWh Speicher. Eigenverbrauchsquote mit Speicher 50-70 Prozent. Bei Wärmepumpe und PV wird ein Großteil der Heizenergie selbst erzeugt.

Bauphysikalische Anforderungen

n50-Wert (Luftdichtheit)

Die Luftdichtheit eines Gebäudes wird als n50-Wert ausgedrückt - Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pascal Druckunterschied. Niedrigere Werte sind besser:

  • GEG-Mindestanforderung. n50 ≤ 1,5 /h ohne Lüftungsanlage, ≤ 1,0 /h mit KWL
  • EH 55. n50 ≤ 1,0 /h
  • EH 40. n50 ≤ 0,6 /h
  • Passivhaus. n50 ≤ 0,6 /h zertifiziert

Nachweis durch Blower-Door-Test 250-450 Euro. Pflicht bei KfW-Förderung.

Wärmebrücken-Berechnung

Bei höheren Effizienz-Standards muss die Wärmebrücken-Berechnung detailliert sein. Bei pauschaler Berechnung Aufschlag von 0,1 W/(m²K) auf den Mittel-U-Wert. Bei detaillierter Berechnung der Anschluss-Details (Fenster, Geschossdecke, Sparren) Aufschlag nur 0,05 W/(m²K) - das macht den Unterschied bei EH 40.

Sommerlicher Wärmeschutz

Bei zunehmend heißeren Sommern relevant. Berechnung nach DIN 4108-2 zeigt, ob die Innenraum-Temperatur im Sommer unter 25 Grad bleibt. Lösungen: außenliegende Verschattung (Markise, Rolladen, Außen-Jalousie), kontrollierte Lüftung mit Bypass, Wärmespeichermasse (besser bei Massivbau).

Checkliste: Effizienzhaus richtig planen

  • Standard früh festlegen. EH 55 als Mindest, EH 40 mit Förderung empfohlen
  • Energieberater von Anfang an einbinden. Begleitung von Planung bis Bauabnahme
  • KfW-Förderung vor Baubeginn beantragen. Sonst keine Förderung möglich
  • Wandstärke und Wohnflächen-Verlust kalkulieren. Bei dickeren Wänden weniger Wohnfläche
  • Heizungs-Auswahl bewusst treffen. Wärmepumpe Standard, Pellet als Alternative
  • Lüftungsanlage einplanen. Bei EH 40 Pflicht
  • Klimakriterien beachten. PV-Anlage, Holzbau, Sonderbau-Optionen
  • Blower-Door-Test einplanen. Luftdichtheit nachweisen

Stand 2026 baut die Mehrheit der Bauherren entweder GEG-Mindestanforderung (Kosten-orientiert) oder KfW-EH 40 mit Förderung (Förder-orientiert). EH 55 als Zwischenstandard wird selten gewählt - die Förderung lohnt sich für EH 40, ohne Förderung wäre auch GEG-Mindestanforderung wirtschaftlich. Wachsender Trend: EH 40 NH mit Holzbau für maximalen Klimabonus. Passivhaus als Premium-Anspruch bei klimabewussten Bauherren.

Entwicklung der KfW-Standards

Die KfW-Standards wurden 2009 mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) eingeführt. Seitdem ständige Verschärfung:

  • 2009-2014. EH 100 als GEG-Standard, EH 70 und EH 55 förderungsfähig
  • 2014-2020. EH 70 als GEG-Standard
  • 2020-2023. EH 55 als Mindest-Förder-Standard, EH 40 als Premium
  • 2023-heute. EH 55 nicht mehr direkt gefördert, EH 40 als einzige Förder-Stufe
  • Zukunft. Vermutlich weitere Verschärfung Richtung Passivhaus-Standard 2030

FAQ - Effizienzhaus 2026

Was ist ein Effizienzhaus genau?
Ein Effizienzhaus ist ein Wohngebäude, dessen energetische Qualität nach KfW-Standard eingestuft ist. Die Zahl gibt den Primärenergie-Bedarf in Prozent eines Referenzgebäudes an: EH 40 = 40 % des Referenzgebäudes, EH 55 = 55 %. Niedriger ist besser. Der KfW-Standard hat sich als Quasi-Norm in Deutschland etabliert, auch wenn die Förderung nicht jedes Jahr für alle Standards verfügbar ist.
Welche Effizienzhaus-Standards werden 2026 gefördert?
Stand April 2026 gefördert: KfW-EH 40 mit Klimakriterien (Programm 297/298, Tilgungszuschuss bis 12,5 %), KfW-EH 40 NH (Nachhaltigkeit, höhere Förderung). KfW-EH 55 wird seit 2023 nicht mehr direkt gefördert, ist aber empfohlener Marktstandard. KfW-EH 70 und EH 100 sind alte Standards ohne aktuelle Förderung. Mehr im Artikel <a href="/kfw-297-298-klimafreundlicher-neubau/">KfW 297/298</a>.
Welcher Effizienzhaus-Standard lohnt sich finanziell?
Bei aktuellen Energiepreisen 2026 amortisieren sich Mehrkosten für KfW-EH 40 typisch in 12-18 Jahren durch Heizkostenersparnis und Förderung. KfW-EH 55 ist meist Standard im Werkvertrag bei Fertighäusern - keine extra Mehrkosten, daher immer sinnvoll. Passivhaus amortisiert sich erst nach 25-40 Jahren rein finanziell, hat aber Komfort- und Klimaschutz-Vorteile.
Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Endenergie?
Endenergie ist die tatsächlich am Heizsystem benötigte Energie (kWh Strom für die Wärmepumpe). Primärenergie berücksichtigt zusätzlich, wie diese Energie hergestellt wurde (Stromnetz hat noch fossile Anteile, daher Primärenergie-Faktor 1,8 bei Strom 2026). Der KfW-Standard rechnet in Primärenergie. Bei Wärmepumpe und PV-Anlage ist der Primärenergie-Wert deutlich besser als die reine Endenergie.
Welche Wandstärke braucht ein KfW-EH 40?
Beim Massivhaus mit Hochlochziegel monolithisch typisch 36,5 cm plus 6-10 cm Holzfaser-Außendämmung. Beim Holzrahmenbau 24 cm plus 6-10 cm Holzfaser-Außendämmung. Insgesamt rund 35-45 cm Wandstärke. Bei Passivhaus noch dicker, 40-50 cm. Wandstärke kostet Wohnfläche - bei 140 m² EFH und 8 cm zusätzlicher Außendämmung gehen rund 4-5 m² Wohnfläche verloren.
Brauche ich für KfW-EH 40 zwingend eine Wärmepumpe?
Nicht zwingend, aber praktisch fast immer. Wärmepumpen haben den besten Primärenergie-Faktor und ermöglichen die KfW-EH 40-Bilanz am einfachsten. Pellet-Heizung ist auch möglich, wird aber wegen lokaler Holz-Verfügbarkeit und Preis-Volatilität weniger empfohlen. Gas-Heizung ist für Neubauten ab 2024 nicht mehr GEG-konform - damit auch nicht KfW-fähig.
Hausbau Journal Redaktion

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