hausbaujournal.com
Bauherrenrecht

Schlichtungsstellen für Bauherren: Zuständigkeit, Kosten, Fristen

Wer mit dem Bauunternehmen oder dem Planer streitet, hat mehrere außergerichtliche Wege. Welche Stelle zuständig ist, was sie kostet und was der Antrag für die Verjährung bedeutet.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 8 Min Lesezeit
Beratungsgespräch am Schreibtisch - Schlichtung Bau
Beratungsgespräch am Schreibtisch: Schlichtung ist ein schriftliches, freiwilliges Verfahren.

Schlichtung, Mediation und Gericht sind verschiedene Wege

  • Schlichtung: Eine neutrale Stelle prüft den Streit, in der Regel schriftlich, und macht einen Vorschlag. Das Verfahren endet, wenn eine Seite die Teilnahme zurücknimmt oder verweigert (§ 15 VSBG).
  • Mediation: Ein vertraulich geführtes, strukturiertes Verfahren, in dem die Parteien mit Unterstützung eines Mediators freiwillig und in eigener Verantwortung eine Einigung suchen. Der Mediator entscheidet nichts (§ 1 MediationsG). Mediation ist kein Verfahren der Verbraucherschlichtungsstellen.
  • Gerichtsverfahren: Ein Gericht entscheidet verbindlich. Wer Fristen wahren oder Beweise sichern muss, kommt um das Gericht nicht herum.

Stellenverzeichnis

Die Angaben stammen aus der Liste der Verbraucherschlichtungsstellen des Bundesamts für Justiz (Stand 29. September 2026).

StelleZuständig fürKontaktVerfahren
Ombudsmann Immobilien IVD/VPB Bauträgerverträge, Bauverträge, Grundstückskaufverträge zu Wohnzwecken - auch dann, wenn das Unternehmen kein IVD-Mitglied ist. Wird nur auf Antrag des Verbrauchers tätig. Littenstr. 10, 10179 Berlin, Tel. 030 275726-0, info@ombudsmann-immobilien.de Schriftlich; durchschnittlich 28 Tage; Ergebnis nicht verbindlich; für Verbraucher kostenlos, außer bei missbräuchlichem Antrag (30 Euro)
Universalschlichtungsstelle des Bundes (Zentrum für Schlichtung e. V.) Auffangstelle für Verbraucherstreitigkeiten, auch Bau neuer Häuser und Wohnungen sowie Instandhaltung und Aufwertung von Haus und Wohnung Straßburger Str. 8, 77694 Kehl, Tel. 07851 7957940, mail@universalschlichtungsstelle.de Durchschnittlich 2 Monate; Ergebnis verbindlich nach Zustimmung beider Parteien; Verbraucher zahlen nur bei missbräuchlichem Antrag 30 Euro
Verbraucherschlichtungsstelle der Architektenkammer Niedersachsen Zivilrechtliche Streitigkeiten zwischen einem privaten Bauherrn und einem Mitglied der Kammer (Architekt, Innen- oder Landschaftsarchitekt, Stadtplaner), die aus der Berufsausübung entstehen Friedrichswall 5, 30159 Hannover, Tel. 0511 28096-51, verbraucherschlichtung@aknds.de Schriftlich und mündlich; 3 bis 6 Monate; Ergebnis verbindlich nach Zustimmung einer oder beider Parteien; laut Liste 30 Euro für Verbraucher und für Unternehmer
Verbraucherschlichtungsstelle für Architekten- und Ingenieurleistungen Streitigkeiten aus Verträgen über Planungsleistungen zwischen Verbraucher und einem Unternehmen, das Architekten- oder Ingenieurleistungen anbietet Dynamostraße 13, 68165 Mannheim, Tel. 0621 860861-0, kontakt@ghv-guetestelle.de Schriftlich und mündlich; 3 Monate; Ergebnis nicht verbindlich; 30 Euro für Verbraucher nur bei missbräuchlichem Antrag

Für Streit mit einem Bauunternehmen kommen damit der Ombudsmann Immobilien (Bau- und Bauträgerverträge) und die Universalschlichtungsstelle in Frage; für Streit mit Planern die beiden Architekten- und Ingenieurstellen. Wer mit wem streitet, entscheidet über die Zuständigkeit - bei Zweifeln vor dem Antrag bei der Stelle nachfragen.

Zugang und Ablehnungsgründe

Nach der Liste des Bundesamts für Justiz kann eine Verbraucherschlichtungsstelle einen Antrag ablehnen, unter anderem wenn:

  • die Streitigkeit nicht in ihre Zuständigkeit fällt,
  • der Anspruch nicht zuvor gegenüber dem Antragsgegner geltend gemacht wurde - der Bauherr muss sein Anliegen also zuerst schriftlich beim Unternehmen vorbringen,
  • der Antrag offensichtlich ohne Aussicht auf Erfolg ist oder mutwillig erscheint,
  • eine Verbraucherschlichtungsstelle den Streit bereits behandelt hat oder bei einer anderen anhängig ist,
  • ein Gericht schon eine Sachentscheidung getroffen hat oder die Sache dort anhängig ist, es sei denn, das Gericht ordnet das Ruhen im Hinblick auf das Schlichtungsverfahren an,
  • der Streitwert eine von der Stelle festgelegte Grenze über- oder unterschreitet.

Unterlagen, die jede Stelle braucht: Bauvertrag, Schriftwechsel mit der Gegenseite, Mängeldokumentation mit Fotos und Datum, konkret bezifferte Forderung. Die Stelle stellt fest, ob sie zuständig ist, und fragt die Gegenseite, ob sie teilnimmt.

Kosten

Für Verbraucher ist die Schlichtung an den genannten Stellen kostenlos oder kostet höchstens 30 Euro: Nach § 23 VSBG darf bei beteiligtem Unternehmer nur ein missbräuchlicher Antrag ein Entgelt von höchstens 30 Euro auslösen. Wer einen Sachverständigen oder Rechtsanwalt beauftragt, zahlt diese Kosten zusätzlich. Die Stellen berechnen dem Unternehmer ein Entgelt; bei der Universalschlichtungsstelle liegt es laut Liste je nach Streitwert zwischen 40 und 800 Euro, bei IVD-Mitgliedern ist das Verfahren am Ombudsmann kostenlos.

Kosten und Dauer eines Gerichtsverfahrens hängen vom Streitwert ab und lassen sich nicht pauschal beziffern; Gerichtskosten und Anwaltsvergütung folgen aus Streitwert und Instanzenzug.

Verjährung

Ein Antrag bei einer staatlich anerkannten Streitbeilegungsstelle hemmt die Verjährung, sobald die Bekanntgabe des Antrags veranlasst wird und der Antrag demnächst bekannt gegeben wird (§ 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB). Die Hemmung endet sechs Monate nach der anderweitigen Beendigung des Verfahrens (§ 204 Abs. 2 BGB); gerät das Verfahren in Stillstand, tritt an die Stelle der Beendigung die letzte Verfahrenshandlung. Die Zeit der Hemmung wird in die Verjährungsfrist nicht eingerechnet (§ 209 BGB). Ein Schlichtungsantrag ersetzt nicht die Anzeige des Mangels beim Unternehmen; die Mängelrüge bleibt der erste Schritt.

FAQ - Schlichtungsstellen für Bauherren

Muss der Bauunternehmer an der Schlichtung teilnehmen?
Nein, grundsätzlich entscheidet er selbst. Das Verfahren endet, wenn der Antragsgegner nicht teilnehmen oder nicht weitermachen will (§ 15 Abs. 2 VSBG). Der Ombudsmann Immobilien IVD/VPB wird bei Streit mit einem Bauunternehmen nur tätig, wenn das Unternehmen erklärt, am Verfahren teilzunehmen. Bei Unternehmen, die nicht teilnehmen, bleibt der Klageweg.
Ist das Ergebnis einer Schlichtung bindend?
Das hängt von der Stelle ab. Laut der Liste des Bundesamts für Justiz (Stand 29. September 2026) ist das Ergebnis beim Ombudsmann Immobilien IVD/VPB und bei der Verbraucherschlichtungsstelle für Architekten- und Ingenieurleistungen nicht verbindlich, bei der Universalschlichtungsstelle des Bundes nach Zustimmung beider Parteien und bei der Verbraucherschlichtungsstelle der Architektenkammer Niedersachsen nach Zustimmung einer oder beider Parteien. Jede Partei kann den Klageweg gehen, wenn es nicht zu einer Einigung kommt.
Hemmt ein Schlichtungsantrag die Verjährung?
Ein Antrag bei einer staatlich anerkannten Streitbeilegungsstelle hemmt die Verjährung, wenn die Bekanntgabe des Antrags veranlasst wird (§ 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB). Die Hemmung endet sechs Monate nach Beendigung des Verfahrens (§ 204 Abs. 2 BGB). Die Zeit der Hemmung zählt für die Verjährung nicht mit (§ 209 BGB). Wer knapp vor Fristende steht, klärt die Fristfrage vorab mit einem Rechtsanwalt.
Was kostet eine Schlichtung für den Verbraucher?
Nach § 23 VSBG darf der Verbraucher nur bei einem missbräuchlichen Antrag mit einem Entgelt von höchstens 30 Euro belastet werden. Laut der Liste des Bundesamts für Justiz ist das Verfahren am Ombudsmann Immobilien IVD/VPB für Verbraucher kostenlos, bei der Universalschlichtungsstelle fallen 30 Euro nur bei missbräuchlichem Antrag an, für die Architektenkammer Niedersachsen 30 Euro für Verbraucher und Unternehmer. Anwaltliche Vertretung und Sachverständige können zusätzliche Kosten verursachen.

Quellen: Bundesamt für Justiz: Liste der Verbraucherschlichtungsstellen (Stand 29. September 2026), § 23 VSBG, § 204 BGB, § 1 MediationsG.

Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung. Mehr über die Redaktion →