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Gartenhaus Genehmigung: alle Bundesländer

Von 10 m² in Berlin bis 75 m³ in Bayern: Die Freigrenzen für Gartenhäuser unterscheiden sich in Maß und Einheit, und der Außenbereich ist fast überall ausgenommen.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 20. Oktober 2026 9 Min Lesezeit
Genehmigung
Gartenhaus: Freigrenze je nach Land in Quadratmetern oder Kubikmetern.
10 m²kleinste FreigrenzeBE, HB, ST
75 m³größte FreigrenzeBY, BB, NI, NW, SL, SN
keine Fristfür Beseitigungsanordnungenz. B. Art. 76 BayBO

Entscheidungsablauf in fünf Schritten

  1. Standort: Liegt das Grundstück im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, im unbeplanten Innenbereich oder im Außenbereich? Im Außenbereich gelten in fast allen Ländern kleinere oder gar keine Freigrenzen.
  2. Bebauungsplan: Erlaubt er Nebengebäude an dieser Stelle, gibt es Vorgaben zu Größe, Dach oder Material? Das gilt auch für verfahrensfreie Gebäude.
  3. Nutzung: Lager und Gerätehaus oder Raum zum Aufenthalt, mit Toilette oder Ofen? Mit Aufenthaltsraum, Toilette oder Feuerstätte entfällt die Freistellung in den meisten Ländern.
  4. Größe: Freigrenze des Landes, gemessen in der Einheit, die die Landesbauordnung vorgibt: Kubikmeter Rauminhalt oder Quadratmeter Grundfläche.
  5. Grenze: Soll das Gartenhaus an die Grenze oder in die Abstandsfläche, gelten die Grenzbau-Regeln des Landes.

Bleiben Zweifel, gibt die untere Bauaufsichtsbehörde Auskunft: in kreisfreien Städten die Stadt, sonst meist das Landratsamt bzw. die Kreisverwaltung.

Länder-Übersicht: verfahrensfreie Gebäude

LandVorschriftFreigrenzeVoraussetzungAußenbereich
Baden-WürttembergAnhang 1 Nr. 1 a LBO40 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsräume, Toiletten, Feuerstätten20 m³
BayernArt. 57 Abs. 1 Nr. 1 a BayBO75 m³ Brutto-RauminhaltGebäude allgemein20 m³, nur ohne Aufenthaltsräume, Toiletten, Feuerstätten
Berlin§ 61 Abs. 1 Nr. 1 a BauO Bln10 m² Brutto-Grundflächeeingeschossignicht verfahrensfrei
Brandenburg§ 61 Abs. 2 Nr. 1 a BbgBO75 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsräume, Toiletten, Feuerstättennicht verfahrensfrei
Bremen§ 61 Abs. 1 Nr. 1 a BremLBO10 m² BGF; Gartengerätehäuser 12 m² BGFeingeschossignicht verfahrensfrei
HamburgAnlage zu § 61, I Nr. 1 a HBauO30 m³ Brutto-Rauminhaltein eingeschossiges Gebäude ohne Aufenthaltsräume je Hauptgebäudenicht verfahrensfrei
HessenAnlage zu § 63, I Nr. 1.1 HBO30 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsraum, Toilette, Feuerstättekeine Außenbereichsklausel im Wortlaut
Mecklenburg-Vorpommern§ 61 Abs. 1 Nr. 1 b LBauO M-V40 m² BGF, mittl. Wandhöhe 3 mohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten (sonst Nr. 1 a: 10 m²)nicht verfahrensfrei
NiedersachsenAnhang zu § 60 Nr. 1.1 NBauO75 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsräume, Toiletten, Feuerstätten40 m³
Nordrhein-Westfalen§ 62 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 a BauO NRW75 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsräume, Ställe, Toiletten, Feuerstättennur für land- oder forstwirtschaftliche Betriebe
Rheinland-Pfalz§ 62 Abs. 1 Nr. 1 a LBauO50 m³ umbauter Raumohne Aufenthaltsräume, Toiletten, Feuerstätten; nicht an Kulturdenkmälern10 m³
Saarland§ 61 Abs. 1 Nr. 1 a LBO75 m³ Brutto-Rauminhalteingeschossignicht verfahrensfrei
Sachsen§ 61 Abs. 1 Nr. 1 a SächsBO75 m³ Brutto-RauminhaltGebäude allgemeinnicht verfahrensfrei
Sachsen-Anhalt§ 60 Abs. 1 Nr. 1 a BauO LSA10 m² Grundflächeeingeschossignicht verfahrensfrei
Schleswig-Holstein§ 61 Abs. 1 Nr. 1 a LBO30 m³ Brutto-Rauminhaltohne Aufenthaltsraum, Toilette, Feuerstätte10 m³
Thüringen§ 63 Abs. 1 Nr. 1 a ThürBO30 m² Grundflächeeingeschossig; seit 24.07.2026 (vorher 10 m²)nicht verfahrensfrei

Stand: geltende Fassungen laut amtlichen Landesrechtsportalen, abgerufen am 20.10.2026. Für Bremen ist eine Novelle der Landesbauordnung ab 01.01.2027 angekündigt. Verkaufs- und Ausstellungsgebäude sind in den meisten Ländern ausgenommen. Örtliche Satzungen und Bebauungspläne können strengere Vorgaben machen.

Rechenbeispiel Rauminhalt: Ein Gartenhaus mit 3,00 × 4,00 m Außenmaß, 2,20 m Wandhöhe und Satteldach mit 0,80 m Firsthöhe über der Traufe hat 3 × 4 × 2,20 + 3 × 4 × 0,80 / 2 = 26,4 + 4,8 = 31,2 m³ Brutto-Rauminhalt. Das liegt unter 40 m³ (Baden-Württemberg) und 75 m³ (zum Beispiel NRW), aber über 30 m³ (Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein). In Berlin oder Sachsen-Anhalt scheitert es an der Grundfläche von 12 m².

Nutzung entscheidet mit

Die meisten Länder stellen nur Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten und Feuerstätten frei. Wer im Gartenhaus ein Büro, ein Gästezimmer, ein WC oder einen Holzofen plant, verlässt diesen Tatbestand und braucht in der Regel ein Verfahren. Bayern, Sachsen und das Saarland nennen bei der allgemeinen Freigrenze keine solche Einschränkung; auch dort bleiben die übrigen Anforderungen an Aufenthaltsräume und Feuerstätten bestehen.

Abstandsflächen und Grenzbebauung

Ein Gartenhaus ist ein Gebäude und braucht grundsätzlich Abstandsflächen, meist 0,4 H und mindestens 3 m, in Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen mindestens 2,50 m. In allen Ländern dürfen Gebäude ohne Aufenthaltsräume aber unter Bedingungen ohne eigene Abstandsfläche an der Grenze stehen, meist bis 3 m mittlere Wandhöhe, 9 m je Grenze und 15 oder 18 m Gesamtlänge zusammen mit Garagen und Carports. Abweichend begrenzen NRW (§ 6 Abs. 8) und das Saarland (§ 8 Abs. 2 Nr. 4) solche Nebengebäude zusätzlich auf 30 m³. Die Grenzbau-Regeln aller Länder: Carport-Genehmigung.

Schwarzbau: Was Zeitablauf ändert und was nicht

Die verbreitete Annahme, nach fünf unauffälligen Jahren sei ein Schwarzbau sicher, vermischt drei verschiedene Dinge:

  • Behördliches Einschreiten: Die Bauaufsicht kann die Beseitigung einer rechtswidrig errichteten Anlage anordnen, wenn sich rechtmäßige Zustände nicht anders herstellen lassen, die Nutzung untersagen oder einen Bauantrag verlangen. Art. 76 BayBO etwa nennt dafür keine Frist.
  • Bußgeld: Was verjährt, ist die Verfolgung als Ordnungswidrigkeit. Nach § 31 OWiG richtet sich die Frist nach dem Bußgeldrahmen, bei einem Höchstmaß über 15.000 Euro sind es drei Jahre ab Abschluss der Handlung. Bayern droht für das Errichten ohne erforderliche Genehmigung bis 500.000 Euro an (Art. 79 BayBO). Die Verjährung des Bußgelds legalisiert das Gebäude nicht.
  • Bestandsschutz: Ob ein älteres Gebäude bleiben darf, hängt davon ab, ob es rechtmäßig errichtet wurde, also mit Genehmigung oder als damals verfahrensfreies und zulässiges Vorhaben. Das prüft die Bauaufsicht im Einzelfall; der bloße Zeitablauf ersetzt diesen Nachweis nicht.

Daneben stehen zivilrechtliche Ansprüche des Nachbarn mit eigenen Fristen. Wer unsicher ist, ob ein vorhandenes Gartenhaus genehmigt oder verfahrensfrei war, fragt bei der Bauaufsicht nach der Bauakte.

Wenn doch ein Antrag nötig ist

Über der Freigrenze, im Außenbereich oder mit Aufenthaltsraum folgt das Verfahren der Landesbauordnung, für ein Gartenhaus meist das vereinfachte Verfahren. Üblich sind Lageplan, Bauzeichnungen, Baubeschreibung und gegebenenfalls ein Standsicherheitsnachweis. Bauen darf man erst, wenn die Genehmigung vorliegt oder, wo das Land eine Genehmigungsfiktion vorsieht, die Frist abgelaufen ist. Die gesetzlichen Fristen je Land stehen in der Übersicht zur Landesbauordnung.

Kleingarten, Denkmal, WEG, Hochwasser

  • Kleingarten: Nach § 3 Abs. 2 BKleingG ist im Kleingarten eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 m² Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig, die nach Ausstattung und Einrichtung nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein darf. Die Landesbauordnungen stellen solche Lauben verfahrensfrei, Bremen mit zusätzlichen Höhen- und Abstandsvorgaben (§ 61 Abs. 1 Nr. 1 k BremLBO).
  • Denkmalschutz: Auf denkmalgeschützten Grundstücken oder in ihrer Umgebung vorab die Untere Denkmalbehörde fragen. Rheinland-Pfalz nimmt Kulturdenkmäler und deren Umgebung ausdrücklich von der Freistellung aus.
  • Wohnungseigentum: Steht das Gartenhaus auf gemeinschaftlichem Grund oder einer Sondernutzungsfläche, ist es eine bauliche Veränderung, über die die Eigentümer beschließen (§ 20 WEG).
  • Überschwemmungsgebiete: In festgesetzten Überschwemmungsgebieten ist die Errichtung baulicher Anlagen nach § 78 Abs. 4 WHG grundsätzlich untersagt, Ausnahmen genehmigt die zuständige Behörde im Einzelfall.

Häufige Fehler

  • Falsche Einheit: Die Freigrenze wird je nach Land in Kubikmetern Rauminhalt oder in Quadratmetern Grundfläche gemessen. Wer 30 m² mit 30 m³ verwechselt, liegt um ein Vielfaches daneben.
  • Außenbereich übersehen: Am Ortsrand beginnt oft schon der Außenbereich, und dort sind die Grenzen deutlich kleiner oder es gibt keine Freistellung.
  • Bebauungsplan ignoriert: Verfahrensfrei heißt nicht zulässig. Baugrenzen und Festsetzungen gelten weiter.
  • Gesamtlänge an der Grenze: Carport, Garage und Gartenhaus an der Grenze werden zusammengezählt.
  • Nutzung schleichend geändert: Ein Lagerhaus, das zum Büro oder Gästezimmer wird, verlässt den freigestellten Tatbestand.

Häufige Fragen zur Gartenhaus-Genehmigung

Was bedeutet „genehmigungsfrei" wirklich? ▼

Verfahrensfrei heißt nur, dass kein Bauantrag nötig ist. Alle Landesbauordnungen schreiben ausdrücklich vor, dass verfahrensfreie Vorhaben die öffentlich-rechtlichen Vorschriften trotzdem einhalten müssen: Bebauungsplan, Abstandsflächen, Brandschutz, Denkmal- und Wasserrecht. Ein verfahrensfreies Gartenhaus, das gegen den Bebauungsplan verstößt, ist rechtswidrig.

Wie groß darf ein Gartenhaus ohne Genehmigung sein? ▼

Das hängt vom Land ab: in Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt 10 m² Grundfläche, in Thüringen 30 m², in Mecklenburg-Vorpommern 40 m²; in Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein 30 m³ Rauminhalt, in Baden-Württemberg 40 m³, in Rheinland-Pfalz 50 m³, in Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, NRW, dem Saarland und Sachsen 75 m³. Im Außenbereich gelten kleinere oder keine Grenzen.

Darf ein Gartenhaus bewohnt werden? ▼

Die Freistellung gilt in den meisten Ländern nur für Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten und Feuerstätten. Ein Gartenhaus zum Wohnen ist deshalb ein anderes Vorhaben mit eigenem Verfahren, das die Anforderungen an Aufenthaltsräume erfüllen und planungsrechtlich zulässig sein muss. Kleingartenlauben dürfen nach § 3 Abs. 2 BKleingG nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.

Ist ein Gartenhaus nach fünf Jahren automatisch legal? ▼

Nein. Die Befugnis der Bauaufsicht, die Beseitigung oder Nutzungsuntersagung anzuordnen, ist an keine Frist gebunden (in Bayern Art. 76 BayBO). Verjähren kann nur die Verfolgung als Ordnungswidrigkeit nach § 31 OWiG, bei hohen Bußgeldrahmen nach drei Jahren. Das macht das Gebäude nicht rechtmäßig.

Was passiert, wenn ich gegen Genehmigungsregeln verstoße? ▼

Die Bauaufsicht kann die Arbeiten einstellen, einen nachträglichen Bauantrag verlangen, die Nutzung untersagen oder die Beseitigung anordnen, wenn sich rechtmäßige Zustände nicht anders herstellen lassen. Dazu kommt ein Bußgeld; Bayern sieht für das Errichten ohne erforderliche Genehmigung bis 500.000 Euro vor (Art. 79 BayBO).

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