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Haustechnik

Homematic IP - deutsche Funk-Smart-Home-Plattform

Homematic IP von eQ-3 im Neubau und Bestand 2026: CCU3, Cloud-Steuerung, Komponenten-Programm und Vergleich mit Matter.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 15 Min Lesezeit
Smart-Home-Heizkörperthermostat an einem Heizkörper
Homematic IP punktet mit grossem deutschem Komponenten-Programm - Heizkörperthermostate sind die meist verkaufte Anwendung.
eQ-3
HerstellerLeer, Niedersachsen
200+
KomponentenHeizung, Licht, Sicherheit
868 MHz
Funk-FrequenzMesh-Topologie

eQ-3 Unternehmen

Die eQ-3 AG mit Sitz in Leer (Niedersachsen) ist Marktführer für Smart-Home in Deutschland. Eigene Forschung und Produktion, vertrieb über ELV, Conrad, Amazon, Eigen-Shop. Etabliert seit 1989, Smart-Home-Produkte seit 2007 (HomeMatic), aktuelle Homematic IP-Generation seit 2014.

Homematic vs. Homematic IP

  • Homematic (klassisch): Vorgänger-System, Funk auf 868 MHz, BidCoS-Protokoll, mit CCU2/CCU3 lokal steuerbar.
  • Homematic IP: aktuelle Generation, IPv6-basiert, mit CCU3 lokal oder Access Point in der Cloud.
  • Beide Systeme können parallel betrieben werden, neue Geräte sind primär Homematic IP.

CCU3 vs. Cloud-Steuerung

CCU3 (lokale Zentrale)

Die CCU3 ist die Smart-Home-Zentrale für lokale Steuerung. Alle Daten und Logik bleiben im Haus, kein Cloud-Zwang. Aktuelle Variante 2026: CCU3 mit aktualisierter Firmware.

  • Lokale Steuerung, hohe Datenschutz-Stufe.
  • Bedienung über Web-Oberfläche oder App.
  • Skript-basierte Programmierung in WebUI.
  • Externe Zugriffe über VPN möglich.

Homematic IP Access Point

Cloud-Steuerung über eQ-3-Server. Einfachere Einrichtung, App-Bedienung "Homematic IP".

  • Plug-and-Play-Einrichtung.
  • App-Bedienung von unterwegs ohne VPN.
  • Cloud-Abhängigkeit - bei eQ-3-Ausfall keine Steuerung.
  • Geringerer Funktionsumfang gegenüber CCU3.

Wann CCU3, wann Access Point?

  • CCU3: bei mittleren bis grossen Setups (15+ Geräte), Datenschutz-Bewusstsein, komplexer Logik, Tech-Affinität.
  • Access Point: bei kleinen Setups (5-15 Geräte), Plug-and-Play-Wunsch, einfacher Bedienung.

Komponenten-Programm

Heizung (stärkstes Programm)

  • Heizkörperthermostate Basic, Compact, Evo (Premium-Variante).
  • Wandthermostate mit Temperatur- und Feuchte-Sensor.
  • Fussbodenheizungs-Aktoren (12-Kanal-Verteiler).
  • Multi-IO-Box für Pufferspeicher-Steuerung.
  • Heizungs-Rauchmelder mit Wärmeerkennung.

Beleuchtung

  • Schalt-Mess-Aktor Steckdosen.
  • Dimmaktoren in Unterputz-Dose oder Schaltschrank.
  • Schaltaktoren für Beleuchtungs-Stromkreise.

Rollladen und Beschattung

  • Rollladen-Aktor Unterputz.
  • Markise-Aktor.
  • Wetterstation.

Sicherheit

  • Tür-/Fenster-Kontakte.
  • Bewegungsmelder Innen und Aussen.
  • Glasbruch-Sensor.
  • Rauchwarnmelder mit Q-Label.
  • Wassersensor.
  • Sirene mit Lichtsignal.
  • Kamera Innen und Aussen (über Cloud-Steuerung).

Tasten und Bedienung

  • Wandtaster (1-/2-/4-fach).
  • Fernbedienung 4 plus 8 Tasten.
  • Tür-/Fenstergriff-Sensor.

Gartens und Aussenbereich

  • Gartens-Bewässerungs-Steuerung.
  • Aussen-Bewegungsmelder.
  • Aussen-Steckdose.

Vergleich mit Matter 2026

AspektHomematic IPMatter
Hersteller-Politikgebunden (eQ-3)offen (CSA)
Funk-Protokoll868 MHz proprietärThread, WiFi, BLE
Lokale Steuerungja (CCU3)ja (Matter Standard)
Komponenten-Vielfalt200+ proprietär200+ herstellerübergreifend
Heizungs-Komponentensehr starkwachsend
Apple HomeKitüber Plugin / Brückenativ
Google Homenativnativ
Datenschutzgut (lokal mit CCU3)gut (lokal grundsätzlich)
Zukunftssicherheitmittel (eQ-3 abhängig)hoch (Standard)

Migration Homematic IP nach Matter

eQ-3 hat 2024 angekündigt, ausgewählte Homematic-IP-Geräte mit Matter-Bridge-Funktion zu erweitern. CCU3 als Brücke zwischen Homematic-IP-Funk und Matter-Plattformen. Im April 2026 in Roll-out.

Einsatz im Neubau und Bestand

Im Neubau

Im Neubau 2026 ist Homematic IP nicht erste Wahl als Hauptsystem - Bus (KNX/Loxone) ist überlegen. Sinnvoll als Funk-Ergänzung oder bei Spar-Setups ohne Bus-Vorrüstung.

  • Heizungs-Einzelraumregelung in Räumen ohne Bus-Verkabelung.
  • Tür-/Fenster-Sensoren als Sicherheits-Erweiterung.
  • Aussen-Bewegungsmelder ohne Verkabelungs-Aufwand.
  • Punktuelle Smart-Plugs für Reserve-Steckdosen.

Im Bestand

Im Bestand ist Homematic IP eine solide Wahl für Funk-Smart-Home. Voll-Setup ohne Renovierung mit 50-150 Geräten möglich.

  • Heizungs-Optimierung mit Heizkörperthermostaten plus Wandthermostaten.
  • Sicherheits-Setup mit Tür-/Fenster-Sensoren plus Sirene.
  • Beleuchtungs-Steuerung über Schaltaktoren in Unterputz-Dosen.
  • Rollladen-Steuerung mit Funk-Aktoren.

Kosten 2026 im Detail

SetupKomponentenKosten netto
Heizung-EinzelraumregelungCCU3 + 6 Heizkörperthermostate + 4 Wandthermostate800-1.500 €
Mittleres Setupplus 8 Tür-/Fenster-Kontakte + 4 Bewegungsmelder + 4 Smart-Plugs + Sirene2.000-4.000 €
Voll-Setupplus Rollladen-Aktoren in 8 Räumen + 4 Schaltaktoren + Wetterstation5.000-10.000 €
Premium-Setup mit Aussenplus Aussen-Sensoren + 2 Kameras + Multi-IO-Box10.000-15.000 €

Beispiel-Setup 140 m² EFH

CCU3 + 8 Heizkörperthermostate + 4 Wandthermostate (FBH) + 12 Tür-/Fenster-Kontakte + 4 Bewegungsmelder + 6 Rollladen-Aktoren + 2 Sirenen + 4 Smart-Plugs + Wetterstation = ca. 5.500-8.000 Euro netto.

Programmierung mit CCU3

WebUI

Die CCU3 bietet eine Web-Oberfläche im Browser - per IP-Adresse aufrufbar. Programmierung über Skripte (TCL-basiert) oder über die einfachere Programm-Konfiguration.

Programme und Direktverknüpfung

  • Direktverknüpfung: ein Sensor schaltet einen Aktor direkt - schnell, ohne CCU-Logik.
  • Programme: komplexe Logik mit Bedingungen, Zeitsteuerung, Variablen.
  • Skripte: für Profi-Anwendungen mit TCL-Sprache.

Hub-Software-Anbindung

  • Home Assistant über homematic_ip oder homematic Komponente.
  • openHAB über homematic Binding.
  • ioBroker über homematic Adapter.

Häufige Fehler bei Homematic IP

  • Falsche Zentrale (Access Point statt CCU3 bei grossem Setup). Access Point ist auf einfache Setups beschränkt.
  • Funk-Reichweite überschätzt. Mesh ist gut, aber dicke Wände dämpfen 868 MHz.
  • Heizkörperthermostate ohne Wandthermostate. Das Thermostat misst Temperatur am Heizkörper - die ist nicht Raum-Temperatur. Wandthermostat als Master ist Pflicht.
  • Kein Update-Plan. CCU3-Firmware sollte alle 6-12 Monate aktualisiert werden.
  • Kein Backup der CCU3-Konfiguration. Bei Defekt verloren - regelmässig sichern.
  • Cloud-Abhängigkeit beim Access Point ignoriert. Bei Internet-Ausfall keine Steuerung.
  • Im Neubau Funk statt Bus gewählt. Wer im Neubau auf Bus verzichtet, lässt sich Optionen entgehen.
  • Komponenten klassisch und IP gemischt. Nicht zwingend ein Fehler, aber Konfigurations-Komplexität steigt.

Checkliste Homematic IP

  • Setup-Grösse abschätzen: klein (Access Point) oder mittel-gross (CCU3).
  • CCU3 oder Access Point gewählt mit Begründung.
  • Komponenten-Liste passend zum Pflichtenheft.
  • Funk-Reichweite vor Inbetriebnahme prüfen.
  • Heizungs-Setup mit Wand- und Heizkörperthermostat-Kombination.
  • Backup-Strategie für CCU3-Konfiguration.
  • Update-Plan für Firmware.
  • Bei Bedarf Hub-Software (Home Assistant) als Brücke.

CCU3 im Detail

Die CCU3 ist das Hauptgerät für lokale Steuerung. Sie wird per Ethernet ans Heimnetz angebunden und steuert alle Homematic-IP-Geräte über 868 MHz Funk.

CCU3-Spezifikationen

  • ARM-Prozessor mit Linux-Betriebssystem.
  • Bis zu 200 Geräte verwaltbar.
  • Ethernet-Anschluss 100 Mbit.
  • USB-Port für externe Speicher und Updates.
  • SD-Karte mit Konfiguration.

WebUI-Programmierung

Die CCU3 wird über Web-Browser konfiguriert. Hauptbereiche:

  • Räume und Gewerke: Geräte gruppieren.
  • Programme: Wenn-Dann-Regeln mit Bedingungen.
  • Direktverknüpfungen: Sensor zu Aktor ohne CCU-Logik.
  • Variablen: für komplexe Logik.
  • Skripte: TCL-basierte Custom-Logik.
  • Diagramme: Verbrauchs- und Temperatur-Verlauf.

Heizungs-Anwendung im Detail

Heizungs-Steuerung ist die meistgenutzte Homematic-IP-Anwendung. Klassisches Setup für 4-Zimmer-Wohnung:

  • Wandthermostat als Master pro Raum (misst Raum-Temperatur).
  • Heizkörperthermostat oder FBH-Aktor an Heizung.
  • Fenster-Tür-Sensor für Lüft-Erkennung (Heizung pausiert).
  • Zeitprogramm pro Raum: Tag, Nacht, Abwesend.

Wirtschaftlichkeit Heizungs-Steuerung

Optimierte Einzelraum-Heizungsregelung spart 8-15 Prozent Heizenergie. Bei 4-Zimmer-Wohnung mit 2.500 Liter Öl-/2.500 m³ Gas-Verbrauch: Ersparnis 200-400 Euro pro Jahr. Investition Heizungs-Setup 800-1.500 Euro - Amortisation 3-7 Jahre.

Sicherheits-Setup mit Homematic IP

Homematic IP bietet umfassendes Sicherheits-Setup, ist aber nicht VdS-zertifiziert für Versicherungs-Anerkennung als Alarmanlage.

  • Tür-/Fenster-Sensoren in allen erdgeschossigen Öffnungen.
  • Bewegungsmelder Innen.
  • Aussen-Bewegungsmelder.
  • Sirene Innen mit Lichtsignal.
  • Q-Label-Rauchwarnmelder vernetzt.
  • Wassersensor in HWR und Bad.
  • Push-Benachrichtigung an Smartphone.

Hub-Software-Anbindung

Bei Hybrid-Setup mit anderen Smart-Home-Systemen verbindet Hub-Software die Welten:

  • Home Assistant: homematic_ip-Komponente, gut integriert.
  • openHAB: homematic-Binding, lange etabliert.
  • ioBroker: homematic-Adapter, deutsche Community-Favorit.

Vorteile Hub-Anbindung

  • Komplexere Logik als CCU3-WebUI erlaubt.
  • Anbindung an Apple HomeKit, Google Home über Hub.
  • Externe Datenquellen (Wetter, Strompreis) einbinden.
  • Visualisierung mit Lovelace oder Grafana.

Homematic IP Zukunft 2026-2030

  • Matter-Brücke geplant - bestehende Geräte werden Matter-fähig.
  • Erweiterte Energie-Management-Funktionen.
  • Cloud-Optimierungen mit KI-Vorhersage.
  • Wettbewerbsdruck durch Matter steigt.

Komponenten-Detailliste 2026

Heizung

  • Heizkörperthermostat Basic: Standard-Variante, ca. 50 Euro.
  • Heizkörperthermostat Compact: kleinere Bauform, 60 Euro.
  • Heizkörperthermostat Evo: Premium mit Display, 80-100 Euro.
  • Wandthermostat: als Master pro Raum, 70-90 Euro.
  • Fussbodenheizungs-Aktor 12-Kanal: für FBH-Verteiler, 250-350 Euro.
  • Multi-IO-Box: für Pufferspeicher-Steuerung, 80-120 Euro.

Sicherheit

  • Tür-/Fenster-Kontakt: Magnetkontakt, ca. 30 Euro.
  • Tür-/Fenster-Sensor optisch: ohne Magnete, 50 Euro.
  • Bewegungsmelder Innen: 60 Euro.
  • Bewegungsmelder Aussen: 90 Euro.
  • Glasbruch-Sensor: 60 Euro.
  • Q-Label-Rauchwarnmelder: 60 Euro.
  • Wassersensor: 35 Euro.
  • Sirene Innen mit Lichtsignal: 80 Euro.

Beleuchtung

  • Schalt-Mess-Steckdose: 40-50 Euro.
  • Dimmaktor Unterputz: 70 Euro.
  • Schaltaktor Unterputz: 50 Euro.

Bedienung

  • Wandtaster 1-/2-/4-fach: 50-100 Euro.
  • Fernbedienung 8-fach: 60 Euro.
  • Tür-/Fenster-Griffsensor: 50 Euro.

Cloud-Modus vs. lokal

Cloud-Modus mit Access Point

  • Plug-and-Play, App "Homematic IP" auf Smartphone.
  • Daten bei eQ-3 in Cloud.
  • Bei Internet-Ausfall keine Steuerung möglich.
  • Update-Pflicht.
  • Empfohlen für kleine Setups.

Lokal mit CCU3

  • Daten bleiben im Haus.
  • Web- und App-Bedienung.
  • Bei Internet-Ausfall lokal funktional.
  • Skript-basierte Programmierung möglich.
  • Empfohlen für mittlere bis grosse Setups.

FAQ - Homematic IP

Was ist Homematic IP?
Homematic IP ist die Funk-Smart-Home-Plattform von eQ-3 (Leer, Niedersachsen) - dem Marktführer für Smart-Home in Deutschland. Funk auf 868 MHz mit Mesh-Topologie, lokale Steuerung über CCU3-Zentrale oder Cloud-Steuerung über Homematic IP Access Point. Über 200 Komponenten verfügbar.
CCU3 oder Homematic IP Access Point?
CCU3 ist die lokale Zentrale - alle Steuerung läuft im Haus, kein Cloud-Zwang. Homematic IP Access Point ist Cloud-Steuerung über eQ-3-Server. CCU3 ist datenschutz-freundlicher und schneller, Access Point ist einfacher einzurichten. Bei mittleren bis grossen Setups CCU3, bei kleinen Setups (5-10 Geräte) Access Point.
Homematic IP oder Matter?
Homematic IP ist hersteller-gebunden (eQ-3) mit grossem deutschem Komponenten-Programm. Matter ist herstelleroffen mit globaler Anbieter-Vielfalt. Im Neubau 2026 ist Matter zukunftssicherer - im Bestand mit vorhandener Homematic-IP-Sammlung lohnt der Wechsel oft nicht.
Was kostet Homematic IP im 140 m² EFH?
Funk-Voll-Setup (Heizung, Beleuchtung, Rollladen, Sicherheit) 5.000-12.000 Euro. Mittlere Erweiterung (Heizung, Sicherheit, einige Smart-Plugs) 2.000-5.000 Euro. Punktuelle Anwendung (Heizung-Einzelraumregelung) 800-2.000 Euro.
Lohnt sich Homematic IP im Neubau?
Im Neubau lohnt sich primär Bus-System (KNX, Loxone). Homematic IP ist eher Bestand-Lösung oder als Funk-Ergänzung an Stellen ohne Bus-Verkabelung. Im reinen Funk-Neubau-Setup ist 2026 Matter zukunftssicherer als Homematic IP.
Hausbau Journal Redaktion

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