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Regenwasserzisterne 2026: Wasser sammeln und Kosten senken

Erdtank, Flachtank oder oberirdisch - welche Größe sinnvoll ist, was es kostet und wie die Förderung läuft.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 8 Min Lesezeit
Regenwasserzisterne
Erdtank, Flachtank oder oberirdisch - welche Größe sinnvoll ist, was es kostet und wie die Förderung läuft.
1.500-10.000€je nach Größe
3.000-5.000Lhäufigste Haushaltsgröße
4-8 JahreAmortisation
kommunale Förderungvielerorts möglich

Zisternen-Typen

Erdtank (eingegraben): Kunststofftank (PE oder GFK), im Boden vergraben. Frostgeschützt, platzsparend, Wasser bleibt kühl und algenfrei. Aufwendigerer Einbau (Baggerarbeit nötig). Geeignet für alle Klimazonen. Volumen: 1.500-15.000 Liter. Beliebteste Variante für private Gärten.

Flachtank (Erdtank mit niedriger Bauhöhe): Breiter und flacher als normaler Erdtank. Ideal wenn Einbautiefe begrenzt (Hochgrundwasser, flache Bodenplatte). Volumen pro Höheneinheit geringer als runder Tank.

Oberirdischer Regenwassertank: Regenfass (100-300L) oder größerer Tank. Günstig, kein Einbau nötig, aber frostsicherung nötig im Winter (leeren oder isolieren). Für kleine Bewässerungsmengen ausreichend. Preis: 50-400€.

Modulare Erdtanks: Aus mehreren Elementen zusammengesetzt. Kann durch Zukauf von Modulen erweitert werden. Gut bei unsicherer Planung der benötigten Kapazität.

Volumen berechnen

Berechnung des Jahresertrags: Dachfläche (m²) × Jahresregenmenge (mm) × Abflussbeiwert (0,85 für Ziegeldach, 0,9 für Flachdach) = Liter/Jahr

Beispiel: 100m² Dach, 700mm/Jahr, Ziegeldach: 100 × 700 × 0,85 = 59.500 Liter/Jahr

Nutzbare Menge: Abzug für Überlauf (Tank läuft voll) und Winterpause ≈ 40-50% der Gesamtmenge. Also ca. 24.000-30.000 Liter nutzbar.

Praktische Zisternen-Dimensionierung: Wochenbedarf Hochsommer × 4-6 = Puffergröße. Bei 500 Liter/Woche: 2.000-3.000 Liter Zisterne ausreichend als Puffer zwischen Regenereignissen.

Förderung und Steuer

Förderung ist Ländersache und Kommunalsache. Mögliche Förderformen:

  • Investitionszuschuss: 200-1.500€ direkt auf die Zisterne, von Stadtwerken oder Gemeinden
  • Abwassergebühren-Rabatt: Wer nachweist, dass Regenwasser nicht in Kanalisation fließt, zahlt weniger gesplitterte Abwassergebühr
  • Niederschlagswassergebühr: In Kommunen mit gesplitteter Abwassergebühr spart ein Regenwassertank jährlich 50-200€

Steuerlich: Bei Eigenheimnutzung keine steuerliche Absetzbarkeit. Bei vermieteten Immobilien oder wenn das Regenwasser auch für Gewerbe genutzt wird: teilweise als Betriebsausgabe absetzbar. Steuerberater befragen.

Einbau und Anschluss

Einbautiefe: Oberkante Tank 30-50cm unter Bodenoberkante (für Überfahrsicherheit). Zugang über Schachtring (DN400 oder DN600) mit Deckel. Einbau durch Gartenbaufirma oder Tiefbauer.

Zulauf: Regenablaufrohr vom Fallrohr des Dachs über Vorfilter in den Tank. Vorfilter (Selbstreinigungsfilter) fängt Laub und Grobschmutz - Pflege 2× jährlich. Überlauf-Anschluss in Kanalisation oder Versickerungsmulde.

Entnahme: Tauchpumpe im Tank oder externe Druckpumpe. Automatische Pumpen mit Druckschalter (Gardena, Grundfos). Für automatische Bewässerungsanlage: Anschluss direkt an Zentralsteuerung. Winterschutz: Pumpe und Leitungen entleeren (unter Frostlinie nötig, ca. 80-100cm Tiefe).

Kosten 2026

Variante Volumen Kosten eingebaut
Oberirdisches Regenfass 300-500L 100-300€
Erdtank PE, klein 1.500L 800-1.500€
Erdtank PE, Standard 3.000L 1.500-2.500€
Erdtank PE, groß 5.000L 2.500-4.000€
Betonzisterne (individuell) 10.000L+ 5.000-12.000€

Wirtschaftlichkeit und Amortisation

Eine Zisterne ist eine Investition - die Frage ist, wie schnell sie sich rechnet. Beispielrechnung für ein typisches Einfamilienhaus:

  • Annahmen: 100 m² Dachfläche, 700 mm Jahresniederschlag, 5.000-Liter-Erdtank für reine Gartenbewässerung. Wasserpreis 4 €/m³, Schmutzwassergebühr 3 €/m³.
  • Investition: 5.000-Liter-Betontank inkl. Einbau, Pumpe, Filter, Anschluss: 4.500-7.000 €. Eigenleistung beim Erdaushub spart ca. 800-1.500 €.
  • Wassersparpotential: Garten bewässerung 60-100 m³/Jahr, plus eventuell Toilettenspülung 15-25 m³/Jahr (bei Hauseinbindung). Insgesamt 60-125 m³/Jahr.
  • Wassersparen pro Jahr: 60 m³ × 4 €/m³ Trinkwasser = 240 €. Plus eventuell reduzierte Niederschlagswasser-Gebühr (manche Kommunen 0,80-1,50 €/m² Dachfläche pro Jahr): 80-150 € ersparnis.
  • Gesamtersparnis pro Jahr: 200-400 € bei reiner Gartenbewässerung, 350-600 € bei kombinierter Garten + Toilettenspülung.
  • Amortisation: 12-25 Jahre bei reiner Gartennutzung, 8-15 Jahre bei kombinierter Nutzung.
  • Nicht-monetäre Vorteile: bei Wasserknappheit (Sommer-Garten-Wasserverbote) ist die Zisterne unabhängig vom kommunalen Wassermangel. Für Garten mit empfindlichen Pflanzen ist Regenwasser besser geeignet als Leitungswasser (kein Kalk, weicher).

Eine Zisterne lohnt sich also vor allem für Bauherren mit langem Planungshorizont (15+ Jahre Wohnzeit), grossem Garten und Bereitschaft zur Eigenleistung beim Einbau. Bei reiner Wirtschaftlichkeit ist eine kleine 1.500-3.000-Liter-Variante mit Pumpe (1.000-2.500 € Gesamt) oft das beste Verhältnis.

Pflege und Hygiene

Eine Zisterne ist langlebig, braucht aber regelmässige Pflege:

  • Filter reinigen: Vorfilter (Wirbel- oder Patronenfilter) alle 2-3 Monate kontrollieren, bei Bedarf reinigen oder austauschen. Verstopfter Filter führt zu Wasserverlust durch Überlauf statt Speicherung.
  • Pumpe prüfen: jährliche Sichtkontrolle, Druckschalter-Funktion testen. Bei Tauchpumpen: alle 5-7 Jahre Verschleisswartung beim Hersteller. Pumpenausfall kostet 200-600 € Ersatz.
  • Zisterne reinigen: alle 5-10 Jahre Komplettreinigung. Tank entleeren, Schlamm und Sediment am Boden entfernen, Wände abspülen. Eigenarbeit oder Fachfirma 200-500 €.
  • Schmutzfänger im Fallrohr: Laubsiebe jährlich vor Herbst und im Frühling reinigen. Verstopfte Siebe führen zu Wasser-Überlauf am Dach.
  • Frostschutz: Erdtanks unterhalb der Frostgrenze (80-100 cm) sind frostsicher. Aufgesetzte Pumpen müssen vor Wintereinbruch entleert werden, sonst Frostschaden.
  • Hygiene: Regenwasser entwickelt nach längerer Standzeit (mehrere Wochen ohne Nachfluss) Schwefelwasserstoff-Geruch. Im Sommer durch regelmässige Nutzung kein Problem, im Winter durch Frischwasser-Überlauf gespült. Bei Geruch: Belüftung der Zisterne mit Lufthebeleitung verbessern.
  • Anzeigetechnik: Füllstandsanzeige (mechanisch oder elektronisch) ist sinnvoll, kostet 50-200 €. Sonst läuft die Pumpe trocken bei niedrigem Pegel und kann beschädigt werden.

Häufige Fragen zur Regenwasserzisterne

Welche Zisternengröße brauche ich?

Faustformel: Dachfläche (m²) × Niederschlag (mm/Jahr, in D/AT meist 600-900mm) × 0,85 (Verluste) ÷ 12 Monate × Monatsbedarf. Für Gartenbewässerung: ca. 50-100 Liter/Tag in der Saison (Mai-September). Für ein Einfamilienhaus mit 100m² Dach und 700mm Niederschlag: Ertrag ca. 60.000 L/Jahr, davon aber nur 40% nutzbar (Überlauf, Winterpause). Praktische Faustformel: Wochenbedarf × 4-6 = sinnvolle Zisternengröße. Häufigste Wahl: 3.000-5.000 Liter.

Wird Regenwassernutzung gefördert?

Ja, in vielen Kommunen gibt es Förderung. Programme variieren stark: manche Gemeinden zahlen 500-1.500€ Zuschuss, andere gewähren Abwassergebühren-Reduktion (weil weniger Regenwasser in die Kanalisation fließt). Bundesweit gibt es keine einheitliche Regelung. Beim zuständigen Stadtwerk oder der Gemeindeverwaltung nachfragen. In manchen Bundesländern gibt es auch Förderprogramme für Dachbegrünung + Zisterne kombiniert.

Kann man Regenwasser aus der Zisterne im Haus nutzen?

Ja, aber mit Aufwand. Regenwasser darf in Deutschland für Toilettenspülung, Waschmaschine und Gartenbewässerung genutzt werden - aber nicht als Trinkwasser und nicht fürs Kochen. Hausinstallation für Regenwassernutzung im Haus: getrennte Leitungen nötig, Druckerhöhungsanlage, Trinkwasser-Notversorgung. Genehmigungspflichtig beim lokalen Wasserversorger anmelden. Investition: 2.000-5.000€ für Inneninstallation zusätzlich zur Zisterne.

Hausbau Journal Redaktion

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