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Glossar

Weiße Wanne

Was bedeutet Weiße Wanne beim Hausbau?

Bodenplatte und Wände müssen als ein System funktionieren. Am Anfang steht das Baugrundgutachten: Es liefert den Bemessungswasserstand, die Art der Wassereinwirkung und eine mögliche chemische Aggressivität von Boden oder Grundwasser. Darauf bauen Planer ein WU-Konzept auf, das alle Beteiligten kennen: Nutzungsanforderung, Entwurfsgrundsatz, Bauteildicken, Fugenplan, Bewehrung, Durchdringungen und die Abdichtung unplanmäßiger Risse.

Beanspruchungsklasse und Nutzungsklasse

Die Richtlinie legt zwei Größen getrennt fest:

KlasseBedeutung
Beanspruchungsklasse 1Ständig oder zeitweise drückendes Wasser, das hydrostatischen Druck ausübt
Beanspruchungsklasse 2Bodenfeuchte beziehungsweise kapillar im Boden gebundenes Wasser, an der Wand ablaufendes Wasser
Nutzungsklasse AHochwertige Nutzung: kein Wasserdurchtritt in flüssiger Form, keine Feuchtstellen auf der Bauteiloberfläche (zum Beispiel Wohnräume)
Nutzungsklasse BFeuchtetolerante Nutzung: Feuchtstellen an Trennrissen, Sollrissquerschnitten und Fugen sind zulässig (zum Beispiel Tiefgaragen)

Diese Klassen sind nicht die Wassereinwirkungsklassen W1-E bis W4-E; diese gehören zur Abdichtung nach DIN 18533.

Entwurfsgrundsätze

  • a) Rissvermeidung: Trennrisse werden durch konstruktive, betontechnische und baupraktische Maßnahmen vermieden.
  • b) Rissbreitenbegrenzung: Risse bleiben so schmal, dass sie sich selbst schließen. Dieser Grundsatz ist nur für Nutzungsklasse B anwendbar.
  • c) Planmäßige Abdichtung einzelner Risse: Einzelne Risse bestimmter Breite werden zugelassen und planmäßig abgedichtet.

Für Wohnkeller (Nutzungsklasse A) scheidet Grundsatz b damit aus. Zusätzlich ist in allen Fällen die Abdichtung unplanmäßiger Risse mitzuplanen.

Kritische Stellen und was dort zu entscheiden ist

StellePlanungsentscheidung
Arbeitsfuge Bodenplatte/WandAbdichtung durch Fugenband, Fugenblech oder Injektion; fachgerechte Ausführung ist für die Dichtheit entscheidend
DehnfugeMöglichst vermeiden; wo nötig mit Dehnfugenband mit Mittelschlauch
Scheinfuge (Sollrissfuge)Kerbe dort, wo im jungen Beton Risse zu erwarten sind; Schwächung mindestens ein Drittel der Bauteildicke
Rohr- und LeitungsdurchführungenNur rechtwinklig durch das Bauteil; Mantelrohr, Kernbohrung mit Dichteinsatz oder Flanschrohr mit Dichtflansch
SchalungsankerNur rechtwinklig durch das Bauteil; Dichtigkeit des Ankerbereichs ist Teil des Konzepts
Betonieren und VerdichtenBetonierabschnitte und Nachbehandlung im Konzept festlegen; bei Rüttelbeton bereits verdichtete Schichten nochmals durchdringen

Bauteildicken folgen der Statik und der gewählten Fugenabdichtung; mit innenliegender Fugenabdichtung in Beanspruchungsklasse 1 können sich größere Mindestdicken ergeben. Einzelne Zahlen wie Betonfestigkeitsklasse oder Wasserzementwert ersetzen weder dieses Konzept noch einen Nachweis der Dichtheit.

Weiße Wanne oder Abdichtung?

Beide Wege kommen bei Bodenfeuchte und bei drückendem Wasser in Frage. Die Systemwahl hängt von Beanspruchung (Bemessungswasserstand, Wasserart), Nutzung, der Möglichkeit, Rissbreiten und Fugen sicher zu beherrschen, und vom Planungs- und Überwachungsaufwand ab. Bei mehr als 3 m Eintauchtiefe (W2.2-E) beschreibt ein Hersteller eine Abdichtung nur „in Anlehnung an DIN 18533“ als schriftlich zu vereinbarende Abweichung; für diesen Fall ist die WU-Konstruktion ein naheliegender, aber im Einzelfall zu prüfender Weg. Ein Keller ist nicht deshalb dicht, weil er „weiß“ heißt: Fehler in Fugen oder Durchdringungen zeigen sich erst nach dem Verfüllen der Baugrube.

Beispiel

Das Baugrundgutachten nennt einen höchsten Grundwasserstand von 1,5 m unter Geländeoberkante, die Unterkante der Bodenplatte liegt 2,8 m unter Geländeoberkante: 1,3 m Wasserdruckhöhe. Das ist Beanspruchungsklasse 1. Wird der Keller als Wohnraum genutzt, gilt Nutzungsklasse A, also Entwurfsgrundsatz a oder c. Der Tragwerksplaner legt Dicken, Bewehrung und den Nachweis gegen Auftrieb fest, das WU-Konzept den Fugenplan und die Durchdringungen. Bevor betoniert wird, prüfen Bauherr und Bauleitung, ob Fugenbänder, Durchführungen und Betonierabschnitte dem Plan entsprechen.

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